Berührt und verzaubert

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 3/2019
Interview: Elena Winter 
Fotos: PR

 

Vom 11. bis 30. September bringt das Düsseldorf Festival zum 29. Mal außergewöhnliche Künstler in die Stadt und nimmt seine Gäste mit auf eine Reise durch verschiedene Welten und Kunstformen. Ein Gespräch mit den Festivalmachern Christiane Oxenfort und Andreas Dahmen. 

 

Warum sollten Gäste zum Düsseldorf Festival kommen? 

Andreas Dahmen: Mit unserem Festival wenden wir uns an Menschen, die neugierig sind und über die bekannten kulturellen Institutionen hinaus neue Formen kennenlernen möchten. Wir präsentieren in unserer Hauptspielstätte, dem Theaterzelt, große internationale Produktionen aus den Bereichen Neuer Zirkus, Urban Dance, Tanztheater und Musik. Oft handelt es sich um Deutschlandpremieren. Immer aber um Arbeiten renommierter Künstler, die sonst in der Region nicht zu erleben sind.

 

Die Künstler des Festivals treten teils zum ersten Mal in Deutschland auf. Wie wählen Sie sie aus?

Dahmen: In Europa gibt es einige Hotspots, wo auch die meisten großen internationalen Kompanien auftreten. Paris, London, Marseille, Barcelona und Luxemburg zum Beispiel. Hierhin fahren wir oft und machen viele Kontakte. Außerdem haben wir ein Netzwerk an Agenturen und Festivals, mit denen wir uns rege austauschen. Dabei interessieren wir uns für die Schnittstellen zwischen den Disziplinen. Wir suchen Künstler, die sich nicht nur mit ihrer eigenen, sondern auch mit anderen Kunstformen beschäftigen. Beim Neuen Zirkus zum Beispiel arbeiten Zirkusregisseure mit Choreographen und Theatermachern zusammen und lassen die herkömmliche Akrobatik des klassischen Zirkus in einem neuen Licht erscheinen. Bei der Musik suchen wir nach jungen Talenten, die sich um die Erhaltung meist sehr alter Traditionen bemühen und dies durch Veränderung und Weiterentwicklung tun. Sie brechen dabei oft mit den klassischen Formen.

Das Festival ist ein Non-Profit-Unternehmen und steht nicht unbedingt für „kulturellen Mainstream“. Wieviel Risiko ist damit verbunden? Und woher nehmen Sie den Mut, dieses Risiko auch 2019 wieder einzugehen?

Christiane Oxenfort: Das Risiko ist sehr hoch, da wir fast ohne Netz und doppelten Boden arbeiten. Die Förderung von Stadt und Land ist zwar relativ sicher, aber im Verhältnis zum Gesamtbudget >> gering. Der Rest wird von Sponsoren, Stiftungen und Förderern eingebracht und natürlich über den Verkauf der Tickets. Wenn allerdings eine Produktion, die international sehr erfolgreich ist, nicht genügend Zuschauer findet, kann das zu einem nicht zu kalkulierenden Risiko führen. Aber wir greifen, obwohl wir uns das künstlerisch wünschten, nicht nach den Sternen. Wir glauben fest an die Sinnhaftigkeit, Neues und Unbekanntes entstehen zu lassen und zu zeigen, und sind überzeugt, dass das Festival für alle Besucher sehr bereichernd ist. 

 

Was ist Ihnen nach 29 Jahren Düsseldorf Festival besonders in Erinnerung geblieben?

Oxenfort: 1996 hatten wir die Kompanie „Que-Cir-Que“ aus Frankreich eingeladen. Es war für uns die erste Einladung einer Kompanie des Neuen Zirkus. Wir waren sehr aufgeregt, das Festival war erst fünf Jahre alt. Einige Tage vor der Premiere, es waren bereits alle Sponsoren und Journalisten eingeladen, fehlte plötzlich einer der drei Artisten. Wir waren in heller Aufregung – dann kam die Nachricht, dass er mit Blindarmdurchbruch in ein Krankenhaus eingeliefert worden war. Eine Katastrophe für uns, denn die Aufführungen hätten natürlich abgesagt werden müssen. Die beiden verbliebenen Akrobaten haben sich dann, um uns nicht im Stich zu lassen, entschieden, nach mehreren Tagen Probe das Stück nur zu zweit aufzuführen. Das Publikum hat nicht gemerkt, dass etwas fehlte … Und wir waren gerettet!

