Golden Girl


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 1/2019

Der Schmuck von Lisa Golpira ist einzigartig - im wahrsten Sinne. Die Tochter einer Goldgräberin verarbeitet nämlich ausschließlich von ihrer Mutter gefundene unbehandelte Nuggets zu wunderschönen Einzelstücken. 

Als Gisa Golpira das Café Hüftgold in Flingern betritt, sieht man gleich, wie offensichtlich sie die Attribute ihrer hochwertigen Schmuckstücke und das Konzept ihres Labels Golpira repräsentiert: Natürlichkeit, klassische Schönheit, positive Aura. Das Thema Gold ist der Düsseldorferin in die Wiege gelegt worden; die Geschichte ihrer Kindheit klingt erst einmal unglaublich. Als Gisa vier Jahre alt ist, verliebt sich ihre Mutter in einen deutschen Goldgräber und folgt ihm kurzerhand in den peruanischen Urwald, wenige Wochen später holt sie ihre kleine Tochter nach. Für Gisa Golpira beginnt damit ein großes Abenteuer. „Kinder können sich sehr schnell anpassen, sie haben zum Beispiel keine Angst vor Schlangen oder anderen Tieren.

Für mich war der Urwald ein großer Spielplatz“, erzählt sie. Die Lebensumstände im Goldgräbercamp sind rau und ursprünglich, man lebt in Zelten, und es gibt nicht einmal fließendes Wasser. Nur ein paar Planen schützen die Campbewohner vor wilden Tieren. Eine Expedition dauert acht bis zehn Monate, in denen Gisas Mutter und ihr Stiefvater in Flüssen nach Goldnuggets tauchen. „Diese Art der Goldsuche ist nicht gerade effektiv – nur zwei Prozent des geförderten Goldes bestehen aus Nuggets –, aber sie ist zu 100 Prozent nachhaltig und schützt die Natur.“ Zudem wahrt sie die Interessen der Eingeborenen. „Erst wenn die ihr O.k. geben, kann man eine Expedition starten.

Jedes gefundene Nugget wird mit den Eingeborenen geteilt, und meine Mutter und mein Stiefvater schulen sie in der Goldsuche und dem Verhandeln fairer Preise“, erzählt sie. Die Tage im peruanischen Urwald sind für Gisa Golpira jedoch gezählt. Als sie ins schulpflichtige Alter kommt, beschließen ihre Eltern, dass sie zu ihrem Vater ins deutsche Meerbusch zurückkehren soll. Bis zum Abitur führt Gisa ein bürgerliches Leben – nach dem Schulabschluss packt sie allerdings das Fernweh. 

Die folgenden drei Jahre verbringt sie in Australien und Südostasien, arbeitet als Model oder Tauchlehrerin. Mit Mitte zwanzig beschließt sie zu studieren. Da sie während ihrer Arbeit als Model eine Affinität zur Modebranche entwickelt hat, schreibt sie sich für den Studiengang Modemanagement an der Fachhochschule in Mönchengladbach ein. Nach ihrem Abschluss bekommt sie sofort ihren Traumjob als Einkäuferin in Berlin. „Ich habe dann aber schnell festgestellt, dass das gar nichts für mich ist. Es war so konträr zu meinem freien Leben, das ich zum Beispiel in Thailand geführt hatte. Ich fühlte mich wie im Käfig.“

Kurzerhand kündigt sie ihren Job und kehrt nach Düsseldorf zurück; für sie zunächst ein Rückschritt. Sie arbeitet als Kellnerin und Model, bis ihre Mutter sie auf die Idee bringt, mit dem Designen von Schmuck zu beginnen. „Ich trage bereits seit Kindertagen ein unbehandeltes Nugget an meiner Kette, auf das mich schon viele Leute angesprochen haben – das ist das erste, das meine Mutter jemals gefunden hat.

So kam mir die Idee, mich als Schmuckdesignerin selbstständig zu machen.“ Es ist das Jahr 2013, in puncto Nachhaltigkeit steht die deutsche Modeindustrie noch am Anfang. Für Gisa Golpira wird sie aber ein wichtiges Element ihrer Arbeit. Bei ihren Recherchen stellt sie fest, welche furchtbaren Folgen die konventionelle Goldförderung für die Natur sowie die involvierten Menschen hat. „Daher war für mich schnell klar, dass ich nur mit nachhaltig geförderten Goldnuggets arbeiten wollte“, erzählt sie. Was die angeht, sitzt sie mit ihrer Mutter an der Quelle. Das Feingold für ihre Ketten bezieht sie von einer Initiative in Finnland, die Goldpartikel komplett nachhaltig und ohne Chemie fördert. 

„Nur zwei Prozent des geförderten Goldes bestehen aus Nuggets“

„Jedes Nugget hat ein Abenteuer erlebt.“

2014 launcht sie ihr Label Golpira und kann erste Schmuckstücke in ihrem Webshop anbieten. Der Start verläuft schleppend, bis Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vogue, auf Golpira aufmerksam wird und Gisa zum Vogue Salon nach Berlin einlädt. „Das war so surreal, dass ich gleich den besten Kontakt überhaupt gemacht habe. Christiane Arp ist seitdem meine Mentorin“, freut sich Gisa. Dementsprechend gut läuft inzwischen auch ihr Label. Da ihre Eltern bald in Rente gehen möchten, hat Gisa schon neue Quellen für Goldnuggets aufgetan, die genauso verantwortungsvoll arbeiten, wie sie es gewohnt ist.

Das ist für sie unabdingbar. „Schmuck ist ein Symbol, zum Beispiel für Liebe, das teilweise über Generationen hinweg weitergegeben wird. Unvorstellbar, dass daran Blut klebt“, sagt sie. Zudem ist der Schmuck aus handgefundenen Goldnuggets einzigartig. „Nuggets sind ein von der Natur geformtes Objekt. Nicht ich bin die Designerin, sondern die Natur. Daher hat das Gold Ecken und Kanten und ist gerade deshalb so schön“, schwärmt sie. „Jedes Nugget hat ein Abenteuer erlebt, ist Millionen von Jahren durch Flüsse gewandert, das ist meine Inspiration.“ 

www.golpira.de

Interview: Katja Vaders

Fotos: Gisa Golpira

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