Die Spice Boys

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 1/2017

Drei, die auszogen, das Würzen zu lernen: Die Gründer der Düsseldorfer Firma „Just Spices“ reisten einmal um die Welt, um die besten Aromen zu finden und in coole Dosen zu verpacken. Jetzt gehen ihre Gewürzmischungen wieder auf die Reise – von Düsseldorf in die Kochtöpfe der Welt.

Die Spice Boys Gründer

„Wie so oft waren Frauen im Spiel“, erinnert sich Ole, wenn es darum geht, wie die Idee zum Onlinegewürzhandel „Just Spikes“ geboren wurde. Drei Studienkollegen – Florian Falk, Ole Strohschnieder und Bela Seebach – hatten Damenbesuch in ihrer Dortmunder WG. „Und wir wollten sie mit einem tollen indischen Daal beeindrucken.“ Doch beim Einkaufen der Gewürze stellten sie fest: „Der deutsche Gewürzmarkt ist dröge und langweilig.“ Das wollten sie ändern.

Doch sie beendeten erst einmal brav ihr Studium, arbeiteten als Angestellte in verschiedenen gastronomischen Bereichen – und weil ihnen die Sache einfach nicht aus dem Kopf ging, setzen die drei im Jahr 2012 ihre Vision in die Wirklichkeit um und gründeten ihre eigene kleine Firma: Just Spices. Sogleich stürzten sie sich mit Vollgas in die Sache, entwickelten die Idee bis zur Marktreife, fanden Zulieferer mit hohen Qualitätsansprüchen, kreierten das Design der aromadichten Dosen mit witzigen gezeichneten Charakteren und programmierten den Internetauftritt. Und da war er: der Onlinegewürzshop, der seine User mitnimmt auf eine geschmackvolle Reise um die Welt.

Doch auch das genügte ihnen bald nicht mehr: „Wir dachten, wir müssen noch viel mehr erfahren“, erklärt Ole. Und wo kann man das besser als genau dort, wo die Gewürze ihre Aromen entfalten? In den Kochtöpfen dieser Welt. Die Länder für ihre große „Geschmacksreise“ standen schnell fest: „Italien musste sein – in Deutschland wird so viel italienisch gekocht. Indien bildete den Ursprung unserer Idee, also war auch das gesetzt – außerdem bietet die indische Küche vermutlich die größte Vielfalt an Gewürzen. Mexiko fanden wir vor allem wegen seiner betonten Schärfe in den Gerichten spannend. Und die USA mussten sein, weil die Amerikaner beim Thema Barbecue ganz vorne liegen.

Die Spice Boys Postbox

Dann ging’s an die Detailplanung: vier Länder und drei Kontinente in vier Wochen – ein strammes Programm. Ole lacht: „Ja, erst dachten wir: Nett, da kommen wir mal raus aus dem Büro. Dann war es Stress pur.“ Auf 42.747 Kilometer brachten es die drei bei ihrem Trip. Aber wie kommt man an die echten Rezepte und aromatischen Geheimtipps der Locals?

Der Trick der Jungs: Airbnb. „Wir wollten nicht den Standardkoch im Restaurant befragen, wir wollten die Geheimrezepte der Muttis.“ Also schrieben sie über die Online-Übernachtungsplattform rund 400 Gastgeber an, ob sie bei ihnen wohnen könnten – und ob sie ihnen in die Kochtöpfe schauen dürften. Bei manchen hatten sie direkt Glück, andere antworteten: „Ich kann nicht kochen ..., aber die Mama von XY kann das megagut.“ Oder sie hatten einen anderen Tipp. Die Reise wurde minutiös geplant und organisiert – und es funktionierte.

the spice boys speisen

Von den tausend Erlebnissen auf der Reise hat Ole eines besonders inspiriert: „Das war, als wir mitten im indischen Dschungel Kichererbsencurry gekocht haben.“ Drei Tage lang waren sie Gäste auf einer Pfefferplantage, die ein renommierter Psychologe als Hilfsprojekt für traumatisierte Menschen betreibt. Fernab der Zivilisation, ohne Strom und warmes Wasser. Gekocht wurde mit Gas, in totaler Stille, mit Blick auf den Dschungel. „Unni, einer der Bewohner, hat mit uns gekocht. Das Curry war köstlich. Danach bat Unni uns, etwas Deutsches zu kochen. Wir entschieden uns für Bratkartoffeln mit Spiegelei – eine schöne Erholung nach all den Geschmacksexplosionen.“ Die Reaktion der Leute auf der Lodge? „Da fehlen die Gewürze!“

The spice boys Anbau

„Mehr Würze in der Welt, mehr Pfiff im Leben.“

Während der Weltreise wurde alles dokumentiert und gefilmt. Viele Videos sind auf der Website oder auf YouTube zu sehen. Die ersten 25 Gewürzmischungen entstanden direkt on tour.

Zurück in Deutschland wurde der Partykeller in Florians Düsseldorfer Elternhaus zum Firmenhauptquartier: Gewürzlabor und Fotostudio, Büro und Lager in einem Raum. Als der kalte Keller zu klein wurde, zogen die drei innerhalb Düsseldorfs um in „richtige“ Büro- und Lagerräume mit Tageslicht. Auch für die Firma ging es immer weiter bergauf, das Team wurde vergrößert. Mittlerweile gibt es einen eigenen Produktentwickler, das Sortiment umfasst mehr als 120 Reingewürze – von Oregano über Hibiskusblüte bis Tellicherry-Pfeffer – und mehr als 100 klassische bis kreative Mischungen von „Kokoskuss“ über „Ravioli Gewürz“ bis „Turbo scharfes Gewürz“.

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Ihre Vision von „mehr Würze in der Welt, mehr Pfiff im Leben“ hat sich materialisiert. Just Spices liefert aus dem Onlineshop nach ganz Europa. Im vergangenen Jahr lancierten Ole, Florian und Bela justspices.com auf dem US-amerikanischen Markt und starteten in Deutschland den Vertrieb auch über Supermärkte. Das soll 2017 weiter ausgebaut werden, auch die Veranstaltung von Gewürzkursen steht auf dem Plan. Die USA dagegen beobachten die drei seit der Präsidentschaftswahl lieber noch eine Weile: „Wenn Strafzölle kommen, ist der Markt dort nicht mehr so interessant“, sagt Ole. Doch bei allem Erfolg bleibt dem Just-Spices-Team eines am wichtigsten: „Dass wir alle Spaß bei der Arbeit haben. Denn nur wenn alle zufrieden sind, entsteht ein gutes Produkt“, weiß Ole.

Die Damen, die damals zum Abendessen kamen, waren von ihrem indischen Daal übrigens beeindruckt – auch wenn es „Just Spices“ zu der Zeit noch nicht gab. Die drei scheinen also echte Naturtalente in Sachen Aroma und Geschmack zu sein.

Weitere Infos unter: https://www.justspices.de

Text: Julia Milan

Fotos: Just Spices

 

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