Jahres-End-Getränke


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 4/2018

Extraordinäre Weinempfehlungen unserer Sommeliers

Die Feiertage stehen bald wieder vor der Tür und wie jedes Jahr stellen sich die gleichen Fragen: Was schenke ich nur? Was ziehe ich bloß an? Und: Was gibt es zu essen? Zu Weihnachten und Silvester soll es natürlich nur das Beste sein, und deshalb haben die Kalorien im Dezember Urlaub, damit wir uns sorgenfrei an Gänsen, Enten, Rotkohl, Krapfen und Lebkuchen delektieren können. Da die festlich gedeckte Tafel ohne den passenden Schluck eine dröge Angelegenheit ist, brauchen wir für die Feiertage folglich standesgemäße Getränke. Ein Ratschlag hat sich in den letzten Jahren immer wieder als wertvoll berwiesen: Statt zu Weihnachten oder Silvester eine Flasche für 150 Euro zu kaufen, ist es ratsam, lieber drei für 50 Euro zu holen. 

Warum? Ist die Flasche korkig oder schmeckt sie mir nicht, ist die Laune im Eimer. Habe ich aber drei für je 50 Euro gekauft und ist der Wein vorzüglich, dann leere ich einfach die zweite Flasche und freue mich diebisch auf die letzte. Und bete, dass die nicht korkt. Denn es geht um Trinkspaß, und die Feiertage sollen schließlich Freude bereiten. Daher geben wir auch nicht zum x-ten Mal die ewig gleichen Weinempfehlungen zur ewig gleichen Gans mit Rotkohl, sondern stellen Weine vor, die uns dieses Jahr begeistert haben. Diese Freude wollen wir mitteilen. Die Weine sind zugänglich, ohne banal zu sein, und haben dennoch Tiefe und Substanz. Und wenn sie nicht schmecken? Egal, einfach die nächste Flasche auf, es ist nur Wein. Das Leben ist schön! 

Wir müssen mehr Portwein trinken!

Und keine Einwände bitte, der sei süß, das ist Glühwein nämlich auch. Portwein hingegen ist ein Klassiker, und das zu Recht. Graham’s 20 Years Tawny ist eine Universalwaffe für alle weihnachtlichen Leckereien. Er schmeckt nicht nur als Solitär zu einer Handvoll Nüsse, sondern passt perfekt zu Stollen, Lebkuchen, Pfeffernüssen und Printen. Zum Blauschimmelkäse ist er ein Gedicht, ebenso wie zur Gänseleber, besonders wenn man ein paar eingelegte gepfefferte Feigen dazugibt. Doch auch zur Gans oder zur Rehkeule passt er hervorragend. Und abermals wiederhole ich: Keine Angst vor der Süße, Tawny ist trockener als ein junger Ruby, dazu kommen komplexe Aromen nach Nüssen, Gewürzen, Orangenschalen und Trockenobst. Tawny Port sollte gekühlt ausgeschenkt werden, er  entwickelt sich im Glas mit mehr Temperatur. Ein Weißweinglas leistet dabei gute Dienste. 

Tipp: Graham’s 20 Years Old Tawny, 

Douro/Symington Family, Portugal

www.grahams-port.com 

Preis: ca. 50,00 €

Kein Grauburgunder an Feiertagen!

Eigentlich sollten wir das an keinem Tag. Um Glanz und Größe in unsere Kelche zu zaubern, brauchen wir eine ordentliche Flasche weißen Burgunder (Obacht: keinen Weißburgunder!). Die Waffe der Wahl ist ein Puligny-Montrachet aus der Lage La Garenne von Jean Marc Boillot. Gekeltert aus 100 % Chardonnay und ausgebaut im Holz, handelt es sich bei den Weinen aus Puligny-Montrachet um Ikonen der Weinwelt aus gleichnamigem Ort am Fuße des berühmten Berges Montrachet. Die Weine werden wie ihre roten Pendants gerne kopfüber in die Karaffe geschüttet, um nach zwei Stunden auf der Fensterbank aus den großen Kelchen getrunken zu werden. Das ist fantastisch zu allem, was aus dem Meer kommt: Hummer, Steinbutt, Seafood, aber auch Bresse-Geflügel, Wachteln oder Fasan sind erklärte Freunde des Burgunders. 

