Du bist, was du isst


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 2/2019

Autor: Karolina Landowski
Fotos: Genusshandwerker

Mit den Genusshandwerkern hat sich Hans-Georg Pestka ganz dem ehrlichen Essen verschrieben. Der Düsseldorfer liefert Feinschmeckern regionale Spezialitäten aus Europa frisch auf den Tisch.

Duftende Amalfi-Zitronen, aromatischer Trüffelkäse aus dem Piemont, getauchte Jakobsmuscheln aus den Tiefen des Atlantiks und Blutwurst aus Nordhessen: Jedes einzelne Produkt der Genusshandwerker vereint heimatliche Tradition, handwerkliches Können und Liebe zum Produkt. „Wir wollen die Opulenz eines Wochenmarkts ins Netz bringen“, erklärt Hans-Georg Pestka, der vor zehn Jahren den Onlineversand für hochwertige Lebensmittel in Flingern gegründet hat. Kunden können sich hier virtuell inspirieren lassen von dem fein kuratierten Sortiment aus 120 Sorten Käse, alten, fast vergessenen Gemüsesorten, Freilandgeflügel aus Frankreich, Lamm aus Irland und frischem Fisch aus der Bretagne, der dann nicht lieferbar ist, wenn das Wetter einfach zu stürmisch war und die Fischer nicht rausfahren konnten. 

Bei den Genusshandwerkern findet man auch Dinge, die aus der normalen Warenwelt verschwunden sind, wie etwa Innereien. „Wir suchen neue Wege abseits der breitgetretenen Konsumpfade und schaffen Räume für besondere Menschen, für besondere Produkte, die mit Hingabe hergestellt und mit Liebe gewürdigt werden wollen“, sagt Pestka. Es sind Lebensmittel, die man nicht im Vorbeigehen kauft, sondern mit Bedacht. Alle Produkte stammen aus Europa. „Hier gibt es fast alles in guter und allerbester Qualität. Man muss nur wissen, wo“, bemerkt der Foodexperte. Die Lebensmittel werden vor Ort mit den Ressourcen der Region – vom Futter über die Zutaten bis hin zu den arbeitenden Händen – gefertigt. 

Denn für Hans-Georg Pestka prägt das Terroir den Charakter, die Eigenheit und der Wert eines Produktes sind entscheidend: „Nur hier entstehen im Wechselspiel aus den kulinarischen Wurzeln, der Landschaft und dem Klima in den Händen leidenschaftlicher Menschen Originale“, sagt er. Authentischer, saisonaler und natürlicher Genuss steht bei ihm im Mittelpunkt. Die Zutatenlisten von wirklich guten Dingen lesen sich kurz. Je nach Jahreszeit bieten die Genusshandwerker 600 bis 800 Produkte an, untermalt mit raffinierten saisonalen Rezepten. Stockfisch-Tortilla mit Spinat, Milchkalbsbäckchen mit Schwarzwurzeln und Gewürzkrokant oder geröstete Blumenkohlsuppe mit blauer Garnele machen Lust aufs Kochen, und die passenden Zutaten sind nur einen Mausklick entfernt.

„Wir suchen neue Wege für Produkte, die mit Hingabe hergestellt und mit Liebe gewürdigt werden.“

Hans-Georg Pestka versteht sich nicht als klassischer Kaufmann, sondern als Vermittler zwischen Produzent und Konsument. Der passionierte Hobbykoch hat Naturwissenschaften studiert. Auf einer seiner Reisen entdeckte er Slow Food, eine aus Italien stammende und mittlerweile weltweit engagierte Bewegung, die sich für die Esskultur starkmacht. Er prägte sechs Jahre lang als geschäftsführendes Vorstandsmitglied die Entwicklung der deutschen Slow-Food-Bewegung und lernte in dieser Zeit eine Vielzahl seiner Lieferanten kennen. Zu seinen italienischen Wurzeln – seine Mama stammt aus Bologna – kehrte er aus Liebe zur Küche zurück. Als Foodscout entdeckte er so manche Leckerei und vermittelte dieses an den Fachhandel. Aber Hans-Georg Pestka wollte mehr: ein Netzwerk schaffen aus denen, die mit Bedacht produzieren, und jenen, die gerade solche Lebensmittel suchen.

