Eine Stadt in der Stadt

 

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 4/2018

Das Andreas Quartier bietet Platz zum Wohnen, Arbeiten und Genießen. Das Viertel ist gedacht als Ruhe-Oase mit Altstadtanschluss. 

Unter dem ehemaligen Land- und Amtsgericht in der Altstadt fließt die Düssel. Sie tritt hinter dem Gebäude als Kanal wieder an die Oberfläche und mündet kurz darauf in den Rhein. An dieser Stelle wurde Düsseldorf im Jahr 1288 gegründet. Ein historisch bedeutsamer Ort also für das Andreas Quartier (AQ), das heute das 18.000 Quadratmeter große Karree von Mühlenstraße, Liefergasse, Ratinger Straße und Neubrückstraße bildet. Das Viertel ist benannt nach der gegenüberliegenden Andreaskirche. Im Oktober 2017 wurde der Gebäudekomplex nach jahrelangen Bau- und Sanierungsarbeiten eröffnet.

„Es war eine enorme Herausforderung, die denkmalgeschützten Gebäudeteile in eine moderne Architektur zu integrieren“, sagt Hilke Branding-Rettig, Prokuristin bei der Frankonia Eurobau, dem Bauträger des Quartiers. Im alten Richterzimmer entdeckte man dabei zum Beispiel die ursprünglichen roten Wandbemalungen wieder. Sie wurden freigelegt und geben dem Raum heute seinen historischen Charme zurück. Zusätzlich zu dem neobarocken Gerichtsgebäude, das zwischen 1913 und 1923 nach Plänen des Architekten Felix Dechant gebaut worden war, findet sich im Hof des rechten Flügels die Originalfassade der ehemaligen Statthalterresidenz. Auch die Fassade des ehemaligen Coelesterinnenklosters und späteren Palais Spinrath auf der Ratinger Straße ist Teil des AQ. Sie wurde in den Neubau integriert und bildet so einen imposanten historischen Kontrast.

Schon im 17. Jahrhundert wurden die Gebäude, die auf dem Gebiet des heutigen AQ standen, als Wohnraum genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ersetzte man die zerstörten Wohnhäuser durch zweckmäßige Gerichtsgebäude. Das soll sich nach Plänen der Frankonia wieder ändern: „Mit dem Andreas Quartier wird dieser Teil der Altstadt wieder zu einem Ort, an dem Leben stattfindet“, so Hilke Branding-Rettig. Die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen beginnen bei 4.400 Euro und seien vor allem der zen-tralen Lage und der Bauqualität geschuldet. Die Kritik, die es bisweilen gab, dass das AQ als reines Luxusprojekt wahrgenommen werden und es zu Konflikten zwischen den Anwohnern und den Altstadtbesuchern kommen könnte, kann sie nicht nachvollziehen: „Mit seinen unterschiedlichen Angeboten ist das Viertel für eine breite Zielgruppe gedacht.“ Neben den Miet- und Eigentumswohnungen und einem Hotel zählen hierzu auch Büros, ein Konferenzzentrum und verschiedene Restaurants und Cafés.

„ES WAR EINE HERAUSFORDERUNG, DIE DENKMALGESCHÜTZTEN GEBÄUDETEILE ZU INTEGRIEREN“ 

Kunst gehört ebenso zum Quartier: Hauptverantwort-licher für das künstlerische Schaffen in und um den Gebäudekomplex ist HA Schult. 2015 hat er sich die historische Wand des ehemaligen Palais Spinrath vorgenommen: In ihren 15 Fenstern präsentierte er Porträts berühmter Persönlichkeiten, die für die Kunststadt Düsseldorf wichtig waren oder sind. So blickten unter anderem Mutter Ey, Heinrich Heine, Campino, Gabriele Henkel oder Hannelore Kraft den Passanten auf der Ratinger Straße entgegen. Ein besonders bekanntes Düsseldorfer Projekt des Aktionskünstlers ist die Freiheitswand: Im Sommer 2017 kurz vor der Eröffnung des AQ hatte HA Schult Gedanken, Gedichte und Textfragmente von über 1.000 Menschen zum Thema Freiheit auf einer 20 mal 5 Meter hohen Wand vor dem ehemaligen Gerichtsgebäude in der Mühlenstraße präsentiert. Ein Aufruf an alle Düsseldorfer, in den Dialog mit der Kunst zu treten.

 

WILLKOMMEN IM QUARTIER!

COCKTAILS & MUSIC

Im Entree des ehemaligen Gerichtsgebäudes ist eine Piano Lounge mit Barbereich eingerichtet. Hier kommen Quartier-bewohner, Bürobeschäftigte, aber auch Besucher von außerhalb zusammen. Zum Beispiel zu Jazzabenden mit Livemusik. Gleichzeitig dient der Bereich als Frühstückscafé für die Hotelgäste des Hyatt House. Unter diesem Label bietet die Hyatt-Gruppe Studio-Suites für Langzeitgäste an. Neben einem Concierge für die Bewohner ist im sogenannten „Wohnzimmer Düsseldorfs“ ein Kunst-Concierge anzutreffen, der über die Düsseldorfer Kunst- und Galerieszene informiert und Kontakte herstellt.

BREAKFAST, LUNCH, DINNER 

Neben dem Haupteingang des Andreas Quartiers bietet das Modern American Steak House – kurz: Mash – dänisches Dry-Aged Steak, Wagyu, Hereford-Rind aus Uruguay und andere Fleischspezialitäten. Direkt nebenan im Café du Sommelier trifft man sich zum Frühstück, zum Kaffee oder auf einen leichten Imbiss. Beide Restaurants werden von Copenhagen Concepts betrieben. Sitzplätze gibt es auf der Terrasse zur Mühlenstraße, im großzügigen Innenbereich und im Wintergarten zum Hof.

Auf der rechten Seite des Gerichtsgebäudes lädt die mallorquinische Sterneköchin Macarena de Castro in ihre 20grad RestoBar ein, eine Mischung aus Restaurant und Bar. Serviert werden Tapas, Cocas und abwechslungsreiche Hauptgerichte, dazu viel spanisches Flair. 

Das Mutter Ey Café & Galerie liegt gegenüber der 20grad RestoBar und ist der berühmten Mäzenin und Galeristin Johanna Ey gewidmet. Es kombiniert Kunst und Lebenskunst: Auf der unteren Ebene werden Speisen und Getränke serviert, im ersten Stock knüpfen Galerieräume an das Lebenswerk Johanna Eys an. Studierende der Kunstakademie können hier ihre Werke zeigen.

MEET & WORK 

Im rechten Teil des Gerichtsgebäudes, in den Neubauten am Mutter-Ey-Platz und an der Ratinger Straße, Ecke Neubrückstraße sind modern ausgestattete Büros untergebracht. Im linken Bauteil des Gerichtsgebäudes können Konferenz- und Seminarräume angemietet werden.

ART

Werke des Künstlers und Kurators HA Schult zieren die Räumlichkeiten des Gerichtsgebäudes. Darunter zum Beispiel „Trash People“: Zwei der berühmten Müllmenschen, die schon in vielen Metropolen Station gemacht haben, sind hier ausgestellt. Auch andere Künstler wie Tony Cragg oder Jeff Koons sind im Quartier vertreten. Ihre Werke fügen sich in die historische Architektur des Quartiers ein. 

www.andreas-quartier.de

Text: Elena Winter

Fotos: PR

 

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