Wine FAQ,


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 3/2018

Die Liebe zum Wein sorgte dafür, dass Yvonne Hoffmann und Sebastian Bordthäuser zu Sommeliers wurden. Für Königsallee werden die beiden in Zukunft Wein öffnen, ihn trinken, über ihn sinnieren und philosophieren und ihn natürlich auch empfehlen.

 

Alle trinken gerne Wein, manche kennen sich damit aus, manche tun so, als wären sie echte Kenner, und wieder andere haben keine Ahnung, trinken ihn aber trotzdem gerne. Was sollte man unbedingt wissen, wenn man ein bisschen mitreden möchte? Wir haben unsere Experten gefragt: 

Gibt es eine Optimale Temperatur?

Es gibt keine optimale Temperatur. Es gibt viele Komponenten, die man beachten sollte: Welches Wetter ist draußen? Welcher Luftdruck herrscht? Und so weiter. Einen frischen Riesling kann man kühler trinken als einen im Holzfass ausgebauten Burgunder. Wenn du den zu kühl trinkst, dann bekommst du nicht mit, was bei dem Wein alles passiert. Man sollte Wein immer gekühlt trinken, jeden Wein, auch den roten.

 

Welches Glas für welchen Wein?

Es sollte sauber sein. Groß oder klein ist zweitrangig. Dünnwandig sollte es sein und es sollte einen Stiel haben. Wenn das Glas einen Stiel hat, dann wäre es stilvoll, diesen Stiel zu benutzen und das Weinglas daran anzufassen und nicht am Kelch, das ist eine Unart.

 

Hilft der Esslöffel in der Schaumwein-Flasche?

Das ist ein Mythos. Das ist totaler Quatsch. Austrinken oder mit einem Stopfen verschließen.

 

Wie bekommt man eine Flasche am schnellsten kalt?

Alle raten davon ab, aber wenn die Flasche schnell kalt werden soll, ist das Eisfach eine sehr gute Lösung. Oder einen Kühler nehmen, Eiswürfel rein, diese dann mit Salz bestreuen und kaltes Wasser daraufschütten. So wird die Flasche schnell kalt. Eine Kühlmanschette ist super, wenn man die Flasche unterwegs kühl halten möchte.

 

Wie kriegt man den Korken raus, wenn man keinen Korkenzieher hat?

Du brauchst einen Schuh mit kleinem Absatz. Keinen Turnschuh, das geht nur mit ordentlichen Schuhen, am besten rahmengenähten Budapestern. Die Flasche muss in den Schuh und dann haust du diesen im 45-Grad-Winkel gegen die Wand. Dann ergibt sich durch den Luftdruck der Restluft in der Flasche eine Unwucht, sodass der Korken nach außen gedrückt wird. Cheers!

 

Wo sollte ich meinen Wein lagern?

Auf keinen Fall in der Küche. Dort herrschen schwankende Temperaturen, es ist meistens zu warm und es gibt zu viel Licht. Am besten ist ein dunkler Raum mit einer konstanten kühlen Temperatur. Ein Keller zum Beispiel. 

 

Beide kamen eher zufällig zu ihrer heutigen Berufung, können sich aber mittlerweile ein Leben ohne nicht mehr vorstellen. Gemeinsam geraten sie in sakrale Schwärmereien, wenn man sie nach ihrer Liebe zum Traubensaft befragt.

 

Wie wird man Sommelier?

Yvonne Hoffmann: „Bei mir war das echt Zufall. Ich sollte eigentlich BWL studieren, um in den Betrieb meiner Eltern einzusteigen. Ein TV-Sender drehte in Düsseldorf Bilder für einen Beitrag über Ausbildungsplätze. Ich lief durch die Stadt, der Redakteur sprach mich an und ich äußerte mich über die katastrophale Ausbildungssituation in Düsseldorf. Am nächsten Tag konnte ich mich vor Anfragen nicht mehr retten. Ein Unternehmen war der Düsseldorfer Weinhandel Rotweiss. Ich machte dort meine Ausbildung und bin seitdem mit Leib und Seele Sommelière.“

Sebastian Bordthäuser: „Ich habe Germanistik studiert und nebenbei in der Gastronomie gearbeitet, ein Genussmensch war ich immer schon. Ich war dann Restaurantleiter und Sommelier in verschiedenen Läden. Zum Beispiel im Monkeys West oder im Steinheuers Restaurant „Zur Alten Post“. Seit vier Jahren arbeite ich als selbstständiger Sommelier und Journalist. Das Studium war also nicht umsonst, so kann ich nämlich ganz gut in allgemein verständlicher Sprache über Wein reden und schreiben.“

 

Warum liebt ihr euren Beruf?

Yvonne Hoffmann: „Menschen, gutes Essen und die Liebe zu einem Getränk, das so alt ist wie die Menschheit. Alles, was in meinem Leben sowieso wichtig ist, kann ich mit in meinen Beruf bringen. Was gibt es Besseres?“

Sebastian Bordthäuser: „Wein ist einfach eine unendliche Geschichte. Wer sind die Menschen, die den Wein machen, warum machen sie den Wein? Wo wachsen sie auf, wo kommen sie her, welcher Kultur entspringen sie, warum machen sie es so, wie sie es tun? Was ist das Ergebnis in der Flasche und wie ist es entstanden, wie weit ist dieses Ergebnis mit der Region verbunden und dann ist man schnell bei der ganzen Geschichte. Wein ist einfach allumfassend.“

 

Ihre Weinempfehlungen?

Yvonne Hoffmann: „Der Veuve Fourny Champagner aus 80 Prozent Chardonnay und 20 Prozent Pinot noir ist ein wahrer Preis- Leistungs-Kracher. Ein perfekter unkomplizierter Aperitif-Champagner. Frische und Eleganz lassen Sommersprossen hüpfen und den Abend wundervoll beginnen.“

Sebastian Bordthäuser: „Radice, Lambrusco di Sorbara von der Cantina Paltrinieri. Leicht rhabarberfarben, hat er auch in der Nase Noten von Rhabarber und Himbeere. Mit schlanken 11 Prozent schenkt man reuelos nach, als Apero zu Schinken, zu gegrilltem Fisch oder klassisch Tagliatelle con Ragù. " 

 

Text: Britt Wandhöfer | Fotos: Sabrina Weniger

 

 

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