Ein Leben ohne Kunst? Undenkbar.

 

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 4/2018

Kunst zu verkaufen, ist eine Kunst für sich, denn es geht um mehr als Kunstwerke ausstellen und verkaufen. Die Düsseldorferin Daniela Steinfeld, die ihre Wurzeln als Fotografin in der Kunst hat, ist seit zehn Jahren als Galeristin tätig.

Verborgen mitten im Industriegebiet in Düsseldorf-Lierenfeld hat Daniela Steinfeld einen 180 Quadratmeter großen Showroom für die zeitgenössische Kunst eingerichtet. Dort werden Werke gelagert, aber vor allem 365 Tage im Jahr, unabhängig von Messen und dem Galerieprogramm, Ausstellungen inszeniert, neue Formate erprobt, Treffen mit Sammlern und Kuratoren arrangiert, Dinnerpartys gefeiert und gelegentlich sogar Pokerrunden veranstaltet.

Der große weiße, lichtdurchflutete Raum ist wie ein Wohnzimmer gestaltet, die Möbel sind von Designern und Künstlern entworfen – der lange Holztisch, die lederne Sofaecke, die Stühle – alles Unikate. Der Beistelltisch ist eine Arbeit von Jochen Weber, die Lampe stammt von Claus Föttinger, die Vasen sind Keramikskulpturen von Markus Karstieß und an den Wänden hängen Großformate von Sabrina Fritsch, Jan Albers, Koen Delaere, Stefan Wissel und „Wellen“-Gemälde des Kubaners Diango Hernández.

„Hier läuft alles zusammen, was in der Kunst machbar ist“

Das Van Horn Schaulager ist nach der 2009 in Flingern gegründeten gleichnamigen Galerie der zweite Standort der Düsseldorferin. Was ist sie eigentlich von Beruf? Fotokünstlerin? Schließlich war Daniela Steinfeld einst Meisterschülerin von Bernd Becher und Jan Dibbets an der Kunstakademie. Mit ihren Selbstdarstellungen feierte sie Erfolge in der Kunstszene. Oder ist sie Galeristin oder Kunstvermittlerin? „Ich bin Unternehmerin im klassischen Wortsinn mit dem Fokus auf den unterschiedlichsten Bereichen der Kunst“, sagt die 54-Jährige selbstbewusst.

Es sei ein schleichender Prozess gewesen – der Abschied von der Künstlerinnenkarriere bis zur Eröffnung eines ersten Ausstellungsraums, um „tolle Leute“ nach Düsseldorf zu holen, die hier bisher nicht zu sehen gewesen waren. Mitmischen will sie, im künstlerischen Kosmos mehr Handlungsspielraum gewinnen, ihre Antennen ausfahren, Netzwerke spannen, eigene Akzente setzen.  Bedauert hat Daniela Steinfeld den Schritt nie: „Ich wechsle gerne die Spur, erfinde mich immer wieder neu.“ Sie sieht sich als Spielemacherin, die zudem den entscheidenden Vorteil hat, zu wissen, wie Künstler ticken.

„Als Galeristin, als Kunstvermittlerin stehe ich heute auf der richtigen Seite“, davon ist sie überzeugt. „Dieser meist unterschätzte Beruf bietet ein Füllhorn an Möglichkeiten, hier läuft alles zusammen, was in der Kunst machbar ist: Ausstellungen arrangieren, Konzepte schreiben, Kunst vermitteln und verkaufen – was natürlich die Basis des Geschäfts ist – und insbesondere Künstler entdecken, sie fördern.“ Seit den Anfängen als Galeristin arbeitet sie mit international agierenden Künstlerinnen und Künstlern, die aus der Kunstakademie Düsseldorf hervorgegangen sind und im Rheinland leben und arbeiten oder weltweit zu Hause sind: Manuel Graf, Katie Holten, Joanne Greenbaum, Jan Albers, Ulrike Schulze, Paul Morrison, Wendy White – um nur einige zu nennen.

„Was zählt, ist gegenseitiges Vertrauen“

Wie findet sie „ihre“ Künstler? „Ich spüre, ob es der Richtige für mich ist. Die Chemie muss stimmen, und was zählt, ist gegenseitiges Vertrauen“, erzählt Daniela Steinfeld. Künstler sind ihre Quellen, um andere Kreative zu entdecken. Sie hört auf Empfehlungen und ist online auf Instagram unterwegs. In Düsseldorf ist Daniela Steinfeld geboren und aufgewachsen, hier ist sie fest verortet. Was macht für sie den Reiz der Stadt aus? „Düsseldorf und das Rheinland sind die Wurzeln von allem, das ist meine Inspiration“, betont sie. „Wir im Rheinland gehören mit zu den Besten. Kontinuierlich haben wir diesen unglaublichen Reichtum an Institutionen, und vor allem Düsseldorf gewinnt derzeit erneut international an Bedeutung.“ Die Stadt habe so einige unschätzbare Alleinstellungsmerkmale, wie die „Frischzelle“ Kunstakademie, die neuen Denkansätze der neu bestellten Direktoren, beispielsweise im Kunstpalast und der Kunstsammlung. Aber auch die vor einem Jahr gestartete Messe Art Düsseldorf, „die sich professionell und so einzigartig positioniert, weil sie den Fokus auf das Rheinland legt“.

Braucht die Kunst denn überhaupt Messen? „Sie sind ein Tool für Galeristen. Nicht nur der Galerist muss die Messe attraktiv machen, vielmehr sollten Messen Dienstleister für die Galerien sein.“ Daniela Steinfeld schwärmt von der starken Kunstregion als Magnet für internationale Kunstvermittler, die hier Kontakte zu den Sammlern und Kuratoren suchen. Der internationale Kunstmarkt sei derzeit stark in Bewegung: „Wir haben auf hohem Niveau einen sehr florierendes Geschäft, andererseits schließen Galerien in New York und Berlin.“ Der Trend geht ihrer Ansicht nach wieder zu mehr regionalen Messen, was jedoch nicht provinziell bedeutet. „Düsseldorf und Köln waren immer auch regional, aber mit Weltkünstlern an der Spitze“, betont Steinfeld.

„Wir haben vor Ort eine kleine, feine Galerienszene – wie die in Flingern, wo wir alle freundschaftlich an einem Strang ziehen. Außerdem gibt es die DC Open, eine gemeinschaftliche Aktion von Düsseldorfern und Kölnern. Und ganz entscheidend: Wir haben immer noch den rheinischen Sammler, all die Kunstsinnigen, die die Kunst lieben und sie kaufen.“ Wenn man alles hat, um ein erfülltes Leben zu führen, dann gehört Kunst einfach dazu, und zwar nicht als Dekoration, sondern als Erfüllung – davon ist die erfolgreiche Unternehmerin überzeugt.

 Probleme, sich als Frau in der männerdominierten Kunstwelt zu behaupten, stehen bei ihr nicht im Vordergrund. Außerdem habe sich in den vergangenen drei, vier Jahrzehnten einiges verändert. In Düsseldorf beispielsweise mischen im Markt zahlreiche jüngere und ältere Galeristinnen mit. Und auf dem Vormarsch – auch international gesehen – seien viele „junge, tolle Künstlerinnen mit großartigen innovativen Ideen“. Wo sieht sie sich eigentlich in zehn Jahren? „Keine Ahnung“, sagt Daniela Steinfeld, „auf jeden Fall werde ich dann noch mit Kunst handeln. Denn eines ist ganz klar:

"Ein Leben ohne Kunst ist für mich undenkbar.“ 

www.van-horn.net

Text: Dagmar Haas-Pilwat

Fotos: Judith Wagner

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