Thomas Rath: "Ich vertraue auf meine Intuition"


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 2/2017

Der Wahl-Düsseldorfer Thomas Rath ist einer der bekanntesten deutschen Modedesigner. Mit viel Herz und harter Arbeit hat er innerhalb weniger Jahre ein kleines Imperium geschaffen. Und ist dabei am Boden geblieben.

Modedesigner und Unternehmer: Thomas Rath lässt sich nicht einfach in eine Schublade stecken. Er ist ein Energiepaket, Perfektionist und Ästhet – mit der Mission, die Welt ein Stück schöner zu machen. Zwei Jahre lang saß Rath in der Jury von Germany’s Next Topmodel und wurde durch seine herzliche Art über Nacht berühmt. Noch heute steht er wöchentlich vor der Kamera, beim Shoppingsender QVC im Düsseldorfer Hafen, wo er sehr erfolgreich seine günstige Zweitlinie THOM by Thomas Rath an die Frau bringt. Mit Herz auf der Zunge.

Während andere Modeschöpfer bei Teleshopping die Nase rümpfen würden, hat Thomas Rath damit kein Problem, ganz im Gegenteil: „Ich mache Mode für Millionäre — und für Millionen, die ich für ein normales Portemonnaie gut, sportlich und schön anziehen möchte“, sagt der Unternehmer. In „Rath“ kleiden kann man sich mittlerweile von Kopf bis Fuß. Neben seiner High-End-Kollektion Semi-Couture entwirft Thomas Rath auch Herrenmode, lancierte vor zwei Jahren eine Hosenkollektion, und designt seit Neuestem sein eigenes Erkennungszeichen: Hüte. Raths kreatives Schaffen geht aber längst über Mode hinaus: Das sympathische Multitalent entwirft Nagellacke ebenso wie Luxusboote und in Zusammenarbeit mit KLAPP Cosmetics eine eigene Hautpflegelinie mit Anti-Aging-Effekt.

Rath ist Autodidakt. Ohne je eine Schneiderlehre absolviert oder eine Modeschule besucht zu haben, hat er sich an die Spitze der deutschen Modeindustrie gearbeitet. Bereits mit 19 Jahren fing er als Assistent bei dem Modelabel Basler an, wechselte anschließend zu Jil Sander und arbeitete als Chefdesigner bei internationalen Modemarken wie Windsor, Mulberry, Kathleen Madden und Escada. „Ich habe unglaublich viele tolle Firmen kennenlernen dürfen – und überall gelernt! Den Weg in die Selbstständigkeit habe ich mir aber erst mit 40 gegönnt“, sagt der gebürtige Kölner 2010 fühlte er sich schließlich emotional und finanziell stark genug, ein eigenes Label zu gründen. Als Designer brauche man Talent, man müsse mit dem Medium Stoff umgehen können. Aber erst Erfahrung zeige, was wann gut ist. Sein aktueller Erfolg gibt ihm Recht. Ein Erfolg, der auf jahrelanger harter Arbeit beruht und der einem einfachen Rezept folgt: „Ich versuche, durch meine Erfahrung ganz wenig Fehler zu machen und immer bodenständig zu bleiben. Ich vertraue auf meine Intuition und liege gut damit“, so Rath.

Geboren wurde Thomas Rath 1965 als Kind einer sehr bodenständigen Familie: Vater, Großvater und Urgroßvater Rath führten eine Wurstfabrik in Köln. „Meine Familie war sehr modisch. Man könnte sogar sagen: Sie waren die attraktivsten Fleischer Deutschlands“, scherzt Rath. Schon als Kind wusste er, dass er Modedesigner werden wollte, und verfolgte seinen Traum mit größter Passion. Dass er eines Tages in Düsseldorf arbeiten wollte, war ihm früh klar: Bereits in jungen Jahren fuhr Thomas Rath gemeinsam mit seiner eleganten Großmutter, die stets Chanel-Kostüme trug, jede Woche auf die Königsallee: „Schon damals habe ich gelernt: Für Düsseldorf macht man sich schick!“, sagt Rath. Zu seinen Vorbildern zählten die Designerin Coco Chanel und Hollywoodstars wie Sophia Loren, Marilyn Monroe und Audrey Hepburn. Und noch heute sind alte Hollywoodfilme Inspirationsquelle für seine Kollektionen. Obwohl er selbst Stilikonen wie Claudia Schiffer und Jessica Parker eingekleidet hat, sieht sich Rath nicht als Promi-Stylist. Ihn interessiere die ganz normale Frau, sagt er.

Seine Kleidung ist farbenfroh und optimistisch, sie lebt vom Mustermix, vielen liebevollen Details und einer perfekten Passform. „Wir nehmen uns Zeit, ein Kleidungsstück zu entwickeln. Wir leben und arbeiten nicht nach Schnelligkeit, sondern nach Perfektionismus“, erklärt Rath. Heute arbeitet er mit den gleichen Stoffen wie sein Vorbild Chanel und legt sehr viel Wert auf schöne Innenfutter, elegante Schnitte und feine Dessins wie Polka-Dots. Seine Kollektionen definieren sich stark über das Kleid, aber auch über elegante Blazer und feine Mäntel. Rath erklärt: „Viele Kundinnen wollen nicht Mode kaufen wie ein Stück Käse. Sie kaufen weniger, aber dafür wertig. Wir stehen für elegante Lässigkeit, die immer angezogen ist und nie nachlässig. Und vor allem nie extrem!“ Extrem ist auch das Leben eines Thomas Rath nicht. Er ist kein Partylöwe, ernährt sich gesund und macht viel Sport: „Ich bin kein Mensch, der exzessiv lebt! Ich versuche ein ausgewogenes Leben zu führen.“ Als Frühaufsteher braucht er morgens erst einmal „Leberwurstbrot und Kaffee“, bevor er seine Mails überprüft und dann in sein Atelier nach Oberkassel fährt – wo schon Gespräche, Skizzen und Anproben auf ihn warten.

Halt findet er bei seinem Mann Sandro, dem „kaufmännischen Motor“ der Fashion- und Lifestylemarke Thomas Rath. Seit drei Jahren reisen die beiden gemeinsam auf dem Kreuzfahrtschiff MS Europa um die Welt und präsentieren dort ihre Mode. Kraft tankt Thomas Rath auch an seinem Rückzugsort Mallorca, wo er immer mehr Zeit verbringt und kürzlich auch einen Store eröffnet hat. Am liebsten ist er aber zu Hause in der Rheinstadt: „Düsseldorf ist eine ausgesprochen schöne, ästhetische Stadt. Sie steht seit jeher für Geschmack und gutes Aussehen, für Glamour und einen gewissen Lebensstil“, sagt Rath. „Es ist schön, am Rhein zu spazieren. Wir haben hier die tollsten Geschäfte, schöne Hotels und Restaurants. Und wir haben sehr zufriedene Einwohner – das fühlt man einfach.“ Für ihn ist Düsseldorf auch die Modestadt Nummer eins: Hier sind die Showrooms zu Hause und hier ist sein Atelier direkt am Rhein, hier werde „Fashion-Business“ gemacht. Und hier kauft Thomas Rath auch gerne selbst ein, in kleinen, unabhängigen Geschäften mit Charakter: „Das Internet ist nett, man kann rund um die Uhr einkaufen – aber wer sagt einem, dass es auch gut aussieht? Der Schnelllebigkeit der Mode setze ich guten Geschmack entgegen – denn es gibt sehr viel Scheußlichkeit da draußen.“

www.thomas-rath.com

Text: Karolina Landowski

Fotos: Andreas Endermann

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