Jeden Tag eine Heldentat

 

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 1/2017

Blogs gibt es viele. Helden nur wenige. Sabine Steffens hat ihren gefunden – und schreibt über ihn und seine besonderen Fähigkeiten. Das macht Laune und Appetit.

Walter ist ein Held. Für Sabine. Denn Walter kann kochen. Ein Stück Fleisch wird in seinen Händen zu einem saftigen Roastbeef, ein stattlicher Lachs zu einer gegrillten Delikatesse. Und aus Gemüse und Kräutern zaubert Walter Tartes und Salate, Suppen und Saucen. Sabine, die mit vollem Namen Sabine Steffens heißt, sieht sich eher als „Küchenschabe“: isst gern, findet sich aber in der Küche ziemlich nutzlos. Sie hat den Heldentaten ihres Mannes lange Zeit zugesehen und sich die Ergebnisse auf der Zunge zergehen lassen. Bis sie vor Jahren im Internet auf eines der zahlreichen Foodblogs stieß und dachte: „Kann ich auch. Wenn schon nicht kochen, dann aber schreiben und vor allem fotografieren.“ Die Grafikerin hat ein Auge für Bilder, die Appetit machen. Der Held sollte weiter in seinem Element bleiben – am Herd. Und deshalb nannte die 49-Jährige auch ihr gemeinsames Blog so: „Held am Herd“.

Held am Herd Küche

Seit drei Jahren postet sie hier fast wöchentlich Rezepte, Fotos und Texte über den kulinarischen Alltag der Familie, die neben den beiden noch aus drei Töchtern und einer Hündin besteht. Das liest sich zum Beispiel so: „Die letzte Woche war eine sehr harte für den Helden, denn er war krank. Schwer krank. Männerschnupfen. Mit Kopf- und Gliederschmerzen. Ihr kennt das. Frauen können ja gar nicht fühlen, wie schlimm das wirklich ist. Sehr leidend schleppte sich der Arme von Bett zu Sofa und wieder zurück. Und die ganze Weiberbande hier konnte ihm nicht helfen. Noch nicht einmal kochen können wir ja. Und so musste sich der arme, geplagte Held selber eine frische Hühnersuppe kochen, um wieder auf die Beine zu kommen.“ 

Sabines Texte kommen wie das Tagebuch einer guten Freundin daher – und zeigen, warum Foodblogs so beliebt sind: Sie begegnen ihren Lesern auf Augenhöhe und geben einen sehr persönlichen Einblick in den Alltag anderer Menschen. „Ein Blog zu lesen ist, wie wenn man bei einem Winterspaziergang durchs Fenster in fremde Wohnzimmer schaut“, sagt Sabine. Neben männlichen Wehwehchen erzählt sie in ihren Texten auch von langen weinseligen Abenden mit der Großfamilie und Freunden, von Begegnungen mit interessanten Menschen und von dem alten Hof bei Wiesbaden, auf dem die Steffens seit 2010 leben.

held am herd haus

Aus ihrer Heimatstadt Düsseldorf war die Familie 2005 zunächst nach Krefeld gezogen. „Hier hatten wir unser Traumhaus eigentlich schon gefunden“, sagt die Bloggerin. Nämlich: helle, großzügige Räume. Bauhausstil. Idyllisch gelegen neben einem Park. Ihr Mann hatte sich aber nach ein paar Jahren beruflich neu orientiert und eine Stelle als Geschäftsführer in einem IT-Unternehmen in Mainz angetreten. Also zogen Sabine und die Kinder mit. Ihr neues Heim sollte einen völlig anderen Stil haben, nicht zu vergleichen mit ihrem alten Zuhause im Rheinland. Und so suchten und fanden sie den Hof mit seinen eher kleinen, verwinkelten Räumen und einem lauschigen Innenhof. 

An dem 130 Jahre alten Gebäude gab es anfangs viel zu renovieren – und zu improvisieren: In der Bauphase lebte die Familie zeitweise auf 30 Quadratmetern zusammen. Heute, nach fast sieben Jahren, ist das Haus der Dreh- und Angelpunkt der Steffens. Liebevoll eingerichtet mit Sinn fürs Detail. Unter den Möbeln auch einige Schmuckstücke vom Flohmarkt wie der alte Küchenschrank.Wichtigstes Utensil für den Helden war selbstverständlich der Herd, der mit sechs Feuerstellen und zwei Backöfen ausgestattet ist. Die beste Voraussetzung, um zum Beispiel solche kulinarischen Glanzleistungen zu vollbringen wie Hirschfilet mit Rosenkohlpüree oder Jakobsmuscheln mit grünem Spargel und Frühlingszwiebeln.

held am herd food

held am herd mann Hund

Derartige Köstlichkeiten lassen sich die Steffens gerne in der Scheune schmecken. Wenn alle Gäste zusammenrücken, ist hier Platz für bis zu 60 Personen. Das alte Holztor, das inzwischen innerhalb der Scheune als Raumteiler herhält, hat das Paar durch eine stilvolle Glasfront ersetzt. Dahinter wird also nun in großer Runde gegessen, getrunken, erzählt und gefeiert. Und es werden neue Pläne geschmiedet: „Unser großer Traum ist es, die Scheune weiter auszubauen und die ungewöhnliche Atmosphäre hier irgendwann auch für Veranstaltungen zu nutzen“, sagt Sabine. Zum Beispiel für Kreativ-Workshops oder Weinverkostungen. Denn guten Wein gibt es im Rheingau rund um Wiesbaden jede Menge. Ebenso zahlreiche Lebensmittelhändler und Bauernmärkte. Hier holt sich der Held regelmäßig Inspirationen für den Herd und fette Beute nach Hause. Es sei denn, er hat gerade Männerschnupfen.

Weitere Rezepte und Helden-Geschichten unter: http://www.heldamherd.com

Text: Elena Winter

Fotos: Held am Herd, Julian Müller

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