Die Liebe zur Mechanik


Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 3/2017

Ein Gespräch über die Faszination von Uhren

Nicole Blome-Hardorp (Blome), Heinz-Theo Durst (Wempe) und Michael Diefenbach (Rüschenbeck) arbeiten auf der Königsallee im hochpreisigen Uhrenhandel. Bei ihrem Treffen im September im Businessclub des InterContinental Düsseldorf haben sie über ihre Branche und ihre Kunden gesprochen. Und über den Wert der Beständigkeit.

Uhren sind Ihr Beruf. Welches Modell tragen Sie heute selbst am Handgelenk?

Blome: Ich trage eher Herrenuhren, also ziemlich große Modelle. Zurzeit bevorzuge ich Roségold. Gerne auch Edelstahl. Das Zifferblatt dieser Uhr ist aus Perlmutt gefertigt, dadurch wird sie zum Unikat.

Durst: Ich liebe eher kleine Uhren. Die, die ich heute trage, wurde bei Wempe in Glashütte in Sachsen hergestellt – zum diesjährigen 40-jährigen Jubiläum der Düsseldorfer Niederlassung. Die Auflage ist limitiert, es gibt nur 40 Exemplare. Die Uhr passt gut zu meiner Arbeit, zu meinem Beruf und zu der Stadt, die ich lieb gewonnen habe.

Diefenbach: Ich trage heute eine sportive Uhr. Mir war es wichtig, ein Modell auszuwählen, das mich jeden Tag begleitet, das robust ist, das man zu Jeans, aber auch zum Anzug tragen kann. Ich liebe es, wenn eine Uhr viele Funktionen, wir nennen das Komplikationen, aufweist. Diese hier zeigt zusätzlich zur mitteleuropäischen noch eine zweite Zeitzone an.

Sie handeln mit Uhren im Luxussegment. Wer sind Ihre Kunden? 

Diefenbach: Viele unserer Kunden sind Touristen und Messebesucher. Von ihnen profitieren wir in Düsseldorf sicher alle, aber am wichtigsten ist uns der lokale Kunde, der in Düsseldorf und den umliegenden Ortschaften lebt. 

Durst: Ja, die meisten Kunden kommen aus Düsseldorf und Umgebung. Sie machen den Hauptanteil unserer Kundschaft aus. Früher gab es Händler, die sich auf eine bestimmte Zielgruppe von Touristen konzentriert haben. Diese Händler konnten sich aber nicht lange halten. 

Wie wichtig ist Beratung in Ihrer Branche?

Durst: Sie ist das A und O! Der deutsche und europäische Kunde möchte beraten werden. 

Blome: Wenn ein Kunde heute in das Geschäft kommt, hat er sich in aller Regel vorab informiert. Er hat ein, zwei Marken im Kopf. Oder ein bestimmtes Modell, das er sich anschauen möchte. Am wichtigsten ist eine ehrliche Beratung. Der Kunde soll den Laden mit einer Uhr verlassen, die wirklich zu ihm passt. Meistens ist es übrigens so, dass die Uhr, die ich als erste heraushole, auch die ist, die ich am Ende verkaufe.

Durst: Wir sind noch klassischer Einzelhandel. Es ist sehr wichtig, dass man ein breites Sortiment anbieten kann. Der Kunde möchte die Ware sofort haben. Das Hier und Jetzt wird also immer wichtiger. Viele Kunden haben schon eine spezielle Vorstellung. Im Beratungsgespräch stellt der Verkäufer bei uns dann oft fest, dass die erste Uhr, die sich der Kunde ausgesucht hat, nicht den Anforderungen entspricht. Hier findet nur der Berater heraus, welche Uhr der Kunde wirklich wünscht.

Gibt es tatsächlich Kunden, die eine 100.000-Euro-Uhr im Netz kaufen?

Blome: Nein, Rolex oder Patek Philippe kauft man schon nach wie vor im Geschäft. Wenn ich mir jetzt zum Beispiel eine sehr teure Handtasche kaufen möchte, würde ich auch ins Geschäft gehen. Eine für 800 Euro hingegen würde ich durchaus online bestellen. 

 

Sind Uhrenkollektionen eigentlich wie Modekollektionen ständig wechselnden Trends
ausgesetzt?

Durst: Nein, das Eingehen auf kurzfristige Trends ist in der Uhrmacherei nicht möglich. Sollte es auch nicht sein. Bei den Kaufpreisen erst recht nicht! Die einzige Möglichkeit, Trends aufzunehmen, gibt es bei den Lederarmbändern. Sie können ausgetauscht und entsprechend der Farbe des Outfits angepasst werden. 

Diefenbach: In unserer Branche ist vielmehr Beständigkeit gefragt. Eine Uhr soll natürlich nicht in zwei Jahren schon wieder ein Auslaufmodell sein. 

