SPORT DER KÖNIGE

 

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 2/2019

Autor: Nora Walden
Fotos: Michael Gueth 
Retouching: Felix Will

Polo ist eine der ältesten Sportarten, die die Menschheit hervorgebracht hat, und nimmt derzeit eine erstaunliche Entwicklung. Das elegante Spiel zu Pferd wird auch bei uns immer beliebter. Um zu sehen, woran das liegt, hat KÖNIGSALLEE sich mit Polospieler Thomas Enge vom Rhein Polo Club Düsseldorf auf dem Rasen getroffen. 

Im asiatischen Raum war der Sport unter dem Namen „Chaugán“ sehr beliebt und wurde schon circa 700 vor Christus dafür verwendet, die Eigenschaften von Führungskräften abzufragen, bevor wichtige Staatsämter vergeben wurden. Ein guter Polospieler muss diese durchaus erfüllen: Es braucht Mut, Entscheidungsfreude, Besonnenheit, Durchsetzungsvermögen und natürlich Teamfähigkeit. Von Indien nach England schwappte das Spiel durch die Kolonialisierung, als die 1859 heimgekehrten britischen Offiziere nicht mehr auf ihr neues Hobby verzichten wollten. 1877 brachte David Shennan ebendieses von dort nach Buenos Aires auf seine Farm und damit Polo nach Argentinien. Die Nation ist auch heute führend in der Zucht der Poloponys und zählt rund 140 Clubs. 1896 gab es in Hamburg das erste deutsche Polospiel, die Gründung des Hamburger Clubs folgte 1898. Im Laufe der Zeit war Polo sogar fünfmal olympische Disziplin, und die Engländer nutzten es um 1899 in St. Moritz als Teil der militärischen Ausbildung, was dem Schweizer Örtchen das erste Polofeld bescherte.

Polo beansprucht also ein geraumes Maß an Zeit in der Menschheitsgeschichte, es benötigt zusätzlich aber auch sehr viel Platz. Ein Spielfeld hat ungefähr die Größe von sieben Fußballfeldern, die Tore sind 7,30 Meter breit und werden von drei Meter hohen Weidenrohrpfosten begrenzt, wobei der geschlagene Ball in jeder Höhe zwischen den Pfosten als Tor gilt. Betrachtet man die Größe des Spielfeldes, macht die Anzahl der eingesetzten Ponys durchaus Sinn. Ein Spiel besteht aus sogenannten Chukkas, jedes dauert siebeneinhalb Minuten. So hat jeder Spieler des vierköpfigen Teams mindestens vier Ponys, in der Regel eines pro Chukka. Da das Spiel sehr schnell ist und die Wege lang sind, müssen die Ponys nach jedem Chukka oder auch zwischendurch getauscht werden, wobei die Zeit angehalten wird. Poloponys werden völlig anders geritten als „normale“ Pferde, deshalb ist es zum Einstieg keinesfalls ein Nachteil, wenn man noch nie im Sattel Platz genommen hat.

Das beweist Thomas Enge, der seit gut einem Jahr zusammen mit Dr. Jürgen Schröder die Geschäftsführung der Poloakademie Düsseldorf in Willich übernommen und im Polo seine Leidenschaft gefunden hat. Thomas Enge gründete 2005 mit drei Partnern in Düsseldorf den ersten deutschen Mobilfunkdiscounter „Simyo“, der nach fünf Jahren von E-Plus übernommen wurde. Dr. Schröder ist Partner beim Unternehmensberater McKinsey und leitet das Büro in Düsseldorf. Die Idee des Rhein Polo Clubs Düsseldorf ist es unter anderem, den Sport vielen Menschen zugänglich zu machen. „Man muss nicht unbedingt ein Vermögen ausgeben, um den Mannschaftssport ausüben zu können. Ein Polopony ist lange nicht so teuer wie ein Dressurpferd“, erklärt Enge. Für ein ordentliches Pony muss man ungefähr 6000 Euro investieren. Aber es braucht nicht einmal das eigene Pony zu sein, denn die dem Club angeschlossene Akademie besitzt Schulpferde. Hier kann, wie in jeder Reitschule, das Reiten und Spielen erlernt werden. 

„Wenn die Sachen nach dem Wochenende noch sauber sind, hast du nicht richtig gespielt!“

Hier werden auch die Regeln des Spiels vermittelt, die der Sicherheit und der Fairness dienen – zwei Dingen, die im Polosport sehr großgeschrieben werden. Immerhin geht es immer um zwei Lebewesen, die gemeinsam einen Sport in hoher Geschwindigkeit ausüben. Durch die koloniale Tradition haben sich auch einige Regeln manifestiert, die den Zuschauer zunächst irritieren mögen, wie das Wechseln der Mannschaftsseiten nach jedem erzielten Tor. Da in Indien die Spiele meist in der Abendsonne stattfanden, wurde so sichergestellt, dass jede Mannschaft in den Genuss des blendenden Gestirns auf ihrer Seite kam. Um Verletzungen zu vermeiden, tragen die Reiter Knieschoner aus Leder. Für geschützte Schienbeine und Halt am Sattel sorgen Lederstiefel, auf dem Kopf trägt der Spieler einen Helm mit Gesichtsschutz. „Bis die Stiefel eingelaufen sind, muss man schon etwas leiden. Aber wir tragen zum Spielen grundsätzlich bequeme Sachen. Die Hose kann eine ganz normale Jeans sein, nur eben weiß.

Die Shirts müssen dem Spieler Bewegungsfreiheit lassen, da der Ball immer mit der rechten Hand geschlagen wird. Wenn die Sachen nach dem Wochenende noch sauber sind, hast du nicht richtig gespielt!“, lacht Thomas Enge. Die linke Hand führt die Zügel, durch die in Kombination mit Gewichtsverlagerung Richtung und Geschwindigkeit des Ponys geregelt werden. Natürlich müssen auch die Vierbeiner entsprechend geschützt werden und bekommen Bandagen an die Beine, die Prellungen durch Schläger oder Ball abhalten, sollte doch einmal ein Schlag nicht gelingen. Die Mähne wird kurz geschoren, der Schweif eingeflochten und hochgebunden, damit der Schläger sich nicht in den langen Haaren verfängt. Nur eine kleine Strähne vor dem Sattel darf bleiben, damit der Reiter sich in einer brenzligen Situation nicht am Zügel, sondern an den Haaren halten kann. 

„Die Mannschaften werden vor jedem Spiel oder Turnier neu zusammengestellt, so spielt man mal mit oder gegen jeden und starke Spieler immer mit schwächeren Spielern zusammen. So sind die Mannschaften gleich stark. Das war für mich toll, so kommt man schnell in den Sport und hat gleich Spaß daran. Durch dieses System entsteht auch der Konkurrenzgedanke unter den Spielern nicht. Es geht hauptsächlich um die Freude am Spiel“, begründet Thomas Enge seine Liebe zum Polo. 

 

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