Chapeau Schicke Mütze

 

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 1/2019

Text: Olaf Ebeling
Fotos: Matthäus Walotek

Als die Idee der „Schicken Mütze“ das Licht der Welt erblickte, hatten die Gründer nicht viel mehr als eine grundsätzliche Idee, ihre Ersparnissen der eine Gastro– und der andere Retailerfahrung und alle eins gemeinsam: eine leidenschaftliche Liebe zum Radfahren.

Der Beginn der Geschäftsidee der Schicken Mütze entsprang wie so oft einer sportskameradlichen Idee, die auf gleichen Interessen beruhte: der Liebe zu alten Rennrädern, dem artgerechten Fahren mit ihnen sowie dem gemeinschaftlichen Schrauben und Kaffeetrinken – oder Letzteres auch umgekehrt. Carsten Wien und Konrad Glaeser hatten sich als Organisatoren der beliebten Klassikerausfahrten „Kaffee, Stahl und heiße Räder“ im Raum Düsseldorf bereits einen Namen in der Rennradszene gemacht, Dieter Mauermann war mit seinem Gastrokonzept Curry, einer Edelpommesbude, erfolgreich. Alles gemeinsam verband sich dann zu der Idee, einen Fahrradladen mit angeschlossener Werkstatt und einem Café zu eröffnen.  Nachdem die Idee stand, machte sie sich auf die Suche nach einer geeigneten Location, die sich recht schnell fand. Eine alte Werkstatt im Hinterhof an der Talstraße, architektonisch interessant und als Verlängerung der Kö auch zentral und gut gelegen. Der Laden wurde bereits als Fahrradlager genutzt und der Eigner war bereit, Platz für das neue Konzept zu machen. Aber was sich erst als ideale Gelegenheit darstellte, entpuppte sich unter dem Stichwort „Nutzungsänderung“ doch als Herausforderung für die Gründer, denn als Ladenlokal brauchte das alte Lager doch einiges mehr:

Lüftung, Fluchtwege, Brandschutz, Toiletten, Parkplätze und was alles so dazugehört. Die dazugehörigen Genehmigungsverfahren für die Modernisierung des kleinen Ladenlokals zogen sich dann doch länger hin, als man vorher dachte. Die gesamte Umbauphase verschlang gut anderthalb Jahre und verbrauchte eine Menge des Startkapitals sowie einen Mitstreiter, der die Werkstatt leiten sollte und irgendwann entnervt ausstieg. Es konnte jedoch mit Jan Hüttenbernd ein weiterer passionierter Fahrradschrauber für das Konzept gewonnen werden, so sodass der Laden 2014 eröffnet werden konnte.

Der Grund hierfür liegt in der Authentizität der Schicken Mütze. So macht sich der Laden auch einen Namen in der Stadtentwicklung und vertritt streitbar konstruktiv die Interessen der Radfahrer. Höhepunkt der Entwicklung ist dabei sicher das große Engagement rund um „Grand départ“, den Start der Tour de France in Düsseldorf, an dem ein Wochenende lang dem Fahrrad die Stadt gehörte und die Schicke Mütze mit ihrem eigenen Programmpaket unter dem Motto „Bonjour le tour“ viel Aufmerksamkeit erregte. Die Schicke Mütze ist inzwischen nicht mehr nur Anlaufpunkt der Radsportfreunde, sondern verknüpft auch Kunst und Kultur mit dem Rad und stellt ein Lastenrad der Allgemeinheit zum Leihen zur Verfügung. Kostenlos, übrigens unter dem Namen 

„Wenn hier zu ist, sind wir Radfahren“

Schicke Minna. In der ganzen Kombination ist das auch erfolgreich: Das Ladengeschäft wächst jedes Jahr gesund weiter, die verkauften Marken sind hochwertig, die Klientel ist vielfach besser verdienend und gewillt, Qualität auch entsprechend zu bezahlen. Gleichzeitig ist die Schicke Mütze aber auch der Fahrradladen für die Nachbarschaft geworden. Und durch das unermüdliche Engagement der Schicken Mütze auf allen Kanälen gibt es nicht nur eine sehr enge Kundenbindung, sondern es kommen auch beständig neue Kunden hinzu, die auf die Schicke Mütze aufmerksam werden. So können die Gründer inzwischen von ihrer Idee und ihrem Hobby gut leben: Mit einem jungen, stationären Ladengeschäft in Zeiten des Onlinehandels, und das auch noch ganz ohne Onlineshop. Das liegt zu einem guten Teil daran, dass die Gründer der Schicken Mütze „Erfolg“ anders als rein finanziell und kommerziell definieren. Für sie ist es ein Zeichen von ethischem und privatem Glück im Leben, wenn man auf diese Art sein Geld verdient: mit dem Fördern einer umwelt– und stadtfreundlichen Form der Mobilität, mit seinem Beitrag für die Kultur in der Stadt und nicht zuletzt auch mit viel Zeit für das, womit alles anfing: Radfahren. 

www.schickemuetze.de

 

 

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