Wände, die wirken

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 2/2017

Ulrich Welter liebt das Oberflächliche. Der Wandgestalter arbeitet in seiner Berliner Manufaktur mit hochwertigen Materialien und lässt so anspruchsvolle Unikate entstehen.

Wie verändern sich die Dinge, wenn man ihnen Zeit lässt? Welche Patina bekommt zum Beispiel ein Holzgeländer? Oder eine liegen gelassene Plastikdose im Wald? Diese Fragen haben Ulrich Welter lange Zeit beschäftigt. Als er in den 80er-Jahren für die Filmbranche tätig war, war es seine Aufgabe, den Prozess des Verfalls nachzuahmen und Requisiten entsprechend zu gestalten. Heute geht es dem gelernten Werbetechniker weniger um den Verfall: Die hochwertigen Wandbekleidungen, die er entwickelt, sind Kunstwerke, die bleiben sollen. Aber auch an ihnen fasziniert ihn das Spiel von Farben, Strukturen und Licht. „Die Regeln, wie sich Dinge in ihre Umgebung einfügen, sind immer die gleichen“, sagt Welter. Bei der Gestaltung von Umgebungen komme es darauf an, diesen Regeln zu folgen. „Denn das Auge erfasst Unstimmigkeiten relativ schnell. Erst ohne diese Unstimmigkeiten werden Oberflächen glaubwürdig.“

Seit 32 Jahren experimentieren er und seine 15 Mitarbeiter in einer Manufaktur in Berlin-Schöneberg mit unterschiedlichen Materialien. Auf drei Etagen fertigen sie in stundenlanger Detailarbeit per Hand Tapeten aus Glaskugeln und -kristallen oder Blattmetallen. Oder eindrucksvolle dreidimensional gestaltete Wandpaneele in Kroko-Optik. Hierfür kommt ein Gemisch aus Kreide, Leim und Kaolin zum Einsatz, das im harten Zustand an beliebigen Stellen gebrochen und mit Möbellack versiegelt wird. An einem einzigen Quadratmeter einer solchen Fläche arbeitet das Team bisweilen bis zu 30 Stunden lang. So entstehen Wandunikate auf ganz organische Weise. Mit viel handwerklichem, kreativem Geschick: „Die Oberflächen sollen authentisch und lebendig wirken“, fasst Ulrich Welter seine Philosophie zusammen.


Zwar würde er auch Techniken wie den Digital oder 3D-Druck für Zwischenprozesse einsetzen – aber nicht zum Selbstzweck: „Wir möchten uns klar von der Massenproduktion abheben.“ Zu seinen Kunden gehören Luxushotels und exklusive Stores, aber auch Privatleute: „Meist sind das sehr starke Persönlichkeiten, die ihren Villen oder Appartements eine individuelle Note geben möchten“, so Welter. Im Gespräch mit ihnen versucht er herauszufinden, welche Bedeutung der jeweilige Raum für sie hat, welche Aussage er transportieren, welche Stimmung er erzeugen soll. In seiner Manufaktur präsentiert er Musterbeispiele seiner Arbeit: „Häufig verliebt sich der Kunde dann schnell in ein bestimmtes Material.“ Bei den anschließenden Entwürfen für eine Wandgestaltung gelte es meist, etwas zu übertreiben und den Hang vieler Kunden zum Purismus einzudämmen: „Möbel, Teppiche oder auch Menschen, die sich in einem Raum aufhalten – all das lenkt in der Regel von den Wänden ab“, so Welter. Es komme darauf an, Strukturen und Materialien in ihrer Umgebung gut zur Geltung zu bringen und ein harmonisches Ganzes entstehen zu lassen. Viel hänge dabei davon ab, dass seine Kunden ihm vertrauen.

Neben seinen Kollektionen bietet der Wandgestalter auch Sonderanfertigungen an. So hat er bereits das Adlon in Berlin, das Hotel Dolder in Zürich und viele internationale Stores von Chanel und Christian Dior oder auch die Galeries Lafayette individuell gestaltet. Aktuell stattet er mehrere Räumlichkeiten des Patrick Hellmann Schlosshotels in Berlin-Grunewald mit seinen Wandunikaten aus. Die Herausforderung: den Charme des neobarocken Gebäudes zu erhalten und zu unterstreichen. „Dabei ging es gestalterisch um den Spagat von Vergangenheit und Zukunft“, so Ulrich Welter. Hierfür hat das Team in Zusammenarbeit mit dem Hotelier und Modedesigner Patrick Hellmann komplett neue Materialien, Techniken und Oberflächen entwickelt.


Ein weiteres Highlight des künstlerischen Schaffens von Ulrich Welter: die Abendbühne der Oscar- Verleihung 2010. Tausende millimetergroße Silberkristalle hatte das Team auf Tapetenvlies gesetzt und damit eine beeindruckende Kulisse geschaffen, vor der die Stars ihre Trophäen entgegennahmen. Auch die Golden Globe und Emmy Awards schmückten bereits ihre Bühnen mit den Wandunikaten der Manufaktur. Die Preise für Tapeten aus dem Hause Welter liegen zwischen 100 und 400 Euro, für Paneele zwischen 800 und 1.900 Euro. Pro Quadratmeter. Die hochwertigen Materialien, der künstlerische Anspruch, die Zeit und die Liebe zum Detail inklusive.
Ulrich Welter ist Autodidakt. Einer, den seine Leidenschaft für Oberflächen antreibt. Wo andere Hersteller von Wandflächen oft nur ein einziges Material einsetzen, bietet der 55-Jährige eine ganze Bandbreite an. Er liebt es, Neues auszuprobieren, Strukturen zu erzeugen und Atmosphären auf sich und den Kunden wirken zu lassen. Fragt man nach ihm und seinem Verhältnis zu seinem Beruf, schmunzelt er in sich hinein: „Manchmal weiß ich gar nicht, wer wen ausgesucht hat ...“

Text: Elena Winter

Fotos: Welter Wandunikate

www.welter-wandunikate.de

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