Der Sushi-Botschafter


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 2/2018

Herr Ando, wie sind Sie nach Deutschland gekommen?

Das war im August 1965. Als Teil der japanischen Nachkriegsgeneration waren die vielen politischen Konflikte in der Welt damals sehr schwierig für mich. Ich war Mitglied bei Soka Gakkai, einer buddhistischen Laienorganisation, die seinerzeit einen Aufruf an alle Mitglieder startete: sich freiwillig zu melden, um Frieden auf der Welt zu verbreiten. So beschloss ich, nach Deutschland zu gehen.

Welche Situation fanden Sie hier vor?

Es war nicht leicht. Man musste schnell Arbeit finden, um ein Visum zu bekommen. Ich fing als Bergmann in einer Zeche in Duisburg an. Die Arbeit unter Tage war hart und vor allem sehr gefährlich. Eines Tages gab es einen Unfall, bei dem einer meiner Kollegen ums Leben kam. Das war für mich das Signal, mir nach viereinhalb Jahren unter Tage etwas Neues zu suchen. Ich war inzwischen verheiratet, hatte schon ein Kind und wollte mich nicht länger der Gefahr aussetzen.

In Düsseldorf fanden Sie dann eine neue Beschäftigung. Wie kam es dazu?

Damals gab es noch nicht so viele Japaner in Düsseldorf wie heute, aber die Community baute sich gerade langsam auf. Ich bekam eine Stelle als Lagerist bei einem japanischen Lebensmittelvertrieb. Nach den Jahren im Bergwerk war das einfach wunderbar! Ich musste mich keinen Gefahren mehr aussetzen und arbeitete sozusagen unter freiem Himmel. Als der Vertrieb 1983 verkauft wurde, nahm ich das zum Anlass, mich selbstständig zu machen.

Sie eröffneten mit Ihrer Frau Kimiko einen Lebensmittelladen ...

Ja, er war in Oberkassel und nur circa 25 Quadratmeter groß, und wir hatten hauptsächlich japanische Kunden. Die Lage war nicht besonders gut, weil die meisten von ihnen in der Innenstadt wohnten. So kam ich auf die Idee, eine Art mobilen Lebensmittelhandel zu organisieren, also mit dem Auto in die Stadt zu fahren, um von dort aus meine Ware zu verkaufen. Und meine Frau Kimiko fing an, Kleinigkeiten für unsere Kunden zu kochen, hauptsächlich japanische Hausmannskost.

Wie kam es dann zur Eröffnung des ersten Maruyasu-Restaurants?

Da immer mehr Japaner nach Düsseldorf zogen, gab es natürlich auch immer mehr japanische Lebensmittelhändler. Daher kam uns die Idee mit dem Restaurant: Wir wollten unseren Gästen etwas bieten, was nicht überall zu bekommen war. Natürlich gab es japanische Restaurants, die Sushi servierten, das war aber sehr teuer. Wir überlegten uns, wie wir es günstiger zubereiten könnten, um es einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Das funktionierte auch mit guten Maschinen, die uns bei der Zubereitung unterstützten. Unser Name „Maruyasu“ war dabei Programm, übersetzt heißt es nämlich „rundum günstig“.

„DÜSSELDORF IST MEINE ZWEITE HEIMAT"

Inzwischen betreiben Sie zehn Maruyasu-Filialen, in denen Sie neben Sushi noch weitere Spezialitäten anbieten. Was ist das Besondere an der japanischen Küche?

Die japanische Küche versucht, alle Zutaten möglichst so zu belassen, wie sie sind, und somit ihre Besonderheiten hervorzuheben. Sie orientiert sich außerdem sehr an regionalen und saisonalen Spezialitäten.

Sie leben jetzt schon seit ungefähr 50 Jahren in Düsseldorf. Fühlen Sie sich inzwischen heimisch?

Für Japaner ist die Stadt wegen der guten Infrastruktur ein perfekter Standort. Auch ich lebe sehr gern hier. Düsseldorf ist für mich zur zweiten Heimat geworden – schließlich bin ich schon die längste Zeit meines Lebens hier.

Mit 75 Jahren stehen Sie immer noch fast täglich hinter der Theke Ihres Restaurants in den Schadow-Arkaden. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, in Rente zu gehen?

Nein, ich bin sehr gern dort! Es wird nie langweilig, weil es sehr lebendig ist. Außerdem will ich weiterhin Botschafter für japanisches Essen und Kultur bleiben und nie meinen Auftrag aus den Augen verlieren, weswegen ich ursprünglich nach Deutschland kam: den Menschen und der Welt Frieden zu bringen. 

 

Info:

Akio Ando kam 1965 als Friedensaktivist von Japan nach Deutschland. 1983 eröffnete er das erste Maruyasu, ein kleines Lebensmittelgeschäft in Oberkassel. Inzwischen betreibt er insgesamt zehn Filialen, acht davon in Düsseldorf und Umgebung. Mit zwei Betrieben ist Maruyasu auch in Frankfurt am Main vertreten. Bis heute gehört es zu Andos Unternehmensphilosophie, durch Esskultur einen Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft zu leisten.

www.maruyasu-de.jimdo.com

 

Interview: Katja Vaders

Fotos: Raphael Janzer

 

 

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