Sinn & Sinnlichkeit


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 4/2018

Das Parfum ist das einzig unsichtbare Accessoire femininer Verführungskunst. Wir stellen bekannte Parfümeure, sinnliche Klassiker und die luxuriösesten Düfte der Parfümgeschichte vor.

Kein anderer Sinn ist so eng mit unseren Gefühlen verknüpft wie der Geruchssinn. Gerüche verführen, versprechen, wecken Aufmerksamkeit und regen die Fantasie an. Ein Duft ist die stärkste Form der Erinnerung, das Parfum seine komplexe Kunst. Seit über 5.000 Jahren werden Parfums hergestellt. Ursprünglich als Räucherwerk für die Götter, später auch für den Körper. Im 16. Jahrhundert gehörte es in Adelskreisen zur Mode, parfümierte Handschuhe zu tragen. Schließlich eroberte das Parfum Tropfen für Tropfen das Bürgertum und betörte die Reichen und Schönen im 19. Jahrhundert. Designer wie Guerlain, Chanel und Yves Saint Laurent kreierten Parfums und faszinierten immer mehr Träger. Lange ein absolutes Luxusgut, wurden Düfte im 20. Jahrhundert für alle Gesellschaftsschichten erschwinglich.

Viele Designer verewigten ihre Lieblingsgerüche in Parfums. Es heißt, Christian Dior habe immer eine Maiglöckchenblüte in die Säume seiner Kleider einnähen lassen.

Die Geschichte des Parfums, wie wir es heute kennen, beginnt in Grasse. Die Welthauptstadt des Duftes liegt in einer idyllischen Landschaft an der Côte d’Azur. Dank der perfekten klimatischen Bedingungen blühte dort im 16. Jahrhundert die Destillation von Duftstoffen auf. Seitdem spezialisierten sich Parfümeure aus Grasse auf die Extraktion des Blütensafts. In Frankreich nennt man Parfumkomponisten einfach nur „nez“: Nasen. Um einer zu werden, muss man außerordentliche Fähigkeiten besitzen, einen überdurchschnittlich ausgeprägten Geruchssinn und jahrelange Berufserfahrung. Was vielleicht erklärt, warum es weltweit nur etwa 2.000 Parfümeure gibt. Einer der größten ist Pierre Bourdon. Nach einem Studium der politischen Wissenschaften ging er nach Grasse, wo er einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik entwickelte. In den 1980er- Jahren revolutionierte er den Herrenduft, indem er Davidoff Cool Water kreierte. Er hat Düfte wie Jil Sander Sun und Yves Saint Laurent Kouros entworfen und arbeitet bis heute als angesehener Chefparfümeur.

Bild 1: ohne Kleidung

Bild 2: Top Massimo Dutti, Ring Grafenberg Schmuck

Der Extravaganteste und weltweit Bekannteste seiner Zunft ist Serge Lutens, der mit 14 zunächst eine Friseurausbildung begann. Sein kreativer Drang führte ihn zur „Vogue“ sowie zu Shiseido und Dior. Anfang der 1990er begann er, eigene Düfte zu kreieren – ohne je eine Ausbildung dafür gemacht zu haben. >>Er war einer der Ersten, die mit Holznoten und Weihrauch experimentierten, und führt heute erfolgreich sein eigenes Label. Geza Schön ist einer der wenigen freischaffenden deutschen Parfümeure. Sein Duft „Molecule 01“ machte ihn weltberühmt. Das Parfum gilt als Revolution, weil es nur einen einzigen Duftstoff beinhaltet.

Laut Chanel wird weltweit alle 30 Sekunden ein Fläschchen Chanel „N° 5“ verkauft.