Tipp: 2014 Puligny-Montrachet 1er Cru La Garenne, Jean Marc Boillot, Pommard, Burgund/Frankreich

www.jeanmarc-boillot.com

Preis: ca. 62,00 €

Ein Rosé zu Weihnachten? 

Bitte unbedingt! Der „Elefant im Porzellanladen“ ist inspiriert durch die großen Rosés der Welt und zu vielen Gerichten passend zeigt sich jedoch von einer anderen Seite. Gekeltert aus 100 % Blaufränkisch, war er eins meiner (Yvonne Hoffmann) persönlichen Highlights auf der diesjährigen österreichischen Weinmesse VieVinum. Er bricht mit allen Rosé-Konventionen und ist im Holzfass langsam vergoren, sein Name ist dabei Programm: Das graue gemütliche Tier geht über Frucht, Kirschen, Erdbeermark und Waldmeister, hinzu kommt eine schöne Fülle mit feiner Vanillenote und kerniger Säure. Ist er dir zu wild, bist du zu bieder!

Tipp: 2017 Elefant im Porzellan-laden, Rosé, Weingut Strehn, 

Mittelburgenland/Österreich

www.strehn.at 

Preis: ca. 17,00 €

Black is beautiful!

Der Grüne Veltliner der Black Edition vom Weingut Ebner-Ebenauer unterscheidet sich von dem Gros der Veltliner und erinnert dank seines Ausbaus an große Burgunder. Dank strikter Selektion im Weinberg werden nur beste Trauben von mindestens 30 Jahre alten Reben verwendet und abschließend in französischen 500-Liter-Fässern ausgebaut. Nach der Füllung ruht er noch auf der Flasche, bevor er in den Verkauf geht. Mit großer Vielschichtigkeit zeigt er sich in der Nase wuchtig mit würzigen Kräuternoten, die sich auch am Gaumen spiegeln: Opulent mit cremiger Textur und immenser Komplexität, zeigt sich die Größe des Weines mit zunehmender Belüftung, daher ab in die Karaffe damit. So entwickelt sich das kleine Schwarze zur großen Bühnenshow und hat seinen großen Auftritt am Tisch zu kräftigen Speisen. 

Tipp: Grüner Veltliner, Black Edition 2016, Ebner-Ebenauer, Poysdorf, Weinviertel/Österreich

www.ebner-ebenauer.at 

Preis: ca. 40,00 €

Die Sommeliers

Sebastian Bordthäuser

Er ist studierter Germanist und entschied sich dann doch für die Flasche. Seit 2014 ist er als Weinunterhalter selbstständig und schreibt regelmäßig für die Welt am Sonntag, Effilee, Der Feinschmecker und Meiningers Sommelier-Magazin sowie für zahlreiche andere Genuss-Magazine. 2017 veröffentlichte er zusammen mit Manuela Rüther das Buch „Wein & Gemüse“ im Fackelträger Verlag, im März 2018 erschien die Sammlung „Die Philosophie des Kochens“ im Mairisch Verlag. Außerdem doziert er an Sommelier- und Hotelfachschulen.

Yvonne Hoffmann

Bei dem  Düsseldorfer Weinhandel ROTWEISS machte Yvonne Hoffmann ihre Ausbildung, um anschließend die Londoner WSET School zu absolvieren. Sie reiste zwei Jahre um die Welt, um die Weinherstellung auch in der Praxis zu lernen. Heute hat die 32-jährige Sommelière einen kleinen Weinladen in Düsseldorf-Friedrichstadt und leitet die Wine & Bar-Abteilung des Delikatessenhändlers Bos Food.

Zurück