"Korn kann mehr"

 

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 2/2017

Die Familienbrennerei Ehringhausen will das Image von Korn aufpolieren. Mit viel Leidenschaft zum Handwerk, erlesenen regionalen Zutaten und einem guten Schuss Kreativität stellt sie Destillate her mit einzigartigem Geschmack.

 Auf einem über 700 Jahre alten Hof in Werne an der Lippe wird heute in dritter Generation Hochprozentiges gebrannt, das bislang nicht den besten Ruf genoss: Korn. Das wollen die beiden Geschwister Theres und Georg Glitz- Ehringhausen ändern. Im Jahr 2012 übernahmen sie die Brennerei ihrer Eltern und führen seitdem ein traditionelles Handwerk in moderner Form fort – mit viel Leidenschaft, Kreativität und Naturverbundenheit. „Wir arbeiten täglich daran, Korn wieder frischen Wind einzuhauchen. Ein so vielseitiges Produkt hat sein eingestaubtes Image nicht verdient“, sagt Georg Glitz-Ehringhausen.

Sein Premium-Korn bietet mehr als so mancher schnöde Schnaps aus dem Supermarkt: Mehr Geschmack. Mehr Stil. Mehr Reinheit. Der 33-jährige Familienvater kam über Umwege zu seiner Bestimmung. Er studierte zunächst Landwirtschaft, seine Schwester arbeitete als Modedesignerin. Als die Familienbrennerei mangels Nachfrage für zwei Jahre stillstand, ließen die beiden sich kurzerhand zu Destillateuren weiterbilden, um das Unternehmen mit zwei Mitarbeitern fortzuführen. Denn Tradition verpflichtet: Bereits 1962 erbauten ihre Großeltern eine Kornbrennerei auf dem Familienanwesen. 30 Jahre später hatten ihre Eltern die wegweisende Idee, Spirituosen auf biologischer Basis zu produzieren und dabei Dinkel anstelle von Weizen zu verwenden. Daran halten sich die Nachkommen bis heute. Ob Schlehen, Haselnüsse, Zitronen, Holunder oder Dinkel – in der Brennerei Ehringhausen werden ausschließlich biologisch angebaute Zutaten verwendet. Zur Veredelung eines Korns, der Genussmittel ist statt Massenprodukt.

Drei Kilo Dinkel benötigt Georg Glitz-Ehringhausen für 600 Milliliter reinsten Korn. Dinkel ist eine der ältesten Getreidesorten Deutschlands, hat einen nussigen Geschmack und eine runde, malzige Note. Der Brennprozess vom Getreide bis zum fertigen Destillat dauert fünf Tage. In den ersten Tagen wird aus gemahlenem Dinkel eine sogenannte Maische angerührt. Sie wird mit Hefe vermischt, die die Stärke in Alkohol verwandelt. Der Alkohol entweicht im Brennvorgang, wird aufgefangen, abgekühlt und schrittweise destilliert, bis ein klarer Feinbrand mit 96 Prozent Alkoholvolumen entsteht. Georg Glitz-Ehringhausen setzt diesen mit eigenem Quellwasser zu 32-prozentigem Korn oder zu 42-prozentigem Kornbrand herab. Der wird entweder direkt in stilvolle Flakons abgefüllt oder er reift in Holzfässern. „Wir geben jedem Destillat die Zeit, die es braucht, um sich voll zu entfalten“, betont Georg Glitz-Ehringhausen. „Denn Charakter braucht Zeit.“ Bis zu fünf Jahre wird der Korn in Bourbon-Fässern gelagert. Das gibt ihm ein zartes Vanillearoma und eine fruchtig-holzige Note. Je nach Veredelung und Abfüllung entstehen raffinierte Geschmacksrichtungen wie Rosine oder Toffee, Vanille und Süßholz, Schokolade und Sherry. Jeder Brennvorgang, jede Lagerung und jede Abfüllung erfolgt in der Brennerei Ehringhausen von Hand. Jede Flasche, die das Haus verlässt, wird nummeriert, handverpackt und ein letztes Mal kontrolliert, bevor sie in ausgewählte Gastronomiebetriebe, in Feinkostläden, Spirituosengeschäfte und Concept Stores ausgeliefert wird.

Und die Nachfrage steigt. Nach Craft Beer, Gin und Whisky gilt Korn als die neue In-Spirituose. Er wird von einer neuen Generation Jungbrennern destilliert, in hübsche Flaschen verpackt und in Szenebars ausgeschenkt. „Korn ist aber längst nicht dort angekommen, wo wir ihn sehen. Es ist eine vielfältige Spirituose – und ein wichtiges Kulturgut“, schwärmt Georg Glitz-Ehringhausen. Handgefertigte Traditionsprodukte mit regionalem Bezug boomen – und Korn passt dazu. Er ist eine urdeutsche Spirituose mit über 500 Jahren Tradition, unterliegt ähnlich wie Bier einem strengen Reinheitsgebot und darf nur im deutschsprachigen Raum mit heimischem Getreide hergestellt werden. Und: Guter Korn hat mit den Kurzen, die an der Eckkneipe ausgeschenkt werden, wenig gemein. Er hat einen milden Geschmack, eine feine Getreidenote und wird meist als vollmundiger Aperitif oder Digestif genossen: pur und wohltemperiert bei 16 bis 20 Grad.

Um der Vielseitigkeit von Korn gerecht zu werden, experimentiert Georg Glitz-Ehringhausen täglich mit ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen und feinsten Zutaten. Vierzehn verschiedene Produkte hat die Brennerei im Sortiment: neben Korn auch Holunderlikör, Schlehengeist, Gin, mit Zitronengeist verfeinerte Orangenmarmelade oder auch scharfen Pfeffergeist. Für seinen Orangen-Eier-Creme-Likör lässt Glitz-Ehringhausen 10.000 sizilianische Bio-Orangen einfliegen, die aufwendig von Hand geschält werden. Das Meisterstück seiner Kollektion ist ein im Eichenfass gelagerter Kornbrand namens „Kleiner Lord“: So wurde sein Ururgroßvater Heinrich wegen seines eleganten Auftretens genannt. Als erster Ehringhausener baute er vor rund 130 Jahren Dinkel an – und legte damit den Grundstein für den Edelkorn aus Werne.

www.brennerei-ehringhausen.de

Text: Karolina Landowski

Fotos: Brennerei Ehringhausen

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