Viele Parfums sind durch ihren außergewöhnlichen Duft zum Klassiker geworden, auf den man auf der Straße angesprochen wird. Weltweit werden jährlich etwa 500 Parfumkreationen auf den Markt gebracht, aber nur wenige schaffen es in den Duftolymp. Das wohl berühmteste Parfum der Welt trägt nur eine Nummer. Ernest Beaux entwarf 1921 für Chanel eine ganze Serie verschiedener Parfums, von denen Coco Chanel schließlich die „N° 5“ wählte. Die Zahl fünf war die Glückszahl der Modeschöpferin. Was zunächst nur als kleines Weihnachtsgeschenk für die treuesten Kunden gedacht war, wurde schließlich zu einem überwältigenden Erfolg. Laut Chanel wird weltweit alle 30 Sekunden ein Fläschchen Chanel „N° 5“ verkauft – und der Flakon steht längst als Designikone im New Yorker Museum of Modern Art. Eine der berühmtesten Chanel-Trägerinnen war die Schauspielikone Marilyn Monroe, die in den 1950er-Jahren beteuerte, dass sie im Bett nichts als ein paar Tropfen Chanel trage.

Bild 3: Kette und Anhänger, Grafenberg Schmuck

Bild 4: Kunstfell-Mantel, Zara

Viele Designer verewigten ihre Lieblingsgerüche in Parfums. Es heißt, Christian Dior habe immer eine Maiglöckchenblüte in die Säume seiner Kleider einnähen lassen. Schließlich kreierte Edmond Roudnitska ein Parfum aus Diors Lieblingsblume. „Diorissimo“ ist mittlerweile 62 Jahre alt, gilt aber immer noch als absolut wegweisend. Das Erstaunliche an dem ersten Maiglöckchenparfum ist: Der Duft wird aus verschiedenen Essenzen simuliert, weil man ihn aus der Blume selbst nicht extrahieren kann. Andere Düfte wiederum spiegelten das Zeitgeschehen wider. „Shalimar“ war 1921 Jacques Guerlains Reaktion auf die orientalische Trendwelle, die in den 1920er-Jahren Europa erreichte. Als Inspiration dienten ihm die Gärten von Shalimar im pakistanischen Lahore. Um während der Wirtschaftskrise 1929 seine amerikanischen Kundinnen aufzumuntern, gab der Modeschöpfer Jean Patou „Joy“ in 

Auftrag. Der Flakon mit 30 Millilitern des Dufts galt wegen der großen Menge an edlen Zutaten, wie etwa 10.600 Jasminblüten und 336 Mairosen, lange als teuerstes Parfum aller Zeiten. Heute ist es eine Kreation des Briten Clive Christian, der 1999 die traditionsreiche britische Crown Perfumery erworben hat. Inspiriert von alten Rezepturen kreierte er aus auserlesensten Duftstoffen eine neue Kategorie des Luxusparfums – die Haute Couture des Duftes. Aushängeschild ist das Parfum „No. 1“, das vom Guinnessbuch der Rekorde zum teuersten Parfum der Welt gekürt wurde. Die auf zehn Stück limitierte Luxusedition des Parfums mit dem Namen „No. 1 Imperial Majesty“ kostet stolze 195.000 Euro.

Die Duftkreation aus 200 erlesenen Zutaten wird in einem handgefertigten Flakon aus französischem Baccarat-Kristall abgefüllt. Den goldenen Verschluss in Anlehnung an die Tiara der britischen Queen ziert ein fünfkarätiger Diamant im Brillantschliff. Eine dekadente, aber würdige Verpackung für etwas so Kostbares, fast schon Magisches wie ein Parfum. Denn: So schnell sich ein Duft auch verflüchtigt, so unvergänglich sind die Erinnerungen und Emotionen, die er immer wieder zu wecken vermag. 

Fotos:
Sebastian Brüll
https://www.instagram.com/sebastianbruell/?hl=de

Haare & Make-up:
Eva-Maria Pirlartz, c/o 21 Agency
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Model:
Nadeschda c/o Mega Model Agency
https://www.instagram.com/nadeschdaloh/?hl=de
https://www.instagram.com/megamodelagency/?hl=de

Beauty-Produkte:
alle Charlotte Tilbury und Davines Deutschland

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