Meat Love

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 3/2019
Text: Katja Vaders 
Fotos: PR

 

Der Konsum von Fleisch ist derzeit ein viel diskutiertes Thema. Aber absoluter Verzicht muss nicht sein – das Gebot der Stunde heißt vielmehr Genuss in Maßen von qualitativ hochwertigem und nachhaltig produziertem Fleisch. KÖNIGSALLEE verrät, wo man dieses in Düsseldorf bekommt. 

 


Fleischgenuss ist heutzutage ein umstrittenes Vergnügen. Dennoch wächst der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch in Deutschland stetig. Laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung lag die Verbrauchsmenge 2018 bei rund 60 Kilogramm pro Kopf – eine Menge, die nur eine Fleischindustrie produzieren kann, die vor allem auf Massentierhaltung setzt. Die Tönnies Holding, Deutschlands größter Schlachtbetrieb für Schweine und einer der größten für Rinder, machte 2018 dementsprechend einen Umsatz von 6,65 Milliarden Euro. Aber um welchen Preis? Massentierhaltung bedeutet unter anderem Haltung auf engstem Raum und Tiere, die mit Antibiotika regelrecht gemästet werden. Diese Art der Tierhaltung ist mitverantwortlich für die Emission klimaschädlicher Gase: Rund 60 Prozent der gesamten Methan- und 80 Prozent der Lachgas-Emissionen in Deutschland stammen aus der Landwirtschaft (inklusive Beackerung). Bei all diesen Fakten wird klar, dass eine Kehrtwende beim Fleischkonsum überfällig ist: Wer Fleisch genießen möchte, sollte es aus artgerechter Haltung kaufen. Argumente für diese Entscheidung sind nicht nur ein gutes Gewissen, sondern auch der gute Geschmack. Aber wo kauft man solches Fleisch in Düsseldorf?

 

„Argumente für Fleisch aus artgerechter Haltung sind nicht nur ein gutes Gewissen, sondern auch der gute Geschmack.“

 

Oliver Kleine-Weischede betreibt seit 2012 die „Fleischboutique“ auf der Grunerstraße im Zooviertel. Der ehemalige DJ reiste früher um die Welt und legte zum Beispiel auch in den USA oder Argentinien auf. „Dort habe ich gerne gutes Fleisch gegessen. In Deutschland konnte man diese Qualität seinerzeit noch nicht kaufen. Rindfleisch kommt hier von Jungbullen, die in der konventionellen Landwirtschaft schnell hochgezüchtet und schon nach circa 16 Monaten geschlachtet werden“, erzählt er. Das wolle er nicht unterstützen. „Unser Fleisch stammt von glücklichen Rindern und wird vor Ort, zum Beispiel in Nebraska, USA, gezüchtet, geschlachtet, verpackt und von dort aus versendet. So vermeiden wir Tiertransporte. Artgerechte Haltung ist uns wichtig“, erklärt Kleine-Weischede.

Zu dieser artgerechten Haltung gehört Weidehaltung ohne präventive Antibiotika oder Wachstumshormone. Den guten Geschmack erhält das Fleisch durch die Zufütterung einer Silage aus Getreide und Mais sowie durch die Bewegungsfreiheit der Tiere. Zudem werden die Rinder aus den USA relativ alt, im Schnitt 26 Monate, und können daher viel besser Fett, einen Geschmacksträger im Fleisch, ansetzen. 

„Natürlich sind wir teurer als der Supermarkt, aber Fleisch in Deutschland ist insgesamt viel zu billig. Viele haben einen Monstergrill für 3.000 Euro und legen dann ein Würstchen für 59 Cent aus der Massentierhaltung drauf. Da stimmt doch etwas nicht“, so Kleine-Weischede. In der Fleischboutique bekommt man nur selten Fleisch aus der Region, sondern vor allem aus Australien, Irland, Italien, Spanien, USA, Kanada oder Argentinien. Warum? „Es gibt auch regionale Tierlandwirtschaften, die besondere Rassen züchten, aber in geringen Mengen, die sie zumeist im eigenen Hofladen verkaufen.“ Zudem sei das Fleisch in der Qualität nicht so, wie er es sich vorstelle. „Das liegt am Futter und am Auslauf, der Versorgung, den Ställen, den ordentlichen Weideplätzen.“ Geschmack hin oder her: Rindfleisch aus Australien – kann das denn überhaupt noch nachhaltig sein? 

„Es ist insofern nachhaltiger, weil wir versuchen, alles vom Rindfleisch zu verkaufen, was wir kriegen können. Dazu gehört auch Muskelfleisch, das Teres Major, Flank Steaks, Skirt Steaks oder das Bürgermeisterstück. Außerdem dürfen ab 1. Januar 2020 Schiffe nach Bestimmungen der International Maritime Organization auf hoher See nur noch Treibstoff mit einem Schwefelgehalt von 0,5 statt wie bisher 3,5 Prozent nutzen. Da tut sich also auch etwas“, so Oliver Kleine-Weischede. Im Vergleich dazu ist die Produktion von Fleisch aus der Stallhaltung, bei der Tiere unter den schlimmsten Bedingungen gehalten werden, die Böden verpestet werden und Trinkwasser verschwendet wird, alles andere als besser. Aber auch in Deutschland wird gutes Fleisch produziert. Um es in Bioqualität oder von regionalen Produzenten zu erhalten, die sich ebenfalls nach Vorgaben der artgerechten Haltung richten, sollte man sich bei den alteingesessenen Metzgereien umsehen, die leider immer weniger zu finden sind. Sie stehen für Qualität, hauseigene Fertigungen, Tradition und einen guten Informationsfluss zwischen Produzenten und Kunden. Letztendlich sind wir Verbraucher dafür verantwortlich, was und wo wir kaufen, sollten eher einen Metzger unterstützen, anstatt ins Kühlregal der Supermärkte zu greifen. Das kostet ein bisschen mehr, aber das Tierwohl, die Umwelt und vor allem unsere Gesundheit sollten es uns wert sein. •

