Unten wird's bunt

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 1/2017

Die besten Schätze finden sich unter der Erde. An Orten, die kaum ein Mensch zu Gesicht bekommt. Die stillgelegte Fußgängerpassage unter dem Worringer Platz ist so ein Ort: erst besprüht, dann vergessen.

Nackter Beton, karge Fassaden, die Anonymität der Stadt – die Graffitiszene sprüht dagegen an. Auf Zügen, an Bahnsteigen und Häuserwänden. Im öffentlichen Raum also. Dort, wo das Leben spielt. Auch Düsseldorf wurde in den frühen 90er-Jahren so zur urbanen Leinwand. Wer sich aber einmal unter die Erde wagt, entdeckt sie auch hier: großflächige „Pieces“, die sich auflehnen gegen das städtische Einheitsgrau.

graffiti

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Eine wahre Fundgrube für unterirdische Sprayerkunst ist die Unterführung am Worringer Platz. Das wollen wir sehen! Also lassen wir den schmucklosen Platz mit seinem Lärm von Autos und Straßenbahnen hinter uns – und gelangen über einen Luftschacht, der auf der Terrasse eines Eiscafés eingelassen ist, in ein Labyrinth aus Gängen. Hinein in eine andere Zeit. Hier sind die Wände gespickt mit großflächigen Graffiti-Kunstwerken aus den 90ern.

Kaum ein Quadratzentimeter, der nicht besprüht wurde. Auch alte Schaltanlagen und Sicherungskästen lassen erahnen, dass dieser Ort einmal gut besucht war. Fußgängerscharen haben ihn genutzt, um den Verkehrsknotenpunkt Worringer Platz zu umgehen. 1993 wurde die Unterführung zu einem Treffpunkt für Sprayer, darunter auch bekannte Größen aus der Szene. 1994 dann das Ende: Die Passage wurde stillgelegt. Was bleibt, gut 23 Jahre später? Das Wissen, dass dort unten ein Schatz verborgen liegt. Und ein paar Bilder davon, die Sie hier in Händen halten.

graffiti

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Text: Elena Winter

Fotos: C. Göttert, Düsseldorf Tourismus GmbH

 

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