Der Einrichter und sein Masterpiece

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 3/2019
Text: Dagmar Haas-Pilwat
Fotos Interior: Annika Feuss
Porträtfotos: Frank Beer
Styling: Sina Pilgrim

 

Patrick Treutlein gilt in der Branche als Großer – sein Name ist sein Markenzeichen. Zu den Kunden des Meerbuscher Interior-Designers gehören Architekten, Künstler, Vorstandsbosse, Prominente und Firmen in ganz Europa. Wie lebt denn der Einrichtungs-Profi mit seiner Frau Christina, den beiden Töchtern Jil und Laurie? KÖNIGSALLEE hat den Unternehmer in seinen eigenen vier Wänden getroffen. 

 

Wenn Patrick Treutlein, der Villen, Wohnungen und Lofts für Auftraggeber weltweit gestaltet, zeigen will, was er alles kann, lädt er gelegentlich in sein eigenes, neues Privathaus ein. Hier hat er die Bühne für seine ganzheitliche Einrichtungskunst, sein „Masterpiece von kompromissloser Qualität“, geschaffen. In dieser ästhetischen, L-förmig angelegten Wunderbox ist kein Raum zu viel, kein Detail überflüssig: Allein 1.400 Zeichnungen wurden angefertigt von allen Räumen und allen denkbaren Elementen – von der Türklinke bis zum Kippschalter, wie man ihn aus Flugzeugen kennt, vom Ankleidezimmer bis zur Garten-Lounge mit Outdoor-Küche, vom Bad mit handbehauenem Sandstein bis zur technisch perfekt ausgestatteten Küche. Ein Jahr lang dauerte die Planung. Nach zehn Monaten war das Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 380 Quadratmetern in Meerbusch-Büderich bezugsfertig. 

Konzentriert führt Patrick Treutlein, Sohn eines Textilstoffhändlers, Kaufmann, Raumausstatter und vor allem kreativer Motor des gleichnamigen Interior-Unternehmens, durch das über zwei Geschosse puristisch organisierte Haus. „Hier ist nichts von der Stange, alles wurde eigens entworfen und gebaut“, sagt der 50-Jährige mit der dunklen Kastenbrille, der stets ein weißes Maßhemd mit seinen Initialen „PT“ trägt. Auf den Grundmauern eines Hauses von 1944 ist ein formal strenges Gebäude mit Flachdach und einer auffällig-grafischen Fassade aus Klinker mit Muschelkalk-Akzenten entstanden. Wenn man die aufwendig, einzeln auf Maß geschnittenen Bordüren nebeneinander legen würde, wären sie 1,6 Kilometer lang. 

 

„Hier ist nichts von der Stange, alles wurde eigens entworfen.“

 

Beraten. Planen. Realisieren. Wohnkultur auf höchstem Niveau, die gekonnte Zusammenarbeit von Handwerk und Design, die Kombination unterschiedlicher Stile, Farben und Formen – das ist Treutleins Metier. „Wir können all das, was andere nicht können. Und gibt es ein Problem, finden wir einen Partner, der mit uns Dinge möglich macht“, sagt der „Problemlöser“ von Beruf. 

Vor 25 Jahren nahm seine Karriere ihren Lauf: In einem 15 Quadratmeter großen Raum hat er seinen ersten Sessel entworfen und gebaut. Mit dem Polstermöbel legte der Mann mit dem Gespür für Räume und Proportionen den Grundstein für das heute florierende, weltweit agierende Unternehmen „Patrick Treutlein Interior“. Mehr als 50 Mitarbeiter, darunter Innenarchitekten und Diplom-Designer, arbeiten in der Manufaktur und Polsterei sowie im Planungsbüro und in den drei großen Schau- und Verkaufsräumen (Living, Bett, Küche) in Meerbusch. Patrick Treutlein hat es geschafft, selbst zu einer Marke zu werden. 

 

„Das Haus ist ein Qualitätsbeweis von dem, was wir tagtäglich machen.“

 

 

Es ist sein viertes eigenes Haus – „und mein letztes“ –, das er erstmals ganzheitlich außen (in Zusammenarbeit mit Architekten) und innen entworfen hat. Die Formensprache ist klassisch, erinnert an vergangene Zeiten und strahlt eine bleibende Eleganz aus. Farbton und Materialien sind bewusst als Art-déco-Referenz gewählt, aber neu interpretiert. Das fängt im Entrée mit dem geschwungenen Treppenaufgang aus schwarz-geräucherter Eiche an, setzt sich im Obergeschoss in den Räumen der Töchter, dem Schlafzimmer, den beiden Bädern und der großzügigen Ankleide fort. Neben der monochromen Farbgebung in Schwarz-Weiß fällt die klug durchdachte Aufteilung der vier Wände ins Auge, sie schafft maximalen Raum. 

Jedes Möbel, jede Lampe, jeder Waschtisch, jeder Heizkörper ist ein Unikat – individuell für Treutleins Refugium geschaffen – nur die Fernseher in jedem Raum sind von der Stange. Selbst die inszenierte Kunst an den Wänden sind Auftragsarbeiten, die für die Villa geschaffen wurden, darunter das Öl-Kreide-Tinte-Gemälde „David Bowie“ von Kunstakademie-Meisterschüler Benjamin Rayher, die „Nagel“-Fotografie von Manfred Vogelsänger und das „Schwarzwaldmädel“ von Armin Morbach. 

