„Es geht bei der Schauspielerei nicht um Ego“


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 3/2018

Tatort-Star Anna Schudt: ein Fotoshooting, ein Interview, ein Tag mit einer inspirierenden Persönlichkeit

 „Dieses Talent ist ein Geschenk, das ist mir bewusst“

Anna Schudt kam für die Rolle der Anna Karenina 2010 nach Düsseldorf. Sie verliebte sich in ihren Kollegen Moritz Führmann und blieb. Die beiden sind verheiratet und leben mit ihren Kindern in Oberkassel. KÖNIGSALLEE hat einen Tag mit der Schauspielerin verbracht und sie in unterschiedlichen Outfits der Düsseldorfer Modedesignerin Marion Strehlow porträtiert. Ein inspirierendes Shooting im Central, dem Jungen Düsseldorfer Schauspielhaus, eine explosive Bildserie am Kö-Bogen und ein Interview in ihrer Lieblingsweinbar Wyno in Pempelfort. KÖNIGSALLEE hat den Tatort-Star getroffen.

Wie sind Sie zur Schauspielerei
gekommen?

Warum man diesen Beruf ergreift, kann ich nicht genau sagen. Ich wusste schon sehr früh, dass ich Schauspielerin werden möchte, und wollte nach der 10. Klasse die Schule schmeißen. Meine Eltern haben das nicht erlaubt, eigentlich waren sie eigentlich sehr klug und haben gesagt: Du musst uns eine Alternative bieten. Dann habe ich mit 16 Jahren
Aufnahmeprüfungen gemacht und es funktionierte. Ich bin nach der 11. Klasse von der Schule gegangen und habe mein Studium an der Schauspielschule in München begonnen. 

Ist Ihr Beruf ein Beruf oder eine Berufung?

Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ich schwer arbeite, obwohl ich viel arbeite. Ich habe immer genug zu tun gehabt. Dieses Talent ist ein Geschenk, das ist mir bewusst. Wichtig ist, was man daraus macht. Und es ist immer noch wahnsinnig aufregend für mich. Ich mache es sehr gerne, es ist mein Traumberuf.

 

Steht man in Ihrem Beruf grundsätzlich gerne im Mittelpunkt?

Es geht bei der Schauspielerei nicht um Ego, ich bin keine Rampensau. Aber klar, man wird nicht Schauspielerin, weil man hochzufrieden mit sich und der Welt ist, aber es steht nicht im Vordergrund. Das Ego verschwindet immer mehr hinter meinen Figuren. Man sollte sich nicht gerne verstecken wollen, egal ob beim Theater oder beim Film.

 

Was möchten Sie den Menschen durch Ihre Kunst geben?

Ich sehe mich als moderne Märchenerzählerin. Ich glaube, dass wir Geschichten auf eine spielerische und leichte Art und Weise erzählen können, sodass Menschen etwas verstehen, ohne dass man immer den Zeigefinger hochhält. Das finde ich ganz toll.

 

Die Schauspielerin ist in Konstanz am Bodensee aufgewachsen. In München war sie nach ihrem Studium fünf Jahre an den Kammerspielen engagiert und ging dann zur Schaubühne nach Berlin. Ab 2004 begann sie auch verschiedene Rollen fürs Fernsehen zu spielen. 2006 brillierte sie als Maria Stuart am Münchener Residenztheater. Seit mittlerweile acht Jahren lebt Schudt in Düsseldorf, sie kam für die Rolle der Anna Karenina ans Schauspielhaus.

 

Die Krone hat für Anna Schudt eine emotionale Bedeutung. Sie war Bestandteil der „König Lear“- Inszenierung von Dieter Dorn in den Münchener Kammerspielen. Die Krone begleitet die Schauspielerin seit 20 Jahren.

„Schiller war für mich immer ein Erweckungserlebnis“

 

Welche Rolle hat Sie am meisten geprägt?

Im Theater war es Maria Stuart. Schiller war für mich immer ein Erweckungs-erlebnis. Beim Film war es Gabi Köster und ein Film über den Paragrafen 218 (den Abtreibungsparagrafen), den ich gerade gedreht habe. Das sind Personen, die mich unglaublich eingenommen haben. Die Arbeit mit diesen Figuren hat mich einfach so viel verstehen lassen.

 

Der größte Unterschied zwischen Theater und Film?

Das Agieren vor der Kamera ist eine sehr konzentrierte Arbeit, das macht mir momentan sehr viel Spaß. Im Theater hat man Probezeiten und eine Bühne. Beim Drehen fehlt mir manchmal die Literatur und man hat kein direktes Publikum, mit dem man Energien austauschen kann, das ist ein großer Unterschied.

