Weniger ist so viel mehr


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 2/2018

 

Raffiniert. Verführerisch. Grafisch. Der Stil des jungen international erfolgreichen Lingerie-Labels Opaak ist genauso lässig und unangepasst wie seine Gründerin. Wir haben mit Agathe D. Muffert gesprochen: über Inspiration, sinnliche Momente und das Gefühl, besondere Wäsche zu tragen.

Wie bist du dazu gekommen, ein Lingerie-Label ins Leben zu rufen?

Schon in meinem Studium am Design Department Düsseldorf war ich fasziniert von dem weiblichen Ausdruck durch Kleidung. Nach meinem Abschluss habe ich als Womenswear Designer im Bereich Ready-to-wear und Couture bei Viktor & Rolf und Ilja Couture in Amsterdam gearbeitet. Dabei ging es vor allem um abstrakte Formen und körperferne Skulpturen. Um Showeffekte und Red-Carpet-Looks. Lingerie-Design hat dagegen mehr mit körpernahen Entwürfen zu tun. Es ist alltagstauglich, komfortabel, funktional – und es kommen andere Materialien zum Einsatz. Beides macht mir Freude. Lingerie-Design stellte sich für mich dann als der Bereich heraus, in dem ich meine Visionen ausleben konnte. Es entstand bald ein klares Konzept in meinem Kopf, das sexy Komfort, wirkungsvolles Design der Konturen und eine starke Bildsprache umfasste. Also habe ich 2014 meinen festen Job gekündigt und nach langjähriger Recherche und Entwicklung Anfang 2017 die Marke Opaak gegründet.

Wie würdest du den Stil von Opaak beschreiben?

Opaak entspricht nicht der Tradition von Lingerie. Meine Teile sind puristisch geschnitten, grafisch, unverziert und minimalistisch. Sie sind für Frauen konzipiert, die Luxus als Understatement mögen und damit ihrem Look Ausdruck verleihen. Sie suchen nach Komfort, gepaart mit modischem Stil. Opaak ist für diejenigen, die sich mit einer entspannten Lässigkeit stilbewusst kleiden möchten. Mit der Idee, dass Unterwäsche auch Oberbekleidung sein kann und dass weniger so viel mehr sein kann.

Woher kommen deine Inspirationen?

Die Materialien sind eine große Inspirationsquelle für viele meiner Entwicklungen. Die Teile müssen gleichzeitig technisch und sinnlich sein. Meine Hauptinspiration für Kollektionen sind Frauen, die ich treffe und die mein Interesse wecken. Ich stelle mir vor, wie sie Opaak mit ihrem eigenen Stil kombinieren können und wie sie sich fühlen, wenn sie es tragen. Ich erinnere mich an Gespräche mit ihnen, wenn ich neue Designs erschaffe. Aber ich bin auch inspiriert von der Natur, Statementfarben, Streetwear-Looks, Active Wear, schönen Gesten und Sound, der nach Bewegung verlangt. Dies bringt die Grundstimmung für mich und eine Kollektion mit sich. Die Kollektionen sind saisonweise angelegt und werden durch neue Stile ergänzt.

Von der ersten Idee bis zum fertigen BH oder Body – welche Schritte sind hierfür nötig?

Ich besuche verschiedene Stoffmessen in Paris, London und München. Wenn ich die richtige Inspiration für eine Kollektion gefunden habe, beginne ich in meinem Atelier in Köln mit lockeren Skizzen. Parallel führe ich eine detaillierte Materialanalyse durch und teste Farbkombinationen im Tageslicht. Auch Accessoires und Zubehör für die Styles wähle ich dabei sorgfältig aus. Ich führe Verarbeitungsproben durch und entwickle gemeinsam mit meinen Lieferanten technische Lösungen. Nach der endgültigen Auswahl der Designs und der Muster probiere ich Prototypen an mir selbst und an anderen Modellen an. Ich führe Gradierungen durch, um verschiedene Größen zu testen.

Bei all diesen Schritten unterstützen mich mein Partner und eine Assistentin. Parallel arbeiten wir noch mit verschiedenen Freelancern und Produktionsfirmen in Europa zusammen. Die Prozesse entwickeln wir ständig weiter – wir studieren im Grunde das endlose Universum der Körperformen, sprechen mit unseren Modellen und versuchen, so viele Frauen wie möglich glücklich zu machen. Daher bleibt das größte Kompliment für uns, wenn unsere Kunden mit der Passform zufrieden sind.

Welchen Typ Frau siehst du in deiner Lingerie?

Die Opaak-Frau ist unberechenbar und nicht in einem Stereotyp beschrieben. Sie ist sich ihres eigenen Stils bewusst und entscheidet nach ihrem eigenen Rhythmus. Ich bin inspiriert von Intelligenz, Selbstachtung und einem guten Selbstwertgefühl – und dabei ist es egal, wie alt man ist. Die Opaak-Frau spielt mit dem Unbekannten, und manchmal vereint sie viele Kontraste. Ich denke, das alles fasst ohnehin zusammen, wie Frauen sein können. Diese Vorstellung gibt mir die meiste Inspiration für meine Arbeit.

Welchen Stellenwert hat Lingerie für dich?

Lingerie ist das Erste, was wir morgens anziehen, und das Letzte, was wir abends ablegen. In Bezug auf Mode ist es die Schönheit, die am engsten auf unserer Haut liegt. Daher bin ich überzeugt, dass sich die Wahl der Wäsche auf unser Wohlbefinden auswirkt. 

"ICH BIN INSPIRIERT VON DER NATUR UND SCHÖNEN GESTEN!

Wie hat sich der Stellenwert von Lingerie im Laufe der letzten Jahre verändert – für Frauen, aber auch für Männer?

Bei Frauen erkenne ich deutschlandweit einen Wandel. Sie haben den Reiz des kleinen Luxuskaufs für sich entdeckt, vergleichbar mit einem seltenen Duft oder einem aufwendigen Blumenstrauß. Lingerie ist für Frauen körperaufwertend, sie bringt ihnen Wohlbefinden und Selbstachtung. Auch das Gefühl, sexy zu wirken, tut bekanntermaßen unsagbar gut. Männer sehen ihre Partnerin auch gerne in schöner Wäsche und lieben das Sinnliche. In den letzten Jahren hat die Herkunft und Art der Produktion einen höheren Stellenwert gewonnen. Auch höhere Preise werden akzeptiert, wenn die Qualität stimmt. International erlebt die Lingerie gerade ein Revival, frische Konzepte kommen auf den Markt, eine neue Bildsprache und innovative Designs, die die großen Marken ablösen. Durch das Internet und Social-Media-Netzwerke wie Instagram öffnet sich der Markt enorm und wird weltweit vielfältiger. Unterwäsche macht momentan wirklich Spaß!

Wie hat Düsseldorf dein Wirken beeinflusst?

Ich habe schon früh während des Studiums in den großen Modehäusern auf der Königsallee gejobbt und in den Orderwochen in den Showrooms gearbeitet. Mit Düsseldorf verbinde ich modischen Anspruch, Geschäftssinn, aber auch Kultur und Schöngeistigkeit. Heute unterrichte ich als Gastdozentin am Design Department, also an der gleichen Akademie, die mich ausgebildet hat. Als Kölnerin habe ich es ja nicht weit nach Düsseldorf und bin gerne beruflich und auch privat hier unterwegs. 

www.opaak.de

 

Interview: Karolina Landowski

Fotos: Opaak

 

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