Very Gentlemen


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 3/2018

Very Gentlemen

Wie geht er, der moderne Dandy-Look? Perfekt geschnittene Anzüge, schmale Hemden und dazu der blank polierte Schuh. Viele Männer setzen bei ihrer Garderobe auf klassische Essentials. Richtig spannend akzentuiert werden kann der Gesamtlook durch die passenden Accessoires. Von Hosenträgern bis hin zur Fliege. Kleine Manufakturen haben sich auf die besonderen Details für den Mann spezialisiert.

Auf Modemessen und in Deutschlands Innenstädten sieht man sie gelegentlich posieren: Peacocks, also Männer, die sich extravagant kleiden. Im violettfarbenen Anzug, mit schimmerndem Einstecktuch, mit markantem Hut und einem gewinnenden Lächeln. Diese modernen Dandys sind Männer von erlesener Eleganz, einer Eleganz, die Ausdruck einer bestimmten Geistes- und Lebenshaltung ist. Der moderne Dandy nimmt sich selber nicht mehr so wichtig, achtet aber darauf, wie auch früher schon, dass er jederzeit die passende Kleidung trägt. Er möchte sich abheben und mit seiner Kleidung seine Individualität unterstreichen.

Das bedeutet heute, dass er einen eigenen Look trägt. Zum Beispiel eher den auffälligen Zweireiher, eine Kombination oder ein besonders hochwertiges, softes Sakko ohne Futter. Die Hose mit zwei Bundfalten ist sicherlich auch in seinem Kleiderschrank zu finden. „Gut angezogen ist man 2018 sowohl als auch 1918 mit einem perfekt sitzenden Anzug. Der Hut ist heute allerdings eher die Ausnahme, nicht die Regel. Heute geht es sehr viel legerer zu“, sagt Anna Ulrich-Cattien, Inhaberin von The Bloke. Hohe Schneiderkunst, beispielsweise aus der Savile Row in London, ist immer noch hoch angesehen, aber immer mehr Maßschneidereien siedeln sich lokal an. The Bloke in Düsseldorf zum Beispiel, ein junges, kreatives Modelabel, das sich auf Tailoring für „den Kerl“ konzentriert.

Ein Anzug von The Bloke wird nach den individuellen Vorstellungen des Kunden zusammengestellt und nach dem Made-to-measure-Prinzip geschneidert: Im Atelier probiert der Kunde Musterteile an und lässt seinen Körper vermessen. Anschließend kann er aus einem vielfältigen Sortiment hochwertiger Stoffe von den besten Webern Italiens und Englands auswählen. Doppelreiher, Bundfaltenhose, hochgeschlossene Weste: Auch die feinen Details wie Knöpfe, das Innenfutter und die Garne bestimmt der Kunde selbst. Unterstützung bei der Kreation erhält man durch geschulte Maßkonfektionäre im Zuge einer eingehenden persönlichen Beratung. „Wir erweitern unsere Auswahl stetig und können so auf die individuellen Bedürfnisse und Ideen optimal reagieren. Wir drücken unseren Kunden keinen Stil auf, geben keine Richtung vor, sondern schauen genau, was zur Persönlichkeit und zu den Anforderungen der jeweiligen Person passt. So verbinden wir die traditionellen Werte der Maßschneiderei mit modernen Schnitten und persönlichen Vorlieben – es entsteht ein neuer, charaktervoller Look. Kurz, wir schaffen Anzüge, die man gerne trägt. Für echte Kerle“, unterstreicht Anna Ulrich-Cattien.

Auf die Details kommt es an: Einstecktücher und Broschen zieren das Jacket, Armbänder das Handgelenk. Auf Hüte und Mützen legen stylische Männer ohnehin Wert. Für Aufsehen sorgen auch expressive Blumenprints aller Art – ob auf Hemden, Krawatten oder Sakkos.

Durch kleine Details wie Knöpfe, Stickereien und Innenfutter wird der Anzug individualisiert. Es sind Unikate, die mit höchster Präzision und Sorgfalt verarbeitet werden. Das sieht man den Teilen nicht nur an, sondern man spürt es durch ein exzellentes Tragegefühl und eine optimale Passform.Die Form des Anzugs ist die halbe Miete. Er muss gut sitzen, und wer ihn modischer tragen möchte, verabschiedet sich von der ganz schmalen Silhouette. Die Formen gehen langsam zurück zu etwas weiteren Schnitten und das Revers wird wieder breiter.

Jedoch darf nicht der ganze Anzug weit sein. Nur einige Details, wie zum Beispiel das Revers und dazu kombiniert eine Hose mit Bundfalte, die dann unten schmal zuläuft. Auch der Doppelreiher kann wieder getragen werden. Helle Farben sind angesagt. Ein helles Blau oder Grau setzt sich häufig schon sehr gut vom eintönigen Dunkelblau ab. Mit einer schönen Struktur oder einem Karo bekommt der Anzug einen weiteren Twist. Im Job sind die meisten Männer eher zurückhaltend, was Farbe angeht. Aber mit einem dezenten Muster kann man auch hier Akzente setzen.

