Konstrukteur mit Charakter

 

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 1/2017 

Das Onlinemagazin THE DORF zeigt die Gesichter von Düsseldorf. Menschen, die der Stadt ein Gesicht geben. Vielfältig und niemals einseitig. Für uns besuchte THE DORF den Inneneinrichter Achim Jasper in seinem Showroom in Düsseldorf-Unterbilk, in dem er gleichzeitig lebt und arbeitet.

Der Weg in Achim Jaspers Reich führt durch einen Hinterhof in Düsseldorf-Unterbilk, über eine schmale Wendeltreppe hoch in die erste Etage. Achim öffnet die schwere Eisentür zu seinem Loft. Und danach ist nichts mehr schwer. Man betritt sein Refugium und es fühlt sich gut an. Irgendwie perfekt, obwohl es hier gar nicht perfekt ist. Vielleicht ist das das Geheimnis.

Achim Jasper Porträt

„Schönheit entsteht, wenn man Funktion mit Qualität bereichert“, so erklärt Achim seine Philosophie. Aber wie ist er dazu gekommen und was macht er genau? Fragt man ihn nach seinem Beruf, fällt das Wort Gestalter, Gestalter für Lebensräume. Achim stellt seinen Kunden nicht nur eine Küche in den Raum, sondern berät sie zum Beispiel auch
dahin gehend, die Wohnküche anstelle des Kinderzimmers im schönsten Raum des Hauses zu platzieren. Die Kunden
sind ihm dankbar für seine ganzheitlichen Ideen bei der Planung und Realisierung ihrer Räume.

Der Düsseldorfer hat sich selber ein ganz individuelles Reich geschaffen. Nur wenn man etwas genauer hinsieht, entdeckt man kleine, dezente Hinweise darauf, dass die Dinge, die man hier sieht, auch käuflich zu erwerben sind. Achims Loft ist Zuhause und Möbelhaus in einem. Obwohl der Begriff „Möbelhaus“ in diesem Fall eine Beleidigung wäre. Achim lebt und arbeitet zwischen den Gegenständen und Objekten, die man bei ihm kaufen kann. Einige stellt er selber her, andere stammen von exklusiven Kooperationspartnern. Da wird sogar die Heizung zum Designobjekt. Die Kanne, in der er einen Kaffee brüht, ist von Tom Dixon und bei ihm genauso erhältlich wie der Tisch, an dem wir unseren Kaffee trinken. Die Idee, in ein Möbelhaus zu gehen, in dem acht Küchen steril nebeneinander stehen und mit Plastikobst dekoriert sind, findet Achim irgendwie befremdlich. Noch befremdlicher wird es dann, wenn der Verkäufer den Kunden fragt, ob er einen Kaffee möchte und in einen kleinen Nebenraum verschwindet, um auf einen Knopf zu drücken.

Achim Jasper Lampen

Achim Jasper Living

 

"Bei der Suche nach Qualität begegne ich der Schönheit."

Achim ist der Überzeugung, dass sich die Qualität der Dinge in ihrem Gebrauch zeigt. Wenn man die Objekte benutzt, spürt man erst, wie hochwertig sie sind. Manchmal sehen sie benutzt noch besser und lebendiger aus. Achim sagt: „Ich liebe Qualität, aber Qualität darf man auf keinen Fall mit Perfektion gleichsetzen. Perfektion hat was Tragisches. Perfektion ist das Ende, dann ist es vorbei, dann ist der Schaffensprozess beendet.“ Der qualitative Schönheitsanspruch hat seine Wurzeln. Aufgewachsen in der Düsseldorfer Altstadt, erinnert sich Achim, wie er als Fünfjähriger mit seinem Vater auf dem Carlsplatz Tomaten kaufte. War auch nur ein Nachtschattengewächs im Körbchen nicht von erlesener Qualität, gab es Ärger für den Markthändler. Qualität zu erkennen hat er von seinem Vater gelernt. Aufgewachsen auf der Flinger Straße, konnte Achim aus seinem Hochbett sehen, wie die Hipster der späten Sechziger, zu denen unter anderem Günter Netzer gehörte, in der Boutique Drugstore shoppen gingen. Dabei ging es Achim nicht um die Klamotten, die Günter und seine Jungs kauften, sondern um die Autos, die sie fuhren. „Das war, als wenn man den ganzen Tag mit dem Raumschiff durchs Weltall donnert. Die fuhren mit Schönheiten wie einem Lamborghini Miura oder einem DeTomaso Pantera vor.“ Von Papa gab es die Qualitätsmaßstäbe. Von Günter die Liebe zu den schönen Dingen.

Achim Jasper Küche Style

Achim Jasper Liege

Gelernt hat Achim zunächst Zahntechnik, direkt im Anschluss machte er eine Ausbildung in einem Bauunternehmen. Es folgten Stationen in einer Bronzegießerei, im Maschinenbau und in einer Zimmerei. „Alles mal ausprobieren und dann gucken, ob es funktioniert. Wenn du entsprechend neugierig bist, findest du alles heraus“, sagt er. Die Liebe zum Metall ist die Konsequenz aus seinen beruflichen Erfahrungen. Bereits Ende der 80er- Jahre hat er seine erste Schlosserei eingerichtet. Stahl ist heute noch ein wesentliches Element seiner Konstruktionen, kombiniert mit Holz. Seine gestalterische Ideologie beschreibt er wie folgt: „Es muss das sein, wonach es aussieht. Es darf nicht vortäuschen, etwas anderes zu sein. Folglich sind Resopalplatten, die aussehen wie Stein oder Holz, ein Tabu. Oder Laminat, das geht gar nicht, das ist ein No-Go. Meine Philosophie: Eine Einrichtung muss funktional sein, use it or lose it.“ Hergestellt werden seine Konstruktionen nur ein Stockwerk tiefer in der hauseigenen Werkstatt. Achim ist in seinem Leben schon viel rumgekommen. Zusammen mit seinem Bruder Roman, dem Inhaber des Restaurants Olio, importierte er schon in den 90er-Jahren Olivenöl aus Italien.

Achim Jasper Design

Auf die Idee, Düsseldorf zu verlassen, kam er nie. Er schätzt seine Heimatstadt aus den unterschiedlichsten Gründen. „Ein wunderbares Argument für Düsseldorf ist die enorme Erreichbarkeit, weil der Flughafen nur zehn Minuten entfernt ist. Mit dem Auto ist man schnell in Holland, Frankreich oder Belgien und es gibt in Düsseldorf nichts, was man nicht kaufen kann. Düsseldorf hat eines der schönsten zugänglichen Flussufer, die ich kenne, man kann hier tatsächlich am Strand liegen. Das hat eine unglaubliche Lebensqualität. Es gibt eine Vielzahl an gastronomischen Möglichkeiten, die hochwertig und bezahlbar sind. Und nicht zuletzt die Kunstakademie und das hohe Maß an präsenter Kunst und Kultur.“

www.jasper-konstruktionen.de

Text: Britt Lörcks, THE DORF

Fotos: Melanie Zanin, THE DORF

 

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