A New Beauty Era


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 3/2019

Text: Britt Wandhöfer

Dr. Barbara Sturm startete ihre Karriere als Orthopädin. Mittlerweile leitet sie ihr eigenes Beauty-Imperium mit circa 60 Angestellten. Die hochwertigen Skincare-Produkte, die ihren Namen tragen, haben eine weltweite Fangemeinde. Auf der Königsallee hat sie, direkt über Bulgari, auf 650 Quadratmetern eine Boutique mit Spa eröffnet. KÖNIGSALLEE hat die Unternehmerin zum Interview getroffen.

Am Eingang weist nur ein dezentes Schild darauf hin, was einen oben erwartet. Steht man aber in den Räumlichkeiten einer Mischung aus James-Bond-Kulisse, Frank Lloyd Wright Momentum und Palm-Springs-Charme kann man erahnen, dass es hier um etwas Größeres geht. „Ich mache immer genau das, was alle anderen nicht machen, und damit fahre ich seit Jahren sehr gut“, sagt Dr. Barbara Sturm, als wir sie zum Interview treffen. Ihr Erfolg gibt ihr recht. Nach ihrem Medizinstudium arbeitete Sturm einige Jahre unter Professor Peter Wehling im Zentrum für molekulare Orthopädie auf der Königsallee. Schon damals hatte Sturm ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Orthopädie um die Wirkung körpereigener Proteine in den kosmetischen Bereich übertragen. Schnell entwickelte sie aufgrund ihrer Erfahrungen eigene Unterspritzungstechniken. 2006 war das Thema ästhetische Gesichtsbehandlungen noch eine Nische. Ihre Kundinnen fragten Sturm damals, welche Gesichtspflege sie empfehlen würde. Da Sturm sich privat schon seit einigen Jahren mithilfe ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse ihre eigene Creme anrührte, entschloss sie sich, eine molekulare Pflegeserie ohne Mineralöle und Duftstoffe auf den Markt zu bringen.

 

Das ist jetzt zehn Jahre her. Seitdem hat sich viel getan. Ihre Produkte sind weltweit in über 300 Läden erhältlich. Luxusretailer wie Bergdorf Goodman, Neiman Markus, Lodenfrey oder Aldo Coppola gehören zu ihren Partnern. Beim Luxus-Onlinestore Net-A-Porter ist die Marke „Dr. Barbara Sturm“ eine der erfolgreichsten Beauty-Brands. Unzählige Models und Celebrities benutzen ihre Cremes und Anwendungen. Sturm gehört mittlerweile selbst zur internationalen High Society und ist auf den roten Teppichen dieser Welt zu Hause. Wahrscheinlich funktioniert ihre Marke auch deshalb so gut. Auf ihrem Instagram Account postet sie fast täglich Videos und zeigt, wie sie ihre Produkte selber anwendet. Ihre Palette ist vielseitig: Gesichtscreme, Sonnencreme, Masken, Primer oder hochdosierte Seren, wie das Super Anti-Aging oder die Glow Drops. „Ich werde von vielen Leuten über die unterschiedlichsten Kanäle angefragt: Wo kann ich Ihre Anwendungen buchen, wo Ihre Produkte kaufen?“, erzählt Sturm beim Gang durch die Räumlichkeiten auf der Königsallee. 

In New York wird Dr. Sturm auf der Straße erkannt. Vor einigen Monaten eröffnete sie ihren ersten Flagship Store in Manhattan. Bereits in Planung sind weitere Boutique & Spa-Konzepte in London und Los Angeles. Ihr Bruder Tobias Freytag hat den New Yorker Store gebaut und konzipiert. Der Architekt wird auch für alle weiteren Beauty & Spa-Projekte des Sturm-Imperiums verantwortlich sein.

Familie ist der 47-jährigen Unternehmerin wichtig. Ihr Vater Horst, ebenfalls Architekt, ist oft an ihrer Seite und spielt auch mal den Kameramann für ihre Instagram-Videos. Ihr älterer Bruder Ecki verantwortet die Finanzen des Unternehmens, ihre Tochter Charly begleitet ihre Mutter auf wichtige Events, testet ihre Produkte und steht ihr beratend zur Seite. Selbst ihre fünfjährige Tochter Pepper weiß, wie wichtig die richtige Hautpflege ist, und zeigt uns beim Interview, wie man die Creme aus der Baby & Kids-Serie richtig anwendet. Peppers Vater und Sturms Ehemann ist der amerikanische Anwalt Adam Waldman. Zu seinen Klienten gehören unter anderem Johnny Depp und Cher. Sturm und Waldman verreisen viel, denn ihre Unternehmen sind international tätig. Auch wenn die studierte Medizinerin nur wenig Zeit in Düsseldorf verbringt, es bleibt ihre Homebase. „Hier sitzen die Menschen, mit denen ich das alles aufgebaut habe. Ich habe größten Respekt vor ihnen, da sie viel zum Erfolg der Brand beigetragen haben. Außerdem ist die Kö für mich die beste Shoppingmeile des Landes, ich würde sagen, die deutsche Champs-Élysées.“