 

Erinnern Sie sich an ein ganz besonderes berufliches Wow-Erlebnis?

 Mein erstes Engagement an den Münchener Kammerspielen mit der ganzen Truppe um Dieter Dorn, das hat mich nachhaltig beeindruckt. Die Leute hatten eine Sprachbehandlung, die man heute nicht mehr findet. Diese Texthörigkeit hat mich unheimlich geprägt. Die waren einfach auf der Suche nach der Wahrheit in der Literatur. Beim Film ist es der Tatort mit Jörg Hartmann. Er ist in seiner Arbeit so akribisch und genau und man kann so viel mit ihm erfinden und in unterschiedliche Richtungen laufen lassen.

 

Was macht Ihre Arbeit für Sie interessant?

Alles, was in die Tiefe geht, weckt bei mir Interesse, auch wenn das Mehrarbeit bedeutet. Man kann überall was finden, was speziell und besonders ist, wenn man mit einem großen Interesse und offenen Augen durch die Welt geht. Interesse an den Dingen, Liebe zu den Menschen und ein Faible für absurde Situationen. Irgendwas passiert immer. 

 

„Das beste im Leben sind Kinder“

 

Gibt es eine Rolle, die Sie immer schon mal spielen wollten?

Ich lasse die Rollen auf mich zukommen. So war das auch mit der Rolle der Martina Bönisch im Tatort. Aber ich habe Lust, noch mehr historisch zu arbeiten, weil mir immer klarer wird, aus was wir bestehen: Das ist die Vergangenheit, das ist die Ahnenfolge. Das, was in unserem Land passiert ist, das hat bis heute Auswirkungen auf uns.

 

Wenn Sie nach einigen Wochen Dreharbeiten zurück in den Alltag kommen, wie findet man da wieder rein?

Ich liebe es, wenn ich nach Hause komme und für alle Nudeln machen kann. Wenn ich fünf Wochen irgendwo drehe, da bin ich sehr einsam, weil dann die Rolle immer in einem arbeitet und weiter wühlt. Wenn ich nach Hause komme, dann herrscht da der normale Wahnsinn und ich fühle mich dort sehr aufgehoben im Kreis meiner Familie, das hilft mir sehr. Das Beste im Leben sind Kinder und eine funktionierende Familie. Wenn du 12 bis 16 Stunden am Tag in anderen Zuständen bist und drehst, dann haben die Kinder keinen Platz. Mein ältester Sohn hat früher immer gesagt: „Ich mag das nicht, wenn du dich so verstellst, Mami.“ Ich hätte das auch nicht gewollt, man will die Mami als Mami haben. Und das ist meine Rettung, wenn ich nach Hause komme. Wenn ich alleine wäre, dann wäre ich vermutlich Alkoholikerin.

 

Ein perfekter Tag für Anna Schudt?

Der perfekte Tag: Die ganze Familie hat frei, wir haben keinen Zeitdruck und wir gehen raus. Machen eine Fahrradtour am Rhein, grillen irgendwo. Zeit mit Menschen verbringen, die man liebt, Familie und Freunde um mich haben, das macht mich glücklich.

 

Erinnern Sie sich noch an Ihre ersten Wochen in Düsseldorf?

Als ich das erste Mal in Düsseldorf gastiert habe, da habe ich im Hauptbahnhof-Viertel gewohnt, mir fiel direkt diese Vielseitigkeit, diese Unterschiedlichkeit auf. Da gibt es das sogenannte Maghreb-Viertel, dann gibt es Ober-kassel, dann sind da die Hipster am Rhein und in Flingern, dann ist da der Hafen mit den verrückten Gebäuden. Da ist einfach alles dabei.

 

Was bedeutet Düsseldorf für Sie?

Aktuell ist Düsseldorf mein Zuhause. Mein Mann Moritz hat hier schon lange gelebt und arbeitet am Schauspielhaus. Bei uns ist es so, wenn der eine ein Festengagement hat, dann muss der andere hinterher. Wir wohnen in Oberkassel, die Nähe zum Rhein ist toll, ich liebe die Schafe auf der Wiese und es ist ein schöner Ort für Kinder. 

 

 

Text: Britt Wandhöfer

Fotos: Marina Weigl - www.marinaweigl.com, dpa https://www.dpa.com/de/

Styling: Marion Strelow- www.marion-strehlow.squarespace.com

Hair & Make-up: Team Weidemann - www.hair-makeup-düsseldorf.de

Schmuck: Schlegelschmuck - www.schlegelschmuck.de

 

Zurück