Der Trüffel-Junkie


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 1/2019

Autor: Katja Vaders
Fotos: Sabrina Weniger

Er ist Bestsellerautor, Foodjournalist, Trüffelexperte und so etwas wie die graue Eminenz des Geschmacks: Königsallee besuchte Ralf Bos, Inhaber des Delikatessenvertriebs Bos Food, in einem seiner Lager in Meerbusch-Büderich und verbrachte einen Vormittag ganz im Zeichen der Kulinarik. 

Die Büdericher Grünstraße ist fest in der Hand von Bos Food. Gleich sieben Gebäude des Delikatessengroßhandels von Food-Experte Ralf Bos sind auf der kleinen Meerbuscher Rue zu finden. In der Zentrale in der Nummer 24 geht es sehr geschäftig zu. Ralf Bos empfängt uns mit einem Headset auf dem Kopf. Er ist offenbar noch im Gespräch mit einem Lieferanten. Als er auflegt, lächelt er freundlich und nimmt erstmal einen großen Schluck aus seiner XXL-Teetasse mit dem Aufdruck „Size Matters“. 

Size Matters – auch, was Ralf Bos’ Business angeht. Der Meerbuscher Unternehmer hat 200 Mitarbeiter und führt 16.000 Artikel in seinem Sortiment. Täglich wickelt er im Durchschnitt 1.000 Aufträge ab, seine Kunden sind vor allem gehobene Gastronomien im deutschsprachigen Raum, die nicht nur seine exklusive Ware, sondern auch seinen Service schätzen. „Wir haben alles, und das auch immer auf Lager“, erzählt er. Zudem liefert er zum nächsten Tag und hat keine Mindestbestellmenge – das gilt übrigens auch für Endverbraucher; Düsseldorfer bekommen die Ware sogar noch am gleichen Tag.

Ralf Bos hat den richtigen Riecher. „Wir verkaufen heute das, was in vier Jahren kulinarisch in Mode sein wird“, weiß er. Sein Gespür für Trends zieht sich schon durch sein ganzes Leben. Bos lernt im Alter von 14 Jahren Koch und macht schnell Karriere, hat aber schon bald keine Lust mehr, an sieben Tagen die Woche 16 Stunden zu arbeiten. „Ich liebte meinen Beruf, aber auch meine Partnerin. Da musste ich eine Entscheidung treffen: Malochen oder Liebe – ich habe mich für die Familie entschieden.“ Die nächsten Jahre ist er sehr umtriebig, geht nach München und wird Tourmanager der Band Wind.

Sein Job: einen Haufen Künstler zu organisieren, und das gelingt ihm Mitte der 1980er-Jahre am -besten über Anrufbeantworter. Da diese zu jener Zeit in Deutschland noch sehr teuer sind, importiert er sie aus den USA, wird Experte für Telekommunikation und gründet in Meerbusch die Firma Bos Elektronik, die er einige Jahre später für 14,5 Millionen Mark verkauft.Anschließend möchte er mit seiner Frau in Neuseeland ein Tenniscenter aufbauen. Als sie allerdings schwanger wird, packt die beiden der Nesttrieb und sie kehren nach Deutschland zurück. „Ich musste mir was einfallen lassen und hatte gleich mehrere Ideen“, so Bos.

Er gründet das erste Fingernagelstudio NRWs, vertreibt Laptops aus Singapur – und Wildreis aus Kanada, eine seinerzeit sehr exotische und in Deutschland völlig unbekannte Delikatesse. Damit legt er den Grundstein für seinen Feinkostgroßhandel, auch wenn sich der Reis nicht gut verkaufte. Bos recherchiert in der Stadtbücherei („Internet gab es ja damals noch nicht“) und nimmt zusätzlich Basmati- und Risottoreis in sein Sortiment. Langsam kommen immer mehr ungewöhnliche Lebensmittel hinzu: Puy-Linsen, Safran, Gewürze und Sommertrüffeln.

„Von all den Superdelikatessen ist der Trüffel der beste, denn für ihn muss keiner sterben.“

Die Entscheidung für den Vertrieb von Trüffeln war schicksalhaft: Bos gilt inzwischen als ausgewiesener Experte in diesem Metier, man nennt ihn sogar „den Trüffelpapst“; weißer Trüffel ist auch das teuerste Produkt in Bos’ Vertrieb, stolze 4.600 Euro kostet das Kilo. Was fasziniert ihn so an den Edelpilzen? „Von all den Superdelikatessen ist der Trüffel die beste, denn für ihn muss keiner sterben. Für die Landwirte ist er zudem ein lukratives Geschäft, für mich auch. Es gibt also nur Gewinner“, freut er sich. Er pflegt ein gut funktionierendes Netzwerk mit Trüffelhändlern und hat den Bestseller und das deutsche Standardwerk zum Thema, „Trüffeln und andere Edelpilze“, geschrieben.

Kein Wunder, dass auch sein Lieblingsgericht mit Trüffeln zu tun hat. „Spiegelei mit Spinat und weißen Trüffeln. Ich bin ein Trüffeljunkie!“, lacht er. Trends setzen, exklusivste Neuheiten der Kulinarik verkaufen, wie macht er das? „Ich möchte einfach immer das geile Zeug probieren. Zwanzig Jahre bin ich selbst gereist, inzwischen arbeite ich mit 10.000 Productscouts zusammen. In der Szene habe ich den Status eines wandelnden Lebensmittellexikons. Wir betreiben ja nicht nur Handel, sondern wollen auch beraten“, sagt er. Der Erfolg gibt ihm recht. Bos Food macht 35 Millionen Umsatz im Jahr. 

Ralf Bos testet immer noch Restaurants in der ganzen Welt, dennoch bedeutet Düsseldorf für den gebürtigen Derendorfer Heimat. „Ich liebe die Stadt sehr, sie gibt mir ein warmes Gefühl, wenn ich von einer Rheinseite zur anderen fahre. Kulinarisch sind wir hier sehr gut aufgestellt: Carlsplatz, Carsh-Haus oder Zurheide, den ich richtig gut finde. Ein legitimer Nachfolger von Delikatessenhändlern wie Münstermann.“ Seine Lieblingsrestaurants in Düsseldorf sind das Behrens am Kai, „gleichbleibend gute Qualität“, Fritzs Frau Franzi, „augenblicklich das beste in Düsseldorf, sehr individuell“ sowie das Nagaya, „hier kann man Düsseldorf mit London, New York oder Paris vergleichen, ein Weltklasse-Restaurant“. 

Seine Heimatverbundenheit passt zu ihm. Bos ist nämlich durch und durch Familienmensch, was auch seinem Unternehmen zugutekommt. „Ich habe drei Töchter, die alle in die Firma involviert sind, auch die Schwiegersöhne. Alles ist so geregelt, dass die neue Generation langsam ins Unternehmen reinwächst.“ Sein Herz, so Bos, gehöre der Schreiberei, der er sich vermehrt widmen möchte. „Kulinarik, Gastro, Lebensmittel, das sind meine Themen. Ich habe ja schon unzählige Artikel über Trüffeln geschrieben, aber es kommt immer wieder etwas Neues dazu“, lacht er. Außerdem engagiert er sich in einer Initiative, die Schulen in Äthiopien baut. „Mittlerweile sind es schon sieben, bald eröffnet die achte!“, erzählt er stolz. „Seit 30 Jahren mache ich den schönsten Beruf der Welt, da möchte ich etwas zurückgeben.“ 

www.bosfood.de

 

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