 

„Ich mache immer genau das, was alle anderen nicht machen, und damit fahre ich seit Jahren sehr gut.“

Weil ihre Mitarbeiterzahl stetig wächst, hat Sturm, gemeinsam mit ihrem Bruder, schon länger nach einer geeigneten Immobilie gesucht. Alle Düsseldorfer Mitarbeiter sollten unter einem Dach Platz finden. Mit dem Gebäudekomplex auf der Königsallee wurde dieses Ziel verwirklicht. 650 Quadratmeter umfasst die komplette Einheit. Freytag hat alles konzipiert und geplant, die Büroräume wurden von dem Düsseldorfer Unternehmen Citizen Office eingerichtet. Der Hauptraum, mit einem fantastischen Blick über die Königsallee, wirkt mit seiner hohen Decke und der monumentalen Holzkonstruktion wie ein Tempel. In der Mitte des Raums thronen die Beauty-Produkte und verleihen der Brand ein sakrales Antlitz. „Ich finde es cool, mein Sturm-Lab hier zu haben, für die Düsseldorfer, aber natürlich auch für die internationalen Touristen. Hier können die Gäste die Produkte ausprobieren, werden beraten und es gibt ein Spa für Behandlungen. Ich nehme hier noch eine international renommierte ästhetische Klinik für Infusions-Treatments mit rein. Das gesamte Projekt soll mehr internationales Flair nach Düsseldorf bringen, das fehlt hier noch ein bisschen“, findet Sturm. 

 

Ihr Name ziert all ihre Produkte, sie jettet um die Welt und hat eine Mission:
ihre Marke noch erfolgreicher machen und die Menschen davon überzeugen, dass ihre Produkte im Bereich Skincare das Nonplusultra sind. „Meine Klientel sind Frauen, die genau wissen möchten, womit sie ihre Haut tagtäglich behandeln. Früher hat der Kunde ins Regal gegriffen, Hauptsache ein großer Name stand drauf, auf die Inhaltsstoffe hat niemand geschaut. Aber heute ist Skincare echte Wissenschaft. Die Lady von heute hat einen gewissen Anspruch, sie will wissen, was in ihrer Creme drin ist.“ 

 

Ihr Unternehmen wächst stetig, ihre Hauptmärkte sind die USA, Großbritannien und Deutschland, in Russland, Australien und Asien sind weitere Launches geplant. Wohin die Reise ihres Unternehmens geht, weiß Sturm nicht. „Ich mache keine 5-Jahres-Pläne, dafür habe ich keine Zeit“, sagt sie. Ihre Entscheidungen trifft sie meist spontan, eine Melange aus Pragmatismus, Passion und Perfektion. Damit hat sie einen Vorteil gegenüber großen Skincare-Konzernen, denn „die folgen Trends und Regeln, die folgen einem Businessplan und einer Marketing-Strategie. Ich habe so was nicht, ich folge meinem Bauchgefühl, alles wird mit Leidenschaft gemacht. Ich bin sehr flexibel in meinem Denken und Tun und kann mich dem Markt und dem Konsumenten anpassen. Ich weiß, das ist nicht immer einfach für meine Mitarbeiter“, aber die wissen nach jahrelanger Zusammenarbeit genau, was Sturm möchte, auch wenn sie nur drei Wörter per WhatsApp aus Moskau schickt.

 

„Ich bin jetzt an einem Moment, wo ich denke: Wow, es läuft‘. Aber ich bekomme jetzt keinen Höhenflug, weil ich weiß, dass das morgen auch alles schon wieder ganz anders aussehen kann. Man muss jeden Tag aufs Neue sein Bestes geben, wenn man einen Fehler macht, kann das alles ganz schnell vorbei sein.“

 

Auch wenn das Smartphone ständig klingelt und vibriert, Sturm wirkt nicht gestresst. Zur Entspannung gönnt sie sich Massagen, spielt Memory mit ihrer kleinen Tochter und macht einen Spaziergang entlang des Kö-Grabens. „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist“, sagt Sturm bei unserer Verabschiedung. „Weitermachen und an den nächsten Zielen arbeiten.“ •

 

www.molecular-cosmetics.de

DR. Barbara Sturm 

Geburtstag: 04.03.1972

Studium: Medizin und Sport 

Doktorarbeit Fachbereich Orthopädie: Schäden am Bewegungsapparat bei Profiskiläufern 

2000–2006: Orthopädin Zen-trum für molekulare Orthopädie auf der Königsallee

2006 bis heute: eigene Praxis auf der Kö

2008 bis heute: Beauty-Brand Dr. Barbara Sturm

2014: Pflegelinie Dr. Barbara Sturm Molecular Cosmetic

2019: Eröffnung Flagship Store und Spa in New York und Düsseldorf

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