 

Was macht den Standort Düsseldorf so besonders für das Festival? 

Oxenfort: Düsseldorf ist international, überschaubar, herzlich und offen. Im Gegensatz zu ganz großen Metropolen wird man hier mit einem Kulturfestival wirklich wahrgenommen. Unsere Künstler bestätigen, nirgendwo sonst auf ihrer Tournee enthusiastischere Reaktionen erlebt zu haben. Hinzu kommt die außergewöhnlich schöne Lage unseres Festivalzentrums unmittelbar am Rhein auf dem Burgplatz. •

 

Die Intendanten Christiane Oxenfort und Andreas Dahmen übernehmen die Programmgestaltung und als Geschäftsführende Gesellschafter der gemeinnützigen Festival GmbH auch das Management des Düsseldorf Festivals. Als Musiker und Teil des international erfolgreichen ViF Flötenquartetts sind sie neugierig auf neue Tendenzen in der Kunst und lieben es zu experimentieren - das alles auf hohem künstlerischen Niveau.

 

 

VIER FASTIVAL HIGHLIGHTS

01.
Martin Zimmermann 
Tanzhaus NRW
12.9. – 15.9.2019 um 20 Uhr
EINS ZWEI DREI
Der Schweizer Künstler Martin Zimmermann hat den Clown des 21. Jahrhunderts erfunden. Seine drei Clowns sind keine mit roter Nase, sondern virtuos agierende Artisten: Wenn sie aufeinanderprallen, sich in Machtkämpfe verwickeln, an Konventionen, Wände und ihre eigenen Grenzen stoßen, entsteht ein enthemmtes Delirium: eine Tragikomödie über Autorität, Unterwerfung und Anarchie.

 

 

 

02.
Yaron Lifschitz & Circa
Theaterzelt, burgplatz
20.9. – 22.9.2019 um 20UHR
HUMANS
Was können wir aushalten? Wem können wir vertrauen? Regisseur Yaron Lifschitz und seine australische Kompanie werfen existentielle Fragen auf – und beantworten sie voller Humor und Esprit. Dabei gehen die Performer in rasanter Geschwindigkeit an ihre Grenzen. Sie verknoten sich ineinander, springen tollkühn in die Höhe, lassen sich fallen und wagen lachend das scheinbar Unmögliche.

 

 

 

03.
Mourad Merzouki & Compagnie Käfig
Theaterzelt, burgplatz
17.9. – 19.9.2019 um 20 Uhr
VERTIKAL
Mourad Merzouki, Leiter einer der innovativsten Hip-Hop-Formationen Europas, stellt den Hip-Hop auf den Kopf: Mit seiner Produktion trotzt er den Gesetzen der Erdanziehung. Seine Tänzer erobern die Vertikale. In einem spektakulären Flug erkunden sie den Luftraum, stürzen ab und erheben sich von Neuem. Sie suchen nach Leichtigkeit und finden Schwerelosigkeit.

 

 

 

04.
Next Zone
Theaterzelt, Burgplatz
27.9. und 28.9.2019 um 20 Uhr
Forces of the North: Ritual for the Inuit | Super Human
Der perfekte Mensch. Arktisches Leben versus globale Erwärmung. Die Wirkmacht der Spiritualität. In diesem Zweiteiler über die Kräfte des Nordens stellt die dänische Choreografin Lene Boel mit ihrer jungen Hip-Hop-Kompanie aktuelle Fragen in den Fokus. Eine Performance, die uralte Mythen, Real-Life-Experimente und Science Fiction vereint.

 

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