 

 

Macht es eigentlich einen Unterschied, ob der Profi für sich selbst oder für andere baut? „Ja. Entscheidend ist: Mein Haus ist kompromisslos nach meinen Vorstellungen (meine Frau hat mir vertraut) gestaltet – wirtschaftlich und stilistisch, nicht chi-chi-gemütlich, sondern eher pur mit asiatischem Twist“, erklärt Treutlein. „Es soll ein Qualitätsbeweis sein und Teil von dem, was wir tagtäglich machen. Das heißt, alles ist in der eigenen Werkstatt oder in Absprache mit Herstellern entstanden.“ So wie der Esszimmertisch aus Italien oder die handgestickte Tapete von Jim Thompson aus Bangkok oder die Gartenleuchten von Kevin Reilly aus Kentucky. 

Ein Netzwerk aus 750 Herstellern und Lieferanten hat der 50-Jährige inzwischen weltweit gespannt. „Wir sehen uns als Markendiplomat und suchen so lange, bis wir den richtigen Artikel für den Zweck oder das Produkt finden.“ Selektion und Fachkenntnis sieht er als einen Pfeiler seines Erfolgs, die beiden anderen seien Glück und sein nicht zu bremsender Spaß an der Arbeit. „Das ist mein Leben, sechs Tage die Woche, täglich von 6.30 bis 20 Uhr.“ 

 

Und er denkt nicht daran, das Arbeits-pensum zu reduzieren. Im Gegenteil: Die Zeichen stehen auf Expansion. „2020 werden wir uns in Düsseldorf wenige Meter von der Königsallee entfernt an der Grünstraße niederlassen.“ Dort will Treutlein ein Haus eröffnen, „das unter meinem Namen hochwertigsten Interior-Standard bietet“. Auch in dem Fall verrät der Chef keine Zahlen, genauso wenig wie er über prominente Kunden spricht oder über Auftragsvolumen, die nicht selten im siebenstelligen Bereich liegen, oder die Umsätze seines familiengeführten Einzelunternehmens.

Treutlein ist Perfektionist, ist bei allen Projekten maßgeblich involviert und bekannt dafür, dass er Raumkunst planbar macht. Dabei geht es ihm nicht um vordergründig optische Effekte, sondern er ist ein Meister der Raumnutzung. Wie beispielsweise bei den bündig in die Wand eingebauten Schuhschränken im Treppenhaus, deren Rückwände in das Arbeitszimmer seiner Frau ragen und dort wie eine Art Alkoven das tief dunkelblaue, mit Seidenvelours bezogene Sofa einrahmen.

 

„Beim Einrichten spielt das Bauchgefühl eine große Rolle.“

 

 

Eines seiner Meisterstücke ist zweifelsohne die High-End-Küche – ausgestattet mit allen technischen Finessen. So verschwindet die ausgeklügelte Einbauwand aus Makassar-Holz hinter Pockettüren, ein frei stehender Block lässt sich mithilfe einer verschiebbaren Platte in ein Kochzentrum und eine Frühstückstheke verwandeln. 

„Beim Einrichten spielt das Bauchgefühl eine große Rolle, denn die eigenen vier Wände sind kein Katalog“, betont der Hausherr und verrät, dass auch im neuen Haus zwei „emotionale“ Erinnerungsstücke mit eingezogen sind: eine Lalique-Vase, die er nach seiner Ausbildung gekauft hat, und das Erste, was er sich mit seiner Frau vor 30 Jahren gemeinsam gekauft hat: ein „grottenhässlicher Frosch“. Der liegt nun im Garten unter einem Ahornbaum mit Blick auf Pool, Garten-Lounge und transparente Garage für einen Oldtimer.

Übrigens – wenn der Vielbeschäftigte einmal ganz in Ruhe bei einer Zigarre entspannen will, geht er in den Keller in seinen mit Leder-Mobiliar, Bar, Bibliothek und Lieblingsfotografien ausgestatteten „Smoker-Room“. •

www.patrick-treutlein.de

 

 

Treutleins Geschäfte

„Die Menschen wollen Unikate, sie wollen Service, sie wollen persönliche Beratung“, sagt Patrick Treutlein und so weitet er sein Interior-Unternehmen stetig aus. Inzwischen betreibt er neben der hochmodernen Möbel-Manufaktur in Meerbusch-Osterrath drei Geschäfte auf der Dorfstraße in Büderich: den Showroom in puristischen Schwarz- und Grautönen, ein paar Häuser weiter den Laden Home of Sleep und seit einem Jahr sehr erfolgreich „Unique Kitchen“, in dem es natürlich keine Küchen von der Stange gibt. Vor wenigen Wochen ist das Planungsbüro in eigene Räume eingezogen und 2020 wird in Düsseldorf in Kö-Nähe ein „Patrick Treutlein“-Einrichtungshaus eröffnet.

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