Kurzum: eine Gemeinschaft genussfreudiger Menschen – die Genusshandwerker. Pestka liefert seitdem Produkte mit Hintergrundgeschichten. Von Menschen, die zu den Besten ihrer Zunft gehören. Und die sich die Zeit lassen, die Gutes braucht. Was diese antreibt, kann man in persönlichen Porträts lesen. Jeden Betrieb schaut sich Hans-Georg Pestka eigenständig vor Ort an. Jeder Erzeuger wird bei den Genusshandwerkern ausführlich vorgestellt: „Mein Bedürfnis ist, Transparenz und Wertschätzung zu zeigen. Unsere Partner lassen sich die Zeit, die Gutes zum Entstehen braucht. Sei es bei der Auswahl alter Tierrassen, die langsamer wachsen, dafür aber robuster sind und in Freilandhaltung leben dürfen. Sei es bei der sorgfältigen Reifung von Käse durch unsere Affineure oder durch den Verzicht auf den Handel mit Meerestieren aus Schleppnetzfischerei. Auch Schonzeiten halten wir konsequent ein. Alles hat seine Zeit. Zeit zu wachsen und zu reifen. Aber auch Zeit, sich zu erholen, neue Kraft zu schöpfen.“

Mit offenen Augen und Ohren geht Hans-Georg Pestka durch die Welt, schaut sich auf Reisen und auf Food Blogs nach neuen Erzeugern und spannenden Produkten um. Was gutes Essen sein muss, bringt er klar auf den Punkt: „Ehrlich. Unkompliziert. Essen, das nicht vorgibt, etwas zu sein, was es nicht ist!“ Essen, das sauber und fair ist – auch im Sinne von Tierwohl und Erhaltung der Artenvielfalt. 

„Ehrlich. Unkompliziert. Essen, das nicht vorgibt, etwas zu sein, was es nicht ist!“

„Eine Landwirtschaft mit Zukunft ist für uns bäuerlich geprägt. Zum Kreislauf gehören Menschen, Tiere und Pflanzen. Unser Respekt gilt dem ganzen Tier. Für uns heißt das, dass wir auch Teilstücke anbieten, die weniger bekannt sind oder über deren Zubereitung man sich erst einmal kundig machen muss“, erklärt der kulinarische Unternehmer. Die Genusshandwerker bevorzugen kurze, direkte Wege und verzichten auf die Bevorratung frischer Ware. Während man bestellt, läuft das Huhn noch über die Wiese und der Fisch tummelt sich noch im Meer. 

Bis sonntags um Mitternacht kann man die Ware bestellen, damit sie zum darauffolgenden Wochenende ausgeliefert wird. Fleisch, Käse und Gemüse kommen in einer Verpackung, die natürlicher nicht sein könnte: Karton, gepresstes Stroh und als Kühlmittel gefrorenes Mineralwasser. Für Hans-Georg Pestka liegt Nachhaltigkeit klar auf der Hand: „Unsere Kunden sind bewusste Genussmenschen, die gutes Essen und ausgesuchte Lebensmittel wertschätzen. Denen Essen weit mehr bedeutet als reine Nahrungsmittelaufnahme, die gutes Essen als Teil ihrer Kultur begreifen und damit unmittelbar Einfluss auf unsere Gesellschaft und Umwelt nehmen.“ 

www.genusshandwerker.de

 

Wo kauft der Genussexperte ein?

• Obst und Gemüse: auf dem Rheinischen Bauernmarkt am Kolpingplatz

• Brot: bei Hinkel und dem Bullebäcker in Flingern

• Fleisch: bei den Genusshandwerkern

• Auf einen Kaffee: ins Café Rekord

• Zum Dinner: ins Hashi an der Ackerstraße, Bistro Fatal an der Hermannstraße und natürlich ins Olio.

 

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