Düsseldorf feiert den Petit Départ

Foto: Gstettenbauer


Kleine Helden der Tour: Ein Gastbeitrag von Pascal Heithorn, Leiter des Sportamts der Stadt Düsseldorf

Der Grand Départ hat Düsseldorf gepackt. Selten habe ich so viele Gespräche über die Tour de France geführt wie in den vergangenen Tagen und Wochen. Und wenn, dann war ich zu Besuch in Belgien. Jetzt wurde im Startbereich an der Rotterdamer Straße über die Bedeutung des gelben Trikots gefachsimpelt, auf der Kö die Leidensfähigkeit der Radsportprofis bewundert und trotz strömenden Regens allerorts nicht nur die Heroen der Landstraße, sondern auch das Event an sich gefeiert. Es sind schöne Erinnerungen, die lange im Gedächtnis bleiben werden. Zu den schönsten gehören für mich die an die kleinsten Teilnehmer des Grand Départ. Und ich bin mir sicher: Auch für sie wird es ein unvergessliches Erlebnis bleiben.

Foto: Gstettenbauer

Einmal die abgesperrte Rotterdamer Straße hinaufjagen, einmal von Menschenmassen wie hinauf zum legendären Alpe d’Huez angefeuert werden, einmal auf dem Siegertreppchen der Tour de France stehen: Für 78 Kinder des Pétit Départ wurde dieser Traum am 1. Juli 2017 Wirklichkeit. Beim Abschlussfoto durften sich die 8- bis 12-jährigen alle wie strahlende Gewinner fühlen.

Foto: Tschurer

Und dies ist nur eine von zahlreichen schönen Geschichten, die der Grand Départ 2017 in Düsseldorf hervorgebracht hat. Aufgrund des Namens war der Pétit Départ mit insgesamt über 450 Teilnehmern mehr im Fokus als z.B. das Festival du Tour, Rollendes Kibaz oder auch der Special Pétit Départ. Doch überall hat der Sport im Allgemeinen und der Radsport im Speziellen ein Lächeln auf Kindergesichter gezaubert.

Überall war Sport unmittelbar erlebbar, standen die Kinder im Vordergrund und war das Erlebnis kostenlos. Hemmschwellen gab es keine. Das ist gelebte Inklusion. Der Special Pétit Départ war hingegen ein Angebot speziell für Kinder mit Handicap. Auch er stieß auf großartige Resonanz. 174 Kinder traten in die Pedale, zeigten ihre Geschwindigkeit, rasten beim Sprinttest und beim 400m Zeitfahren über die Tartanbahn.


Foto: Schaffmeister

Dabei gingen im idyllischen Ambiente des Rather Waldstadions nicht nur Schülerinnen und Schüler mit Fahrrädern auf die Piste, sondern gleichermaßen auch mit E-Rollstühlen, Rollstühlen und Tandems. Der Landesverband Special Olympics NRW stellte drei Motorikstationen zur Verfügung, an denen Freude an der Bewegung und den Sinneserfahrungen des eigenen Körpers vermittelt wurden. Dinge, die an diesem Tag viel wichtiger waren als das Gewinnen. Das gemeinschaftliche Bewegen, das gemeinsame Erleben und die allgemeine Wertschätzung: Darauf kam es an und das wird in den Köpfen der Kinder bleiben.

Begeisterung überall

Ein weiterer Höhepunkt beim Grand Départ: Der direkte Kontakt der Finalteilnehmer des Pétit Départ mit Stars der Radsport-Szene wie Marcel Kittel. Ich selbst kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, als kleiner Junge den fünffachen Toursieger Bernhard Hinault bei einem so genannten Dernyrennen zu erleben. Nach dem Rennen nahm Hinault sich ewig Zeit, um uns Kids Autogramme zu geben. Erinnerungen, die sofort wieder hochkamen als ich den Ex-Weltmeister in Düsseldorf jetzt wiedertraf und die mich mehr berührt haben, als jede im Fernsehen verfolgte, spektakuläre Bergankunft der vergangenen Jahrzehnte.

Auch das Festival du Tour war beim Grand Départ ein voller Erfolg. Über 2.000 Kinder nahmen am kleinen Bruder des beliebten Olympic Adventure Camps des Sportamts teil und übten sich neben klassischen Sportarten z.B. auch auf einer Pumptrackstrecke. Dabei bewegt man sich auf einem Roller, Inlineskates oder auch dem Fahrrad nur durch Verlagerungen des Körpergewichts vorwärts. Die dafür angemietete Strecke kam zuvor auch schon in Mörsenbroich an der Sankt-Franziskus-Straße zum Einsatz. Die Resonanz spricht dafür, dies im Rahmen einer geplanten Multifunktionalen Sportfläche an gleicher Stelle 2018 als dauerhafte Strecke zu bauen.


Foto: Schaffmeister

Wie groß die Beliebtheit des Radsports unter Kindern ist, untermauert auch noch eine andere Zahl: 565 Teilnehmer zählte der SFD beim Rollenden Kibaz (Kibaz = Kinder Bewegungsabzeichen). Dabei schulten Kita-Kinder ihr Tempo- und Bewegungsgefühl auf insgesamt 10 Stationen. Bei vergleichbaren Veranstaltungen liegen die Teilnehmerzahlen eher im zweistelligen Bereich. Den absoluten Kibaz-Rekord hielt bislang auch der SFD mit ca. 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. In Düsseldorf konnten aus Kapazitätsgründen noch nicht einmal alle Anmeldungen berücksichtigt werden. Von daher ist es gut, dass das Konzept auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist und theoretisch an jeder Kita umgesetzt werden kann.

Schließlich wünsche ich mir, dass aus meinen kleinen Tour Helden irgendwann auch einmal große Helden der Landstraße werden.

Ihr Pascal Heithorn

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