„Ich habe den schönsten Beruf der Welt“


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 2/2019

 

Schauspielerin Tanja Schleiff wurde in Erfurt geboren und lebt seit 2004 in Düsseldorf. Ihre Karriere begann in der ehemaligen DDR, nach diversen Theaterengagements wurde sie am Münchener Residenztheater entdeckt und bekam 2001 ihre erste Fernsehrolle. 

Ohne sich wirklich Gedanken darüber zu machen, wusste Tanja Schleiff immer schon, was sie werden wollte. Auch wenn man die Plattitüde „sie wurde da hineingeboren“ nicht mehr hören kann, bei ihr war es wirklich so. Ihre Eltern spielten beide am Theater. „Damals gab es so was wie einen Babysitter nicht. Deshalb haben wir als Kinder viel Zeit im Theater verbracht. Ich erinnere mich auch noch genau, dass ich in der Garderobe geschlafen habe, denn die Vorstellungen gingen ja meist bis 22 oder 23 Uhr.

Die Theaterluft, die ich damals als Kind dort eingeatmet habe, war schon sehr spannend und faszinierend“, erzählt Schleiff bei einem Tee im Café de France in Oberkassel. Hier lebt die Schauspielerin mit ihrem Partner René Heinersdorff und den drei gemeinsamen Kindern.Schleiff wollte eigentlich Tänzerin werden und besuchte die Palucca Hochschule für Tanz in Dresden. Da sie aber seit Jahren im Leistungskader der ehemaligen DDR turnte, war ihr Rücken zu  kaputt, um eine professionelle Karriere zu starten.

Auch Opernsängerin stand bei ihr ganz hoch im Kurs, aber auch da waren die Kriterien zu DDR-Zeiten so streng, dass man ihr zwar Talent attestierte, aber keine Ausnahmebegabung, die für die große Karriere nötig gewesen wäre. Also nahm die Erfurterin den Rat ihrer Mutter an und wurde Schauspielerin. An der Schauspielschule in Leipzig wurde sie direkt angenommen. Ihr erstes Engagement hatte sie in Bautzen, von dort aus holte man sie ans Residenztheater nach München. Dort sah sie eine Casterin auf der Bühne, und sie hatte ihre erste Fernsehrolle. In „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ von Heinrich Breloer spielte sie neben Größen wie Armin Mueller-Stahl und Sebastian Koch.

„Eigentlich hatte ich nicht vor, zu drehen. Für uns war Theater immer die hohe Kunst, es gab da eine klare Trennung“, erklärt die Schauspielerin. Für Schleiff und ihre Theaterkollegen gab es auf der einen Seite „die großen Mimen, die großen Kammerspieler und dann eben auf der anderen Seite die Clique von TV- Gesichtern“. Aber trotzdem war das Angebot zu verlockend, um es abzulehnen, und die 45-Jährige dachte sich: „Komm, ich probiere das mal aus, ich weiß ja gar nicht, ob ich so was kann.“ Sie konnte es, und es folgten viele weitere Rollen fürs Fernsehen.

Das war schließlich der Grund, warum sie ihr Fest-engagement am Theater aufgab und fortan in beiden Welten zu Hause war. Der Untergang, Der rote Kakadu, Tatort, Mord mit Aussicht und Bella Block sind nur einige Produktionen, in denen sie mitspielte. Im Jahr 2007 besetzte Filmregisseur Dominik Graf mit ihr die Hauptrolle in dem Historiendrama „Das Gelübde“. Darin spielt sie die Nonne Katharina Emmerick an der Seite von Mišel Matičević als Clemens von Brentano.

Als sie 2015 gerade mit ihrem dritten Kind schwanger war, kam ein Anruf von Sönke Wortmann für eine Rolle in der ARD-Serie Charité. „Ich hatte Sehnsucht, wieder historisch zu arbeiten“, und so nahm Schleiff das Angebot an. Die Dreharbeiten in Prag begannen, als ihr Sohn gerade zwei Monate alt war. „Sönke hat sich auf das Wagnis mit einer stillenden Mutter eingelassen, wer macht so was schon? Ich mochte den Stoff sehr und wollte gerne wieder mit Sönke zusammenarbeiten, da er einen laufen lässt, man kann mit ihm sehr weit gehen, man fühlt sich gemeint und gewollt.

“ Die Dreharbeiten waren über vier Monate angesetzt. Auch wenn Schleiff nicht die ganze Zeit vor Ort sein musste, so war es doch eine logistische Herausforderung, da sie zeitgleich auch noch am Düsseldorfer Schauspielhaus arbeitete und zu Hause zwei Kleinkinder auf sie warteten. „Es ist der schönste Beruf der Welt, aber es ist auch ein brutaler Beruf. Gerade mit Familie ist es schwierig, weil der Beruf viele Unregelmäßigkeiten mitbringt, man ist fremdbestimmt, muss flexibel sein und viel reisen.

Und trotzdem würde ich nichts anderes machen wollen, denn es gibt ja auch genügend Beispiele, bei denen es funktioniert“, resümiert die Schauspielerin. Schleiff arbeitet in ihrem Traumberuf und dazu noch sehr erfolgreich, das ist ein großes Glück. Aktuell steht sie im Düsseldorfer Schauspielhaus in Friedrich Hebbels Maria Magdalena – ein bürgerliches Trauerspiel – auf der Bühne.

Dass die dreifache Mutter jemals sesshaft wird, war nicht geplant. Aber in Düsseldorf fühlt sie sich mittlerweile zu Hause. „Ich habe hier wirklich ehrliche Anbindung gefunden, das ist auf der einen Seite meine Theaterfamilie und auf der anderen Seite sind das auch die Menschen, die ich durch meine Kinder kennenlernen durfte, die hätte ich wahrscheinlich sonst nie getroffen. Durch meine Kinder bin ich hier angekommen, und Düsseldorf hat viel für Familien zu bieten, ich fühle mich hier extrem wohl und gut aufgehoben.“ 

Tanja Schleiffs Lieblingsplätze

Bricks Bar: Tolles Interieur, gutes Essen, perfekte Drinks und eine besondere Atmosphäre.

The Fancy Side: Italienische Mode, nicht von der Stange, zu bezahlbaren Preisen. Freundliche, stil-volle und ehrliche Beratung.

Wundervoll: Diesen Supermarkt gibt es nur einmal. Direkt an der Luegallee.

Theater an der Kö: Abwechslungsreiches Programm mit tollen Schauspielern. Ein Abend dort lässt mich mit Leichtigkeit und Freude im Herzen zurück.

Liebevoll in der Auermühle: Gerade im Frühling und Sommer ein wunderbarer Ort für die ganze Familie. Gutes Essen und für Kinder ein großer Spaß.

 

Fotos:

Robert Eikelpoth, www.roberteikelpoth.com@roberteikelpoth

Styling: 

Sina Pilgrim, www.blkagency.com, @blkagency

Foto-Assistenz:

Hilarius Riese und Lukas Vogt

Postproduktion:

Tom Stein – Zerone Personal @zerone.personal_retoucher

Text:

Britt Wandhöfer

 

 

 

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