 

 

Die Fleischboutique

 

Oliver Kleine-Weischede hatte im Jahr 2012 die Idee zu der Fleischboutique, einem Laden, in dem ausschließlich Fleisch in Premium-Qualität verkauft wird. Inzwischen gibt es „Die Fleischboutique“ an insgesamt acht Standorten, davon sind zwei in Düsseldorf zu finden, auf der Grunerstraße 40 im Zooviertel sowie auf der Luegallee 9 in Oberkassel. 

www.die-fleischboutique.de

 

 

Metzgerei Inhoven

„Das Produkt schätzen und es nicht verschwenden.“

 

„Wir sind eine traditionelle Metzgerei mit einem komplett hausgemachten und klassischen Angebot. Unsere Wurstküche kann spontan auf Kundenwünsche reagieren. Daher haben wir z.B. 15 verschiedene Bratwurstkreationen, Patés, lufttrockene Salami in vielerlei Geschmacksvariationen, Kochwürste nach Rezepten aus drei Generationen sowie Rotisserie und Feinkost im Angebot, haben uns auf Grillcatering und individuelle Veranstaltungen spezialisiert. Eine gute Metzgerei sollte inhabergeführt sein; damit hat der Kunde einen direkten Ansprechpartner. Transparenz ist uns wichtig und natürlich, dass wir eine eigene Produktion im Haus haben. Wir verkaufen Rind- und Schweinefleisch ausschließlich aus der Region über Lieferanten, mit denen wir seit jeher zusammenarbeiten. Unser Geflügel und exklusive Artikel wie Salzwiesenlamm oder besondere Steaksorten beziehen wir über französische Gastronomie-Lieferanten. Es ist völlig in Ordnung, Fleisch zu essen – man sollte seinen Einkauf allerdings bewusst tätigen und nur Qualität kaufen; und nicht an der eigenen Ernährung sparen. Das Produkt schätzen und es nicht verschwenden!“

Peter Inhoven | Metzgerei Inhoven Werstener Dorfstraße 86 | 40591 Düsseldorf

 

 

Metzgerei Schlösser

„Traditionelle Rezepte und artgerechte Haltung aus der Region.“

 

„Wir sind die älteste Metzgerei in Düsseldorf und setzen auf traditionelle Rezepte und artgerechte Haltung aus der Region. Die Landschweine, die wir verkaufen, werden auf Stroh gehalten, was heutzutage sehr selten ist, und sie bekommen hofeigenes Futter. Wir stellen alle Wurstsorten noch selbst her. Unsere Spezialitäten reichen von der klassischen Flönz, die übrigens in fast allen Düsseldorfer Brauhäusern angeboten wird, und Kalbsaufschnitt bis hin zu selbst hergestellten Pasteten französischer Art, italienischer Mortadella oder Pastrami. Zudem haben wir im Fleischbereich Strohschweine, Freilandpute, Salzwiesenlämmer aus Norddeutschland und top marmoriertes Rindfleisch von der Färse, auch dry-aged gereift, sowie in der Saison frisches Jagdwild und Freilandgänse. Wir sorgen damit für heute selten gewordene Frische und Qualität. Dafür wurden wir bundesweit mit den meisten Medaillen vom Deutschen Fleischverband ausgezeichnet. Tiere wandeln für Menschen ungenießbares Gras in wertvolle Proteine um. Unmäßiger Konsum von Fleisch aus der Massentierhaltung und der Import von Fleisch aus fernen Ländern hingegen bringt alles aus dem Gleichgewicht. Auch deshalb sollte man auf heimische Qualität achten.“

Jörg Schlösser | Metzgerei Schlösser Oststraße 154 | 40210 Düsseldorf

 

 

Metzgerei Sassen

„Wer hadert, ist mit Biofleisch auf der richtigen Seite.“

 

„Wir sind seit fast 20 Jahren eine Biometzgerei und arbeiten ausschließlich mit Biolandhöfen aus der Region zusammen – warum sollten wir unser Fleisch mit dem Flugzeug importieren? Biobauern halten nur so viele Tiere, wie sie auch ernähren können. Die Metzgerei Sassen verkauft nur selbst produzierte Wurst nach Bioverfahren ohne Zusatzstoffe und ist dafür wiederholt vom Magazin ‚Feinschmecker‘ ausgezeichnet worden. Ansonsten machen wir nichts Besonderes. Wir sind eine Metzgerei, wie es sie in den 1970er-Jahren noch zuhauf gegeben hat, nur eben in Bio. Fleisch wird heutzutage viel zu billig verkauft, da ist die Wertschätzung gesunken. Bio ist auch nicht teuer, nur wenn man es mit den Preisen von Billigfleisch vergleicht. Und man muss ja auch nicht jeden Tag Fleisch essen, sondern kann sich vielmehr zwischendurch mal was Gutes gönnen. Wir sollten uns wieder am Konsum unserer Großeltern orientieren: Die haben einmal die Woche Sonntagsbraten gegessen. Es macht Sinn zu reduzieren. Natürlich muss das jeder für sich entscheiden, aber wer hadert, ist mit Biofleisch auf der richtigen Seite.“

Udo Sassen | Metzgerei Sassen  Hauptstraße 15 | 40597 Düsseldorf

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