In Zeiten von Smartphone & Co. dürfte die Uhr als reines Zeitmessinstrument an ­Bedeutung verloren haben. Was macht ihre Faszination heute aus?

Durst: Beim Uhrmacherhandwerk geht es um die Liebe zur Mechanik. Darum, dass man auf kleinstem Raum viel unterbringen kann. Mechanische Uhren gibt es seit dem 14. Jahrhundert. Sie zu besitzen, war lange Zeit ein Privileg des Adels und der Kirche. Uhren passen eigentlich nicht in unsere heutige Zeit. Aber genau das macht ihre Faszination aus. 

Die Schweiz gilt nach wie vor als das Uhr­macherland schlechthin. Wo werden davon abgesehen hochwertige Uhren gefertigt?

Durst: Neben der Schweiz und Besançon in Frankreich spielt natürlich das sächsische Glashütte eine wichtige Rolle. Es gilt als Zentrum der deutschen Uhrenindustrie und auch wir produzieren hier seit 2006 unsere eigenen Uhren. Die Regionen, in denen hochwertige Uhren produziert werden, haben übrigens etwas gemeinsam: Sowohl im Schweizer Vallée de Joux, dem Tal der Uhren, als auch in Glashütte herrscht absolute Ruhe. Da ist nichts außer schöner Landschaft. An solchen Orten kann so etwas Schönes wie eine Uhr entstehen.

Für Uhren gibt es eine ausgeprägte Sammlerkultur. Wie darf man sich den klassischen Uhrensammler vorstellen?

Durst: Den klassischen Uhrensammler gibt es nicht.
Aber es sind auf jeden Fall eher Männer, die mechanische Uhren sammeln. Einer unserer Kunden beispielsweise interessiert sich ausschließlich für Modelle, die in Sachsen gefertigt wurden. Weil er selbst Sachse ist.

Blome: Es gibt aber auch Sammler, die eher auf Wertsteigerung aus sind. Die Uhren sammeln wie andere Kunst. Wenn zum Beispiel eine Uhr aus dem Sortiment genommen wurde, versuchen sie, genau die noch irgendwo zu bekommen.

Diefenbach: Ich würde gar nicht von Sammlern sprechen. Eher von Fans, die sich auf eine bestimmte Marke spezialisieren. Bei Patek Philippe beispielsweise muss der Kunde manchmal zwei, drei Jahre auf eine bestellte Uhr warten. Das macht das Ganze für ihn noch interessanter.

Wo gehen Sie selbst auf der Kö gerne einkaufen?

Diefenbach: Ich bin viel am Kö-Bogen unterwegs, weil wir mit Rüschenbeck dort ansässig sind. Das Niveau der kompletten Kö gefällt mir sehr gut, das Angebot ist abwechslungsreich. Ich bin noch relativ neu in der Stadt und freue mich darauf, vieles noch kennenzulernen. 

Blome: Ich schaue regelmäßig bei Franzen vorbei, weil ich mir gerne Gäste zum Essen einlade und dabei auch viel Wert auf Tischdekoration lege. Neben einem abwechslungsreichen Einzelhandelsangebot ist es mir auch sehr wichtig, dass gute Gastronomie auf der Kö ist. Dass man hierher kommt, um essen zu gehen. So ein „Borchardt“ wie in Berlin könnten wir zum Beispiel gut gebrauchen.

Durst: Ich gehe oft über die Kö und suche da das Gespräch. Mit meinem Orthopäden zum Beispiel, der seine Praxis hier hat. Düsseldorf hat mich aufgenommen. Dabei bin ich Kölner. Meine Liebe gilt zwar der Domstadt. Aber in der zweiten Herzkammer ist reichlich Platz für Düsseldorf. Und die Kö macht einfach Spaß.•

 

Im Gespräch:

Nicole Blome-Hardorp (43) schloss eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau ab und sammelte im Anschluss internationale Erfahrungen im Luxussegment in New York, Lausanne und San Francisco. Seit 2005 ist sie Teil der vierköpfigen Geschäftsführung von Blome.

Nach seiner Ausbildung zum Handelsassistenten absolvierte Michael Diefenbach (31) ein duales Studium mit Schwerpunkt Handelsmanagement. Seit März 2017 ist er Geschäftsführer des Flagship-Stores von Rüschenbeck im Kö-Bogen. 

Heinz-Theo Durst (57) erlernte von 1975 bis 1979 den mittlerweile vom Aussterben bedrohten Beruf des Uhrmachers. Er ist heute Serviceleiter bei Wempe in Düsseldorf und hat 36 Jahre Erfahrung in der Luxusuhren-Branche. 

 

Interview: Alexandra Wehrmann
Fotos: Celine Al-Mosawi

 

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