„Bleib deinem eigenen Stil treu, dann ist alles erlaubt“

Legeres Sakko plus Hose mit Bundfalten und verkürztem Saum – der Anzug überzeugt auch durch weitere Schnitte und mehr Volumen. Kenner kombinieren ihn mit dem Sneaker.

Bei den Materialien wird es immer heller und strukturierter. Zu dem hellen Blau aus den letzten Jahren gesellt sich jetzt ein helles Grau. Strukturen werden immer mehr gefragt. Zum Beispiel ein Leinenlook. Dabei muss es auch nicht immer echtes Leinen sein. Wer den typischen Knitterlook nicht mag, greift einfach auf Wollstoffe zurück. Für Geschäftsleute ist ein 4Ply interessant, denn diese Stoffe sind extrem robust und knittern nicht. Beim Hemd geht der Trend zum lässigeren Look. Etwas informeller wird es durch die soften Einlagen im Kragen und in den Manschetten. Stoffe aus Baumwolle und Leinen sind gerade für den Sommer optimal. Ein schöner Manschettenknopf rundet jedes Outfit ab und gehört in die Garderobe eines Mannes, wie eine schöne Uhr.

Absolutes No-Go: ein Anzug, bei dem die Ärmel und die Hose zu lang sind. Ein absolutes Must-have: ein guter Schuh. Der rundet den gesamten Look ab, findet Anna Ulrich-Cattien. Der Anzug kann noch so teuer und passend sein, wenn der Schuh nicht dazu passt, dann verliert das ganze Outfit an Stil. Dabei können es Brogues mit Lyra-Lochung sein, ein schlanker Derby oder ein angesagter Chelsea Boot.

Nostalgie zum Tragen: Der Dreiteiler aus Sakko, Weste und Hose gehörte in den 20er- bis 40er-Jahren in jeden Kleiderschrank und wird heute von Fashionprofis wieder neu entdeckt. Auch Accessoires wie Hosenträger sind wieder gefragt.

Was hingegen absolut überschätzt ist? Der Cutaway. Tagsüber ist man mit einem Westenanzug mindestens genauso gut angezogen. Es sei den, man bewegt sich in Adelskreisen. Ein dunkelblauer Anzug sollte in jedem Schrank hängen. Dieser Anzug ist multifunktional. Im Job oder bei festlichen Anlässen – je nachdem, mit welchen Accessoires er kombiniert wird, entsteht immer ein neuer Look.

Bei den Männern wünscht sich Anna Ulrich-Cattien mehr Mut zu ausgefalleneren Farben und Mustern sowie zu neuen Silhouetten. Nicht immer dasselbe in verschiedenen Farben. Eine Bundfaltenhose, ein softes Sakko oder auch einfach verschiedene Taschenoptionen ausprobieren. Man kann mit den Formen spielen und so mehr Variation in den Kleiderschrank bringen. Mehr Individualität und weniger Billigmassenplunder wären wünschenswert. Auf die Frage, welchen prominenten Mann sie gerne ausstatten würde, hat Anna Ulrich-Cattien gleich eine Antwort: „Daniel Craig als James Bond. Immer wieder kommen Kunden zu uns, die sich diesen Look wünschen. Aber auch im deutschen Fernsehen finden sich einige gut angezogene Männer. Zum Beispiel Jan Böhmermann. Er begeistert sich für Anzüge und trägt sie mit Stil. Einige davon kommen auch von The Bloke.“

Text: Karolina Landowski

Fotos:

The Bloke http://the-bloke.de
The Bloke ©Stefano Chiolo https://www.stefanochiolo.de
The Bloke, Kai Weissenfeld http://www.kai-weissenfeld.com
Treger http://www.treger.ch
Pitti Uomo https://www.pittimmagine.com/en/corporate/fairs/uomo.html

 

Infobox:

Pfau-Laufen in Florenz

Wer die stylischsten Männer der Welt beobachten möchte, braucht ein Ticket nach Florenz. Zwei Mal im Jahr treffen sich Dandys, Peacocks oder einfach nur perfekt angezogene Herren auf der Modemesse Pitti Uomo zum internationalen Schaulaufen. Während in den Hallen die neueste Herrenmode präsentiert wird, posiert davor das illustre Publikum für die wichtigsten Streetstyle-Fotografen. Essenziell für das Spektakel: Sonnenbrille, Hut und eine gewisse Prise Arroganz.

www.pittimmagine.com/corporate/fairs/uomo.html

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