Der Mann, der Porsche antrieb

 

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 2/2017

Ferdinand und Ferry Porsche, Jacky Ickx und Hans-Joachim Stuck – das einzigartige Image von Porsche ist mit vielen großen Namen verknüpft . Aber kennen Sie Erich Strenger? Dann steigen Sie ein: Mats Kubiak macht Sie in seinem Buch miteinander bekannt – und nimmt Sie mit auf eine Zeitreise, die nicht nur für Porsche-Fans spannend ist.

Wir schreiben das Jahr 1950. Die junge Bundesrepublik kommt gerade auf Wirtschaftswunder-Touren, als sich bei einer Galaveranstaltung in Stuttgart zwei Männer zufällig treffen. Der eine ist Richard von Frankenberg, damals einziger Werbeverantwortlicher bei Porsche. Der andere ist Erich Strenger, selbstständiger Grafiker. Die beiden teilen eine große Leidenschaft für Autos im Allgemeinen – und für die heckgetriebenen Sportwagen von Porsche im Besonderen. Und: Sie begeistern sich für die Idee, diese Marke durch Werbung nach vorn zu bringen. Zwei Männer, ein Wort! Einige Wochen darauf beginnt 1951 die gemeinsame Geschichte von Erich Strenger und Porsche, die bis ins Jahr 1988 andauern soll. In dieser Zeit wird Strenger die Unternehmenskommunikation des Zuffenhausener Sportwagenherstellers maßgeblich vorantreiben und prägen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Denn sogar der markante Porsche- Schriftzug, der – wenn auch in leicht veränderter Form – heute noch auf jedem Porsche-Heck prangt, wurde von ihm entworfen.

In seinem Buch „Erich Strenger – Ein grafischer Bericht“ gibt der Kommunikationsdesigner Mats Kubiak erstmals einen Ein- und Überblick in das Schaffen und die Arbeitsweise des gebürtigen Bad Cannstatters. Angefangen mit den ersten, von Strenger selbst illustrierten Prospekten. Über die unzähligen Rennplakate oder die erste Kundenzeitschrift eines Autoherstellers, den „Christophorus“. Bis hin zu Kalendermotiven und Anzeigen, für die der multitalentierte Strenger oft selbst die Fotos machte. Dabei erhebt die Publikation nicht den Anspruch, ein komplettes Werkverzeichnis zu sein, das vermutlich schwerer als ein 356/Nr. 1 wäre. Vielmehr finden sich auf den 186 Seiten die Meilensteine der Strenger-Porsche-Geschichte, die Mats Kubiak in spannenden Ausschnitten und Collagen zusammengestellt hat.

So atmet das Buch nicht nur legendären Porsche-Spirit mit dem Duft von verbleitem Benzin aus Boxermotoren. Sondern auch jede Menge historischen Zeitgeist. Ja, es gab sie auch bei Porsche, jene Prä-Political-Correctness-Jahrzehnte, in denen Frauen sich als dekoratives Beiwerk auf Hauben räkelten. Und Männer noch Männer waren – Zitat aus einer Werbung: „Männer von Format sind in allen Lebenslagen sicher. Ob im Geschäft oder auf der Party, ob beim Sport oder im Club – stets sind sie Herr der Situation … und diese Männer fahren Porsche.“

Nicht minder reizvoll sind die kurzweiligen Texte des Buches, die einen Einblick in das einzigartige Verhältnis von Erich Strenger und Porsche geben. Neben einigen Wegbegleitern konnte Mats Kubiak auch Strengers Witwe Ursula interviewen, die als ordnende Hand und Organisatorin in der Agentur ihres Mannes alle Projekte begleitet hat und folglich so manche „Insider“-Anekdote beisteuern konnte. Aus heutiger Sicht nahezu unglaublich erscheint die Tatsache, dass Erich Strenger als Externer freien Zugang zu fast allen Bereichen hatte. Brauchte er etwa ein Bild des neuen Turboladers, ging er kurzerhand in die Entwicklungsabteilung und fotografierte ihn.


Text: Axel Abstoß

Abbildungen: Mats Kubiak, Historisches Archiv Porsche AG (98|99|119)

Go back