Wir nennen es Contemporary Design

 

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 1/2019

Autor: Karolina Landowski
Fotos: Studio Vaust

Das experimentelle Berliner Studio Vaust entwirft Designstücke aus Marmor, Messing und Holz als Grenzüberschreitung zwischen Kunst und Möbeln. Der Düsseldorfer Gründer David Kosock sprach mit uns über die Ästhetik von Körper und Material.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Designstudio zu gründen?  

Wir haben dieses Designstudio aus zwei Gründen ins Leben gerufen. Der erste ist die enge Freundschaft, die mich und meine zwei Partner Joern Scheipers und Bartosz Navarra verbindet, und der gefühlt ewige Wunsch, ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. Der zweite ist die geteilte Leidenschaft für die Beziehung zwischen Raum und Objekt, die uns seit unserer gemeinsamen WG-Zeit vor 15 Jahren in Berlin begleitet. Wir haben Vaust gegründet, weil wir hungrig sind und Dinge erschaffen wollen.

In Zeiten, in denen ein Schrank weniger kostet als eine Jeans, ist euer Studio ein Gegenentwurf dazu? 

Auf keinen Fall. Im Grunde spielen weder der billige Pressholzschrank noch die 500-Dollar-Jeans für uns eine Rolle. Wir begeistern uns einfach für das, was wir tun, und hoffen, es begeistert auch andere. 

Sind eure Objekte Möbel oder Kunst? 

Pragmatisch gesehen sind unsere Objekte einem Möbel schon sehr nahe. Es gibt einen Side Table, auf dem sich durchaus ein Glas Wasser abstellen lässt, und einen Spiegel, in dem man auch durchaus sein eigenes Spiegelbild erkennen kann. Unsere Intention beim Entwerfen der Objekte ist aber quasi nie der Pragmatismus, sondern einzig und alleine die Ästhetik von Körper und Material. So besteht der Spiegel eben nicht aus Glas, sondern aus von Hand spiegelpoliertem Messing und das Ergebnis ist ein goldenes, glorifiziertes Abbild seiner selbst. Wenn ich mich festlegen müsste, dann würde ich also weder Möbel noch Kunst sagen. Der Begriff Contemporary Design wird es wohl am ehesten treffen.

Welche Mission verfolgt Vaust? 

Irgendwie ist es schon die Auseinandersetzung mit Design selbst, die uns glücklich macht. Mit Vaust verfolgen wir das Ziel, diese Auseinandersetzung greifbar, spürbar und erlebbar zu machen – egal ob als Objekt oder im Raum. Wir haben einen sehr eigenen Blickwinkel auf diese Themen und übertragen diesen auf die Ergebnisse unserer Arbeit. Wenn dieses Ergebnis etwas im Betrachter auslöst und ihn dazu bewegt, Raum und Objekt bewusst wahrzunehmen …, dann haben wir unser Ziel erreicht.

Für wen macht ihr die Möbelstücke? 

Die Entwürfe unserer Objekte entsprechen nicht dem Profil einer Zielgruppe. Sie entsprechen zuallererst unserer Idee für zeitgenössisches bzw. „vaustiges“ Design. 

Mit welchen Materialien arbeitet ihr?

Wir sind nicht wirklich mit einer Materialverwendung verheiratet und betrachten das Thema Materialwahl von Projekt zu Projekt neu. In unserem ersten Release, einer Mikrokollektion namens „V33“, haben wir uns für tunesischen Marmor, ein für uns in Italien gegossenes Acrylglas, massives Messing und Eichenholz entschieden. Beim Projekt „Slabs“ restaurieren wir antike Marmorplatten, die wir überall in Europa suchen und finden, und übersetzen sie zu wunderbar ausdrucksstarken, dekorativen Wandobjekten. Der Reiz liegt hier ganz in der Schönheit des Materials und der Einzigartigkeit seiner Maserung. Aktuell arbeiten wir an drei „One-of-a-kind“-Objekten, die wir zusammen mit drei Materialdesignern entwickeln und die das Thema Material komplett in den Vordergrund stellen. Was sich wiederholen wird, … ist die Liebe zum Marmor. Was hinzukommt, … ist noch in Arbeit.

"Wir wollen Dinge erschaffen“

Wer macht die Möbel? 

Wir arbeiten ausschließlich mit Manufakturen aus Deutschland. Für jedes Material und jeden Arbeitsschritt haben wir Werkstätten, die sich zu 100 Prozent auf ihr Fach spezialisiert haben. Zum Schluss haben wir dann noch einen Betrieb, der alles zusammenführt und sicherstellt, dass wir perfektes Handwerk abliefern.

Ihr gestaltet auch Räume. Was reizt euch an der Innenarchitektur?

Es ist die Dreiecksbeziehung zwischen Raum, Mensch und Objekt, die uns reizt. Der Kontrast zwischen dem ganz Offensichtlichen und dem fast unscheinbaren Detail, das letztlich oft entscheidet. Seitdem ich denken kann, betrete ich Räume und kann gar nicht anders, als alles, wirklich alles, was ich sehe, aufzusaugen und zu analysieren. Den Wunsch, Räume selbst zu gestalten, habe ich schon seit Kindertagen. Im Zusammenspiel mit Joern, der durch sein Studium der Architektur auch das notwendige fachliche Wissen mit in unser Studio bringt, entstehen unsere Projekte quasi im kreativen Pingpong … und genau für dieses Pingpong gibt es Vaust. 

Was bedeutet für dich gutes Design? 

Da stellt sich ja die Frage, was „gutes“ Design eigentlich ausmacht oder bedeutet. Ich denke, wir würden uns gar nicht anmaßen, das akademisch bewerten zu wollen. Uns bewegt Design einfach. Genau wie es die Kunst tut, oder die Architektur. Und weil wir uns irgendwo in einer Grauzone dazwischen befinden, spielt es für uns eine ebenso große Rolle wie die beiden übrigen Themen.

Was verbindest du mit Düsseldorf?

Born and raised sozusagen. Für mich ist Düsseldorf eine von zwei Heimaten. Ich habe meine Familie hier, einige meiner liebsten Freunde und ein ganz wundervolles Team in meiner Werbeagentur „Gooqx“, die ich seit fast acht Jahren mit zwei Partnern führe. Es tut immer gut, ins Studio nach Berlin zu fahren, und ich liebe den Wechsel zwischen den beiden Städten, aber Düsseldorf ist definitiv die Stadt, die ich mein Zuhause nenne.

Wo wollt ihr mit Vaust in zehn Jahren sein? 

Wenn wir in zehn Jahren immer noch das machen dürfen, was wir gerade tun, dann ist alles gut. 

INFOBOX:

Vaust entstand 2015, als sich die drei Freunde David Kosock, Joern Scheipers und Bart Navarra bei einem Kaffee entschlossen, ihre kombinierte Leidenschaft für Kunst und Design auf die Möbelherstellung zu richten. Scheipers hatte Architektur und Kosock Modedesign studiert, während Navarra über einen Background in Branding und Kommunikation verfügte. Ihre komplementären Disziplinen bilden die Grundlage für den daraus entstandenen Berliner Showroom und das experimentelle Designstudio Vaust, das im Januar 2018 seine erste Kollektion auf den Markt brachte.

www.vaust.studio

 

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