Bretter die die Welt bedeuten

 

Aus: Magazin KÖNIGSALLEE 3/2017

Handgefertigte Skier passen sich ihrem Fahrer an wie ein Maßanzug. Das Start-up Ünique Skis aus Wien hat sich darauf spezialisiert.

Clemens Frankl stand schon mit zwei Jahren zum ersten Mal auf Skiern. Seitdem sieht der 33-jährige smarte Wiener die drei Jahreszeiten rund um den Winter als ziemlich lästiges Übel an. „Mich fasziniert die Vielfalt dieses Sports. Man ist eins mit der Natur, kann seine Grenzen austesten oder einfach nur genießen. Und überall auf der Welt findet man andere Bedingungen vor – Japan zum Beispiel hat den luftigsten Schnee überhaupt“, schwärmt er. „Skifahren ist für mich so natürlich wie Gehen und Laufen.“ Dass jemand mit dieser Leidenschaft und Erfahrung besonders hohe Ansprüche an einen Ski stellt, liegt auf der Hand. Gemeinsam mit seinem langjährigen Kumpel Dominic Haffner hatte er 2011 die Idee, Skier selbst herzustellen.

„Wir wollten einen Ski fertigen, der einfach passt. Einen, der sich vom ersten Schwung an instinktiv richtig anfühlt. Wie ein Maßanzug“, erklärt Frankl. Ohne jegliche Erfahrung im Skibau konstruierten die beiden den ersten Prototyp ihres Unternehmens Ünique Skis. Der war zwar noch alles andere als ausgereift, fühlte sich aber lebendiger und intuitiver an als alle Skier, die sie vorher gefahren hatten. Frankl konnte fortan sein handwerkliches Geschick ausleben – der Weg dorthin war nach einem Studium der Politikwissenschaft und einer Karriere in der Kommunikationsberatung nicht gerade klassisch. Haffner konnte vor allem sein theoretisches Wissen als technischer Physiker einbringen und entwickelte mathematische Modelle, um die maßgefertigten Skier exakt anzupassen. Seit 2014 verstärkt zudem ein Skiprofi das Team von Ünique Skis: Gernot Pöchgraber, früherer österreichischer Skirennfahrer und langjähriger Tester in der Skiindustrie, sorgt dafür, dass die Produkte auch ihre Performance in den Schnee bringen. 

 

Nach sechs Jahren intensiven Testens und kontinuierlichen Verbesserns ist die Produktion bei Ünique Skis ausgereift. Am Anfang analysiert das Trio, auch mithilfe spezieller Messinstrumente, den individuellen Fahrstil des Kunden. Diese Daten werden zusammen mit seinen Körpermaßen per Onlinetool konfiguriert. So wird festgelegt: Welche Maße, -welches Design, welche speziellen Materialien soll der Traumski haben? Kunden können aus einer Vielzahl von Echtholzfurnieren wählen – deren individuelle Maserung sorgt dafür, dass jeder Ski allein optisch bereits einzigartig ist. Dann beginnt das eigentliche Handwerk: Zunächst wird die Grundlage, der Holzkern, in der entsprechenden Länge zugeschnitten und mit einer CNC-Maschine auf seine individuelle Dicke zurechtgefräst. Er besteht meist aus robustem heimischem Eschenholz, das für eine besonders lang anhaltende Spannung im Ski sorgt. 

Bei Leichtbaumodellen kommt das leichtere und flexiblere Pawloniaholz zum Einsatz. Anschließend schneiden die Handwerker die Laufflächen. Dafür verwenden sie gesinterte Rennbeläge aus Polyethylen. Die Kanten, die den Fahrer ähnlich wie Schlittschuhkufen in der Spur halten sollen, werden manuell gebogen. „Unsere Beläge und Kanten sind wesentlich dicker als seriell hergestellte Ware. Dadurch schützen sie den Holzkern besser, können häufiger geschliffen werden und halten tiefere Schläge auf der Piste aus“, erklärt Frankl. 

 

„Ein Ski, der sich vom ersten Schwung an instinktiv richtig anfühlt. Wie ein Maßanzug.“

Zum Schluss werden alle Komponenten besonders sanft und langsam verpresst, wodurch sich die einzelnen Schichten besser miteinander verbinden. Auf Kundenwunsch versiegeln die Skibauer die neuen Produkte noch mit Leinöl. 

Weil die Ünique-Skis-Jungs ihr Handwerk so lieben, lassen sie sich in ihrer Werkstatt in Wien auch gerne über die Schulter schauen – oder animieren gar zum Mitmachen: „Unsere Kunden können sich unter unserer fachmännischen Leitung auch selbst bei der Herstellung ihrer Skier einbringen“, sagt Frankl. Seit der Wintersaison 2015/2016 bietet Ünique Skis vier limitierte selbst gebaute Serien an, deren Modelle fürs Freetouring, für Variantenfahrten und für die Piste gefertigt sind. Auch handgemachte Taschen aus Filz, mit denen Skischuhe und Skier transportiert werden können, sind im Programm. Und natürlich tüfteln die drei Skibauer schon an neuen Ideen: „Wir wollen den perfekten Tourenski erschaffen“, sagt Clemens Frankl. •

https://www.unique-skis.com

Text: Tom Corrinth 

Fotos: Ünique Skis

 

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