Afrofuturistic!

 

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 2/2019

Autor: Katja Vaders
Fotos: Gato Preto


Die Düsseldorfer Band Gato Preto tourt um die ganze Welt und ist bereits häufiger in New York als in ihrer Heimatstadt aufgetreten. Ein Gespräch mit Carmen Brown und Lee Bass über ihren internationalen Erfolg und den ganz speziellen Gato-Preto-Sound. 

Sängerin und Rapperin Carmen Brown aka Gata Misteriosa und Producer Lee Bass lernen sich 2012 kennen. Zu dieser Zeit sind beide schon seit einigen Jahren in der Düsseldorfer Musikszene aktiv. Lee Bass verdingt sich als international erfolgreicher DJ und mit seinem eigenen Label Basstard Records. Schon sein ghanaischer Vater war Musiker und DJ und betrieb den Black-Music-Club „Funky Corner“ in der Altstadt. Carmen Brown ist Solokünstlerin. Die Sängerin mit mosambikanischen Wurzeln wächst in Lissabon auf und ist ursprünglich nach Deutschland gekommen, um Physik zu studieren, was sie allerdings nach dem Vordiplom für die Musik aufgibt. 

Als Lee Bass beginnt, als Producer zu arbeiten, kontaktiert er Carmen Brown, auf die er durch ihren einzigartigen portugiesischen Rap aufmerksam geworden ist. Die beiden beschließen, sofort einen gemeinsamen Track aufzunehmen, „Tschukudu“, den ersten Gato-Preto-Song. Dazu produzieren sie ein Video, das schnell viral geht; internationale Auftritte folgen. „Elektronische World Music wie Balkan Beats oder African Beats war seinerzeit auf dem Vormarsch. 

„Wer Bock auf pure Energie hat, ist bei uns garantiert richtig.“

Wir waren musikalisch irgendwo dazwischen“, so Carmen Brown. Inspiriert sind die beiden Künstler von ihren afrikanischen Wurzeln, aber auch von der Düsseldorfer Musikszene. Lee Bass sieht vor allem den Unique Club des im letzten Jahr verstorbenen Henry Storch als Inspirationsquelle. „Der Laden war total innovativ. Club und Label haben unendlich viel Kreativität nach Düsseldorf gebracht und die gesamte Musikszene geprägt“, schwärmt er. Das erste Gato-Preto-Album „Tempo“ erscheint dann auch folgerichtig auf Storchs Düsseldorfer Plattenlabel Unique Records.

Ein weiterer Einfluss ist Carmens Jugend in Lissabon. „Wir standen damals alle auf ‚Kuduro‘, elektronische angolanische Musik. Dazu kommen noch Hip-Hop, Soul und Clubmusik, alles Genres, die bei Gato Preto einfließen“, so Carmen Brown. Dazu fällt immer wieder das Stichwort „Afrofuturistic“. Was hat es damit auf sich? „‚Afrofuturistic‘ ist eine Bewegung, der große Künstler wie George Clinton, Sun Ra, Lee Scratch Perry und der Wu Tan Clan angehörten. Es geht dabei um Freaksound, verrückte Outfits, aber auch eine politische Botschaft und afrikanische Wurzeln. Wir haben Afrofuturistic für uns neu interpretiert, unsere afrikanischen Einflüsse sozusagen futuristisch weiterentwickelt“, erzählt Lee. 

Gato Preto verkörpert damit ein modernes und außergewöhnliches Konzept, das definitiv den Nerv der Zeit trifft – und zwar nicht nur in Europa. Die Band ist weltweit unterwegs, spielte auf Kuba, dem „Nyege Nyege“-Festival in Uganda, in Südafrika, Kenia, den USA und in Osteuropa. „Wir sind sehr catchy und international. Viele unserer Fans denken, dass wir aus New York oder aus Afrika kommen“, lacht Carmen. Ein Gato-Preto-Auftritt bedeutet verrückte Outfits, Visuals, dazu Tänzerinnen und ein Percussionist aus dem Senegal „und meine Texte, die sehr sozialkritisch im afrofuturistischen Stil sind“, erklärt Carmen.

„Es ist unglaublich, aber wahr: Wir spielen im Sommer in Glastonbury.“

Die extravaganten Bühnenshows begeistern dementsprechend immer mehr Fans weltweit. Ganz besonders begeistert war die Band von der Stimmung der Fans in Osteuropa und ihrem bisher größten Auftritt in Havanna, Kuba, vor knapp 15.000 Zuschauern. Was kann da noch kommen? „Es ist unglaublich, aber wahr: Wir spielen im Sommer in Glastonbury“, sagt sich Lee Bass. „Außerdem werden wir in diesem Jahr unser Album für die Grammy-Nominierung einreichen. Es wäre ein Traum, tatsächlich den Grammy in der Kategorie World Music zu bekommen“, so Lee Bass. 

Bei all ihrem Erfolg bleibt die Band trotzdem down to earth – und steht weiterhin zu ihrer Heimatstadt Düsseldorf. „Letztes Jahr haben wir den Kulturpreis bekommen. Die Stadt ist uns sehr wichtig, denn hier haben wir unsere Basis“, freut sich Carmen. Daher wird die Band neben vielen internationalen Auftritten in diesem Jahr auch zweimal in Düsseldorf spielen. Im September kommt dann das neue Album heraus, jetzt erstmals auf einem großen internationalen Label. „Wir freuen uns auf alle, die Lust haben, sich auf Gato Preto einzulassen. Hauptsache, die Leute tanzen! Wer Bock auf pure Energie hat, ist bei uns garantiert richtig“, sagt sich Lee Bass.  

www.gatopretomusic.com

Die nächsten Termine:

4. Mai im KIT

18. Oktober im